Jubiläum: 75 Jahre Bremer Bäder

Eine Gründung mitten im Krieg

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Das Stadionbad um 1955. Der Zehn-Meter-Sprungturm ist ein Wahrzeichen des Schwimmsports in Bremen. Das Stadionbad wurde im August 1925 eröffnet. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Gefeiert wird das Jubiläum am Sonnabend im Musicaltheater – dort also, wo früher das Zentralbad gewesen ist. Und das passt gut, geht es doch um die Gesellschaft Bremer Bäder. Vor 75 Jahren, am 18. Februar 1942, ist sie als „Gesellschaft für öffentliche Bäder“ gegründet worden.

Mitten im Zweiten Weltkrieg also. Wie kam es dazu? Hinweise dazu kann womöglich 3-V.2. Nr. 1707 [17] geben. Das ist die Nummer einer umfangreichen Akte mit Unterlagen, Briefwechseln und Urkunden aus der Gründungsphase der Gesellschaft, die im Staatsarchiv zu finden ist.

Von „Verhandlungen über die Neuordnung des öffentlichen Bäderwesens“ ab 1941 ist darin die Rede. In jenen Tagen unterhielt der 1875 gegründete „Verein für öffentliche Bäder“ Schwimmbäder in Bremen, darunter das Breitenwegbad. Der Staat betrieb ebenfalls einige Hallen- und Freibäder. Das Ziel war nun eine „einheitliche Führung“, wie es an einer Stelle in der Akte heißt.

Das Thema war so bedeutend, dass es auch im Rathaus besprochen wurde. In einem Schreiben an Richard Duckwitz (1886 bis 1972), in jenen Tagen Präsident der Finanzverwaltung, versprach der Verein für öffentliche Bäder, „seine ganzen Erfahrungen“ in den Dienst der Bäderbetriebe zu stellen.

Der Staat aber wollte sich „ein weitestgehendes Bestimmungsrecht“ über die Bäder und die zukünftige Gesellschaft sichern, heißt es vier Wochen später in einem als „vertraulich“ gekennzeichneten Schreiben an Adolf Jung, den Direktor – sprich: Geschäftsführer – des Vereins für öffentliche Bäder.

Es dauerte keine Woche, dann lag die Antwort des Vereins auf dem Rathaustisch. Unter diesen Umständen, so heißt es darin, sei es dem Verein „nicht möglich, seine Tätigkeit“ in der bisherigen Form fortzusetzen. Und es folgt der Vorschlag, eine GmbH zu gründen, deren Gesellschafter der Staat und der Verein für öffentliche Bäder sein sollten. Die Gesellschaft werde Eigentümerin aller Bäder in Bremen und unterstehe der Aufsicht des Gesundheitsamts, heißt es weiter.

Und so kam es dann auch, was im Sinne des Rathauses gewesen sein dürfte – ging es hier doch auch, wie an anderer Stelle zu lesen ist, um „die Volksgesundheit“.

Hochbetrieb im Horner Bad. Es war 1932/33 eingerichtet worden. Im Jahr 1960 wurde das Horner Bad neu angelegt. - Foto: Leonhard Kull/Bremer Bäder

„Der Verein hatte auch in der NS-Zeit privaten Charakter; eine Verstaatlichung wurde 1941 erwogen, aber nicht konsequent durchgeführt. Wohl aber wurde der staatliche Einfluss verstärkt“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Am 18. Februar 1942 wurde der Zusammenschluss aller Hallen- und Freibäder der Stadt Bremen und des Vereins für öffentliche Bäder in der Gesellschaft für öffentliche Bäder notariell beurkundet.

Das Schwimmbad an der „Bremer Kampfbahn“ – besser bekannt als Stadionbad – zählte ebenso dazu wie die „Flussbadeanstalt Kaiserbrücke“, angelegt mit Pontons unterhalb der 1945 zerstörten Brücke (später ersetzt durch die Bürgermeister-Smidt-Brücke). Auch das Breitenwegbad, im Krieg beschädigt und 1952 geschlossen, gehörte zum Bestand der neuen Gesellschaft. Und so weiter, und so fort. Mehr als ein Dutzend Bäder waren es insgesamt.

Die Gesellschaft, deren Geschäftsführer Adolf Jung geworden war, erstrebe „keinen Gewinn“, hieß es in der Presse. Sie werde „der Bevölkerung die zur Förderung der Gesundheit und der körperlichen Ertüchtigung erforderlichen öffentlichen Badeeinrichtungen zur Verfügung stellen“.

Die Akte mit den Unterlagen zur Gründung. - Foto: Kuzaj

Längst nicht alle Bäder haben den Krieg überstanden, wohl aber die Gesellschaft für öffentliche Bäder. Die Besatzungsmacht forderte schon im Juli 1945 den Wiederaufbau von Hallenbädern, der Gesellschaft fehlte aber das Geld. Nach und nach aber öffneten dann wieder Bäder – mit staatlicher Hilfe. Auch neue Bäder kamen hinzu – so zum Beispiel 1952 das inzwischen geradezu legendäre Zentralbad am Richtweg, 1956 das "Schloßparkbad" in Sebaldsbrück, 1961 das Herbert-Ritze-Bad in der Vahr. 1970 öffnete das Hallenbad Süd in der Neustadt, 1973 das Hallenbad West in Walle. Aus der Gesellschaft für öffentliche Bäder wurde die Gesellschaft Bremer Bäder.

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