Serie „Mein Kunst-Stück“

Tom Gefken und sein Bild „Blackstar“: Eine Hommage an David Bowie

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Tom Gefken präsentiert sein Werk „Blackstar“.

David Bowie starb am 10. Januar 2016, nur zwei Tage nach der Veröffentlichung seines damit letzten Albums „Blackstar“. „Ich habe mir die Scheibe in seiner Ausstellung in Groningen gekauft“, erinnert sich Tom Gefken. Daraus entstand das gleichnamige Werk „Blackstar“, mit dem der Bremer Künstler heute Teil unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ ist.

Bremen - Von Tido Davids. „Ich war schon immer Bowie-Fan, fand die Musik total toll. Ich habe die Scheibe eingelegt und angefangen, diese Welle zu malen“, sagt Gefken. Das fertige Bild zeigt eine riesige, brechende Welle. Der Himmel ist grau, die See unruhig. Im unteren Teil des Bildes prangt der Album-Titel „Blackstar“ in kursiv gesetzter Schrift auf sandfarbenem Hintergrund. Gemalt wurde das Bild mit Ölfarben auf einer Leinwand. „Eigentlich wollte ich das Bild Bowie nennen. Aber das wäre ziemlich profan“, sagt Gefken. „Man muss nicht wissen, dass das Bowies letzte Scheibe war oder ich das Bild beim Hören des Albums gemalt habe. Selbstverständlich trägt dieses Wissen zum Verständnis bei, aber es ist keine Voraussetzung, damit das Bild etwas in Dir auslöst.“

Bereits im Kindesalter habe er angefangen zu zeichnen. „Während mein Bruder zu Hause saß und Hausaufgaben machte, habe ich mich hingesetzt und irgendwas aus Bildbänden abgezeichnet“, sagt der Bremer. Gefken studierte Kunst und Erwachsenenbildung an der Universität Bremen, jedoch ohne Abschluss. 1985 wurde er Gründungsmitglied der „Galerie des Westens“ (GaDeWe). Das ist bis heute ein renommierter Ausstellungsort für bekannte, aber auch aufstrebende Künstler aus Bremen. Im Arbeiterstadtteil Walle gelegen, wollte man Anfang der 90er Jahre insbesondere dort Kunst sichtbar machen. Die „GaDeWe“ organisierte zahlreiche Ausstellungen an öffentlichen Orten: in Kanzleien, am Theater und sogar in Kneipen. „Wir wollten damals unsere eigene Plattform schaffen und dachten uns: Wenn die Leute nicht zur Kunst kommen, muss die Kunst zu den Leuten kommen“, sagt der 58-Jährige. „Das war wirklich eine spaßige, aber auch extrem lehrreiche Zeit“, so Gefken weiter.

Heute kann der Künstler von seiner Kunst leben. „Wenn ich ins Atelier komme, setze ich mich ans Fenster und trinke einen Kaffee. Dabei lese ich Zeitung und checke Mails. Dann fange ich an zu arbeiten“, sagt Gefken. Was die Herausforderungen des Künstlerlebens sind? „Sich morgens die Scheiße anzuschauen, die man nachts gemacht hat – soll Baselitz mal gesagt haben“, erwidert der 58-Jährige. Dennoch liebe er an der Kunst die prozesshafte Auseinandersetzung. Wozu wir das brauchen? „Um sich mit der Welt auseinanderzusetzen und ganz einfach, weil es Spaß macht“, sagt Gefken.

Inspiriert wurde der Künstler von Sigmar Polke (1941 bis 2010). „Ich schätze den intelligenten Humor seiner Arbeiten“, sagt der 58-Jährige. Auch Caravaggio (1571 bis 1610) bewundert Gefken bis heute. „Die Auswahl seiner Modelle war einzigartig. Menschen von der Straße stellte er als Petrus dar – das ist, für die damalige Zeit, wirklich bemerkenswert“, sagt Gefken. Ein Objektkasten, mit dem Titel „Contemporary accident V“, gestaltete Gefken sogar nach Caravaggio. „Auch die Lichtsetzung, in Verbindung mit der kontrastreichen Malerei, finde ich beeindruckend“, sagt der Bremer.

Ein Werk als Botschaft kann sich der Künstler nur schwer vorstellen. „Eine gemalte Botschaft sozusagen? So etwas geht nur in einer konkreten Situation“, sagt er. „Wenn ich einen Adressaten hätte, würde ich mich damit auseinandersetzen. Durch diese Auseinandersetzung würde ich eine Arbeit entwickeln“, so Gefken weiter. Mindestens einmal ist ihm das schon gelungen: bei der Hommage an David Bowie.

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