„Eine lupenreine Erpressung“

Prozess um Messerstecherei: Opfer soll Geld für Falschaussage gefordert haben

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Agron S. (links) und Ditron S. (rechts) werden aus der Untersuchungshaft in den Verhandlungssaal geführt. Im Hintergrund betritt Abdullah C. mit seinem Verteidiger Christian Knüpling das Gericht. Der 26-Jährige befindet sich auf freiem Fuß.

Bremen - Von Steffen Koller. Überraschende Wende im Verfahren gegen die mutmaßlichen Messerstecher von der „Waterfront“: Am dritten Prozesstag wegen gemeinschaftlich versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung sagte am Freitag das mutmaßliche Opfer vor dem Landgericht Bremen aus. Der 30-Jährige identifizierte die Angeklagten als diejenigen, die im Mai im Gröpelinger Einkaufszentrum auf ihn einstachen. Haken an der Sache: Der Mann, so legen es Telefonate nahe, hatte wohl Geld für seine Aussage verlangt.

Fast vier Stunden wurde der 30-Jährige vernommen, seine Entlassung als Zeuge stand kurz bevor. Doch dann kam alles ganz anders. Der Mann, der im Mai dieses Jahres in der „Waterfront“ von den Angeklagten Ditron S. (25), seinem älterem Bruder Agron S. (27) und dem 26-jährigen Abdullah C. verprügelt und niedergestochen worden sein soll, hat womöglich für seine Aussage vor Gericht Geld verlangt.

Mehrere Telefonate, die der Kammer am Freitag vorgespielt wurden, erhärten diesen Verdacht. In den Gesprächen ist von zwei Varianten die Rede, wie die Aussage des Zeugen vor Gericht ausfallen könnte. Zahlen die Angeklagten 15 000 Euro, würde der Zeuge behaupten, er habe die Situation in den Abendstunden des 20. Mai provoziert und es gehe ihm heute schon viel besser.

„Bei 15.000 Euro vergisst du alles?“

Fließe hingegen kein Geld, würde er sagen, er habe noch heute Schmerzen, traue sich nicht mehr alleine vor die Tür und besuche einen Psychologen. In einer Passage heißt es wörtlich: „Bei 15 .000 Euro vergisst Du alles?“ Die Frage soll laut Zeugen ein „Mittelsmann“ gestellt haben. Die Antwort: „Ja, genau, dann geht es mir wieder gut.“

Schließlich wisse der 30-Jährige ja, „wie es an deutschen Gerichten so zugeht“. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin bestätigte der Mann, das Telefonat geführt zu haben, jedoch habe er all das nur gesagt, um den Angeklagten „ein wenig Angst zu machen“. Das Gespräch habe für ihn „mehr oder weniger keine große Rolle gespielt“. Seine Forderungen seien weder ernst gemeint gewesen noch sei je Geld geflossen, so der Zeuge. Agrons S.’ Verteidiger, Stephan Weinert, wurden die Mitschnitte nach eigener Aussage „zugespielt“. Eine Quelle nannte er nicht. Zum Vorgehen des Zeugen sagte er: „Das ist eine lupenreine Erpressung. Das ist ein Skandal.“ Und weiter: „Diese Aussage hat keinen Wert. Null.“

Neue Erkenntnisse

Auch zum möglichen Motiv gab es neue Erkenntnisse. So sollen sich zumindest der Zeuge und der Angeklagte Ditron S. bereits mehr als zwei Jahre kennen. Der Zeuge – gegen den bereits mehrere Gerichtsverfahren laufen und dem nach eigener Aussage die Abschiebung droht – soll nach einer Prügelattacke gegen Ditron S. von eben jenem angezeigt worden sein. Auch hierzu liegt dem Gericht eine Videoaufnahme vor.

Identifizierung der Täter

Noch einmal zurück zum Beginn der Vernehmung: Dort behauptete der Zeuge, Agron S. und Abdullah C. zweifelsfrei als Täter identifizieren zu können. Auch Ditron S. sei in der „Waterfront“ gewesen, seinen möglichen Tatbeitrag wusste der 30-Jährige nicht genau einzuordnen.

Doch das wird sich wohl am nächsten Prozesstag, Freitag, 22. Dezember, ändern. Verteidiger Erich Joester kündigte eine Einlassung seines Mandanten an. „Er wird Rede und Antwort stehen. Wir werden nicht rumeiern.“

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