Traditionelles Spektakel zum Saisonauftakt

Eine Demo für den Matjes

+
Gruppenbild mit Matjes. . . nun ja, mit Matjes-Fässern: Bevor die Prozession beginnt, posieren die Beteiligten am Martinianleger. Im Vordergrund „Matjes-Hermann“ (l.) und Reinhard Schoch.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Eine höchst merkwürdige Demo war es, die da am Mittwoch von der Schlachte über die Martinistraße zum Marktplatz zog – und dann wieder zurück an die Schlachte. Begleitet von „Ahoi!“-Rufen, hatten die Demonstranten kaum Transparente dabei, wohl aber etliche Fässer. Und ein Schild gab es dann doch. Auf dem stand: „Matjes-Party an der Schlachte! Bitte folgen!“

Die Beteiligten demonstrierten also nicht gegen, sondern für etwas – für Fisch. Für Matjes. Dessen Saison beginnt ja jetzt. Und die Demo, die Prozession, es war die alljährliche Bremer Matjes-Premiere. Auf die Beine gestellt vom Förderkreis des Bremer Fischfachhandels, nachdem die offizielle Matjes-Saisoneröffnung des holländischen Fischbüros ja vor ein paar Jahren von Bremen nach Hamburg verlegt worden ist. Ausgerechnet!

Fontänen vor dem Beluga-Gebäude – das „Löschboot 1“ aus Rekum war bei der Matjes-Premiere an der Schlachte ebenfalls mit von der Partie. - Foto: Kuzaj

Aber auch und gerade an der Weser wird die in Salzlake eingelegte Spezialität kultisch verehrt. In Bremen ist sie immer ein kleines Volksfest, diese Premiere. Das war auch dieses Mal so, als der Martinianleger bei strahlend blauem Himmel und sommerlichem Sonnenschein zum „Matjesanleger“ wurde. Begleitet von – ziemlich kräftigen – Salutschüssen legte hier die „Gräfin Emma“ an, die vom alten Heringsloggerhafen Vegesack aus ins Herz Bremens gefahren war. An Bord: die „Ehrenwerte Gesellschaft“ aus Bremen-Nord – dunkler Anzug, weißer Theaterschal, Zylinder –, die Mädchen und Jungen vom Jaburg-Kindergarten in Vegesack, eine Delegation des „Zevener Matjesfests“ (Sonnabend, 17. Juni, 10 bis 17 Uhr). Ein – natürlich! – maritim gekleideter Drehorgelspieler ließ „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ erklingen, als die „Gräfin Emma“ anlegte. Und dann, endlich, ging es los mit der Demo, mit der Prozession. Angeführt – wie immer – von Bremen „Fisch-König“ Peter Koch-Bodes, dem Vorsitzenden des Förderkreises des Bremer Fischfachhandels, „Matjes-Hermann“ (Fischfachmann Hermann Kopp) und Reinhard Schoch.

Und dann wurde auch bald ein Fass aufgemacht – das erste Matjes-Fass der Saison, symbolträchtig und unter den Augen des Publikums vor der Bühne an der Teerhofbrücke. Der Shanty-Chor „Windjammer Zeven“ hatte gesungen, die Jaburg-Kinder waren aufgetreten, das alljährliche Spektakel nahm seinen Lauf. Wie in jedem Jahr. Die nunmehr 34. „Tour de Matjes“ ist eröffnet. Nun kann der in Bremen so gefeierte Fisch seinen Weg in die anderen Bundesländer nehmen.

Holländische Verbindungen

Matjes hat in Bremen eine lange Tradition und gehört zu den Dingen, die die Hansestadt mit Holland verbinden. Der Begriff „Matjes“ – man ahnt‘s – kommt aus dem Holländischen. Er geht auf „Meisje“ (Mädchen) zurück und bedeutet „Mädchen“- oder auch „Jungfernhering“. Und das nicht ohne Grund, denn Matjes wird aus jungen, nicht geschlechtsreifen Heringen gemacht, die einen vergleichsweise hohen Fettanteil haben. Die Spezialität gilt unter Liebhabern als so köstlich, dass man dafür schon mal auf die Straße geht. Um für den Matjes zu demonstrieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Sommerfest der SPD in Verden 

Sommerfest der SPD in Verden 

Meistgelesene Artikel

„Summer Sounds“: Technobässe, Jazz und Lichterketten

„Summer Sounds“: Technobässe, Jazz und Lichterketten

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

„Sommer in Lesmona“: „Blauer Himmel – fast wie hier“

Zeremonie für Friedenssymbol des Dalai Lama in der Botanika

Zeremonie für Friedenssymbol des Dalai Lama in der Botanika

53-Jähriger nach Tritten gegen den Kopf notoperiert

53-Jähriger nach Tritten gegen den Kopf notoperiert

Kommentare