Comedy, Tanz und Entschleunigung

Eine Schildkröte gegen Hektik beim Straßentheaterfestival „La Strada“

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Sein Thema ist das Nichtstun: Pieter Porst lässt eine Schildkrötenattrappe über ein Brett fahren – Entschleunigung pur.

Bremen - „Gute Nacht, Freunde. Es wird Zeit für mich. . .“, sagt Patrick Nederkoorn. Sein Satireprogramm „Die Holländer kommen“ ist ein Publikumsmagnet beim 25. Straßenkunstfestival „La Strada“, dass am Wochenende trotz zuweilen instabilen Wetters für Hochbetrieb in der Innenstadt und den Wallanlagen gesorgt hat.

Der Holländer Nederkoorn malt im freundlichen Plauderton ein Horrorszenario. Die Niederlande werden überschwemmt, 17 Millionen Holländer wollen nach Deutschland. Keiner war drauf vorbereitet, Holländer sind stur. „Wenn das Wasser 20 Zentimeter hoch ist, kaufen wir Stiefel. Wenn es zwei Meter hoch ist, ziehen wir eine Etage höher“, sagt Nederkoorn. Versicherungsschutz? Fehlanzeige.

„Du kannst in Holland alles versichern, das Verschwinden Deines Brusthaares, Entführungen durch Außerirdische und Depressionen Deines Haustiers. Aber nicht Überschwemmungen“, sagt Nederkoorn. Er hat schon Vokabeln geübt: „Rindfleischetikettierungsaufgabenübertragungsgesetz“. Per Handzeichen stimmt der Großteil des Publikums zu, 17 Millionen Holländer aufzunehmen. Das wird jedoch weniger, wenn die Holländer in die Häuser der Zuschauer wollen. . .

Pieter Porst (60) widmet sich im Programm „The Turtle“ der Faulheit und Entschleunigung. „Nichtstun ist schwere Arbeit“, steht auf einem Schild. Porst nimmt einen langen Grashalm in den Mund und setzt sich an die Seite eines siebeneinhalb Meter langen Bretts. Ruhig dreht er eine Winde, sentimentale Musik wie aus einem Leierkasten erklingt.

Holländer flüchten vor der Flut – Patrick Nederkoorn spielt dieses Klima-Szenario durch.

Am Ende des Brettes erhebt sich ein Hut, eine Schildkrötenattrappe macht sich auf die Reise. Porst lächelt entspannt. Minuten vergehen, bis ein Schild hochklappt: 92 Zentimeter. „Das ist nicht einfach“, sagt Porst. Bald ist der erste von den siebeneinhalb Metern geschafft. Es passiert was  – es beginnt zu regnen. Die Leute spannen Schirme auf. Die ersten gehen. Porst stellt einen riesigen Pinguin auf das Brett, den die Schildkröte umstößt. Porst liest ein englisches Gedicht zum Thema Hektik.

„Ich bin so stolz auf Euch im Regen“, sagt er danach. Die Schildkröte reist schon mehr als zehn Minuten, als die Hälfte der Strecke geschafft ist. Schließlich schießt der Künstler sie über eine Rampe durch einen brennenden Reifen.

Besucherin Fatima (32) aus Oldenburg ist fasziniert: „Es ist schon mutig, so eine Show zu machen. Langeweile und Show sind ja eigentlich Gegensätze.“ Sie ist „La-Strada“-Stammgast und war vorher bei „Glazendraaier“ aus Holland und seinen singenden Gläsern. Dessen Hände kreisen elegant über den Gläsern, glockenklare Töne erklingen.

Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend

Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
 © Martin Kowaleski
Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
 © Martin Ko waleski
Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
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Straßenkunst bei „La Strada“ am Sonnabend
 © Martin Kowaleski

Er spielt unter anderem „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel und „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg. Einige Gläser sind mit einer grünen Flüssigkeit gefüllt. „Die entsprechen den schwarzen Tasten auf dem Klavier“, erklärt der Künstler.

„Föhnfrisuren“ heißt die Performance von Oskar Spatz (28) und Lars Mindt (51) vom Kollektiv „Tanzbar Bremen“ auf dem Domshof. Beide zeigen eine Choreographie mit Laubbläsern, die auch mal zum Phallus-Symbol werden. Bald stehen beide Rücken an Rücken. Ein Duell bahnt sich an. Eine dunkle Stimme sagt: „Ich puste Dich weg“ oder auch „Du aufgeblasener Kerl“. Zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ gehen beide auseinander. Dann drehen sie sich um. Sie laufen aufeinander zu und drücken ab. Ihre Haare wirbeln auf – und beide genießen eine lange Föhnsession.

Klangstark gratuliert die Blaskapelle „Maskapelle“ mit den Maskenspielern des Blaumeier-Ateliers „La Strada“ zum 25-jährigen Bestehen. In Trachten und mit aufwendigen Gesichtsmasken motivieren sie viele Zuschauer, mit ihnen zu laufen. Sie haben verzierte Wagen. Aus Grammophon-Trichtern schießen sie Konfetti.

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