1 400 Bremer Schüler lernen schwimmen

Eine Nudel Abstand

Schwimmen mit der Pool-Nudel: Jae (v.l.), Luka, Rukaja und Sayed sind der „Nilpferd“-Kurs. Am Rand haben Linda Tacke und Sabine Walter alles im Blick, achten auf die Bewegungen und geben Hinweise.
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Schwimmen mit der Pool-Nudel: Jae (v.l.), Luka, Rukaja und Sayed sind der „Nilpferd“-Kurs. Am Rand haben Linda Tacke und Sabine Walter alles im Blick, achten auf die Bewegungen und geben Hinweise.
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Der richtige Ort für eine große Aufgabe: Im Bremer Unibad mit 50 Metern mal 25 Metern Wasserfläche finden in den Sommerferien einwöchige Intensivschwimmkurse für etwa 1 400 Schüler aus dritten Klassen statt. 50 Schwimmtrainer haben alle Hände voll zu tun: Sie bringen den Kindern das Schwimmen bei – das ist heute Thema in unserer Serie „Sommermomente“.

Die Kinder sind durch die Corona-Pandemie um Schwimmunterricht sowie das Seepferdchen-, Bronze- oder Silber-Abzeichen gebracht worden. Mit dem Intensivprogramm in den Ferien soll immerhin einem Teil der (laut Statistischem Landesamt) gut 4 800 Schüler in der Stadt Bremen geholfen werden, im Wasser gut zurechtzukommen. Die Kosten von etwa 40 000 Euro übernimmt das Bildungsressort.

Ein Großprojekt, nur möglich durch die Kooperation mit den drei Partnern Bremer Bäder-Gesellschaft, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und Landesschwimmverband. Die Zusammenarbeit begann weit vor den Ferien. Die meiste Zeit sei es während der Vorbereitung um ein Konzept gegangen, wie die Gruppen sicher durch das Bad geschleust werden können, sagt DLRG-Präsident Martin Reincke.

Schwimmen lernen in Bremen: Alles ist durchgeplant

Alles ist gut durchgeplant. Bis zu acht Kinder gehören zu einer Gruppe, die so schöne Tiernamen wie „Nilpferd“ haben. Sie werden jeweils von zwei Trainern abgeholt und gehen in einen provisorischen Umkleideraum hinter Absperrungen. Dann geht es ans Training, danach über den normalen Umkleidebereich wieder hinaus. Ein- und Ausgang sind getrennt, so dass sich die Gruppen nicht entgegenkommen. Es herrscht Maskenpflicht bis hin zum Becken.

Mario Lawendel, Betriebsleiter im aktuell geschlossenen Südbad in der Neustadt, hat das Konzept mitentwickelt und wacht über dessen Einhaltung – heute im Ausgangsbereich. 260 Mädchen und Jungen starten in dieser Woche und durchlaufen die Halle zum ersten Mal, darunter etliche aus Migrantenfamilien. Bereits nach einer halben Stunde vergnügen sich sechs Kurse im Wasser. „Sie hatten ein Dreivierteljahr Schwimmunterricht, doch dann drei bis vier Monate keinen mehr. Sie sind teilweise etwas eingerostet“, scherzt Lawendel. In der vergangenen Woche hätten 60 Prozent der Kinder ihr Abzeichen geschafft. Die anderen können noch für ein oder zwei Tage wiederkommen oder machen nach den Ferien weiter. 1 000 Abzeichen sei die Zielmarke, so DLRG-Präsident Reincke. Man habe gut qualifizierte Trainer eingesetzt und ein detailliertes pädagogisches Konzept erarbeitet.

Linda Tacke und Sabine Walter von der DLRG lassen ihren „Nilpferd-Kurs“ zunächst mit der Pool-Nudel schwimmen, einer zwei Meter langen und biegsamen Styropor-Stange mit Auftrieb. Jedes Kind bekommt seine eigene Nudel und kann sie aufgrund der Hygienemaßnahmen auch behalten. Der Sicherheitsabstand beträgt im Bad ebenfalls – genau – eine Nudel-Länge. Die Trainerinnen haben die Gruppe fest im Blick.

Schwimmen lernen in Bremen: Disziplinierte Kinder

Erstmal schwimmen die vier Kursteilnehmer im Kreis. Das klappt gut. Dann geht es an den Rand, und alle tauchen einmal mit dem Kopf ab. „Man sieht, die sind alle schon getaucht“, sagt Lawendel. Die Trainerinnen beobachten das spielerische Geschehen genau und verschaffen sich einen Überblick über die Schwimmfertigkeit der Kinder. Sabine Walter sagt: „Auch wenn sie Seepferdchen haben, heißt das noch nicht, dass sie schwimmen können.“ Dann geht es auf die 25-Meter-Strecke, die Nudel unter der Brust. Die Nudel hilft auch beim Sprung vom Rand. Tacke und Walter sowie auch ihre Kollegen haben es mit disziplinierten Kindern zu tun. Sie schwimmen gern ihre Strecken, bald auch ohne Nudel. Die Kinder bleiben den ganzen Wochenkurs über bei ihren Kursleiterinnen, so dass eine gute Bindung entsteht.

Ein Junge bekommt ein bisschen Extra-Hilfe. Dafür geht es mit Kursleiterin Tacke zum Ausbildungsbecken mit sehr warmem Wasser und wenig Tiefe. Sich treiben lassen, springen vom Rand auf die Nudel, einen Ring hochholen. Letzteres verlang das Tauchen mit offenen Augen. Tacke kümmert sich intensiv, erklärt alles genau. Und siehe da, der Kleine schafft sein Seepferchen. „Cool“, freut er sich mächtig.

Von Martin Kowalewski

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