„Eine Einladung an alle“

500 Jahre Reformation: Bremer Kirche feiert ein Jahr lang mit vielen Veranstaltungen

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„Religion gehört nicht ins stille Kämmerlein“, sind sich die Organisatoren zur Reformationsfeier um Pastor Renke Brahms (v.l.), Jens Böhrnsen, Studentin Maria Esfandiari und Pastor Hans-Gerhard Klatt einig. 

Bremen - Von Steffen Koller. Der Countdown läuft. Ab dem 31. Oktober feiern Bremen und seine Evangelische Kirche 500 Jahre Reformation. Ein Jahr lang, so die Organisatoren um den ehemaligen Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), stehen verschiedene Festveranstaltungen auf dem Programm. Das „Weltereignis“ (Böhrnsen) beginnt mit einem Gottesdienst.

1517 war es, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Dieser Akt gilt bis heute als Geburtsstunde der Reformation und für Botschafter Jens Böhrnsen (67) als Beginn einer „großen Freiheitsbewegung“, sagte er gestern bei einem Pressegespräch. An seiner Seite wird bis zum eigentlichen Jubiläum 2017 die Medienwissenschaftlerin Maria Esfandiari (23) stehen, die in ihrer Nominierung als Botschafterin „eine große Ehre“ sieht. Auf den ersten Blick scheinen Böhrnsen und Esfandiari ein ungleiches Paar zu sein. Der SPD-Politiker ist evangelisch, die 23-Jährige ist Katholikin. Doch genau darum gehe es, sagt die Studentin: „Mit diesem Jubiläum ist ein erster Schritt zur Vereinigung der beiden Kirchen gemacht. Wir wollen zeigen, dass Kirche für alle da ist und sich keiner verschließt.“

Im Fokus des Jubiläums steht – politisch ganz aktuell – „die Flüchtlingskrise in allen ihren Dimensionen“, berichtet Pastor Renke Brahms, oberster kirchlicher Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche, der auf die Geschichte der Hansestadt verweist. „Bereits früher war Bremen ein Ort für Geflohene. Wir wollen an dieses Thema anknüpfen. Jeder ist willkommen.“

Feierlichkeiten beginnen am 31. Oktober

Konkret beginnen die Feierlichkeiten am 31. Oktober mit einem Festgottesdienst in der St.-Ansgari-Kirche. Für die folgenden 365 Tage – also bis zum 31. Oktober 2017, dem eigentlichen runden Geburtstag der Reformation – haben die Organisatoren unter anderem ein Geschichtenmobil, Tagungen, Konzerte, Kunstprojekte, Infosveranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen geplant.

Trotz allem christlichen Bezug dürfe man die Festlichkeiten nicht als „Werbetour für die Kirche betrachten“, so Böhrnsen. Es gehe um „die Vielfalt der religiösen Bekenntnisse“. Darum sei auch jeder willkommen – ob Jude, Muslim oder konfessionslos, betont er: „Wir wollen nicht unter uns bleiben. Es ist eine Einladung an alle.“

Und was bleibt nach fast 500 Jahren Reformation? Wie lässt sich Kirche und deren Verhältnis zu Staat und Gesellschaft verbessern, welche Lehren können gezogen werden? Böhrnsen meint dazu, dass „Reformation eine ständige Aufgabe“ sei. „Der 31.  Oktober ist mehr als Erinnerung. Es ist ein Tag, an dem die Gesellschaft über sich nachdenkt, an dem jeder sein Handeln reflektieren sollte.“ Eine Botschaft steht aber laut Maria Esfandiari besonders im Mittelpunkt: „Es geht um ein friedliches Miteinander, einen friedvollen Umgang unter den Menschen in unserer Stadt und auf der ganzen Welt.“ Dazu könne Religion einen entscheidenden Anteil leisten, daher gehöre sie auch nicht ins „stille Kämmerlein“.

Mehr online unter: www.bremen2017.de

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