Seemannsmissionen bescheren Schiffsbesatzungen in den Häfen

Eine Brücke in die Heimat

Die evangelische Seemannspastorin Jutta Bartling (56) und der ehrenamtliche Bordbesucher Gerhard Prübusch (66) bringen für die Seemannsmission Weihnachtsgeschenke in den Bremer Hafen. An Bord der „Star Japan“ aus Norwegen werden sie schon freudig erwartet. ·
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Die evangelische Seemannspastorin Jutta Bartling (56) und der ehrenamtliche Bordbesucher Gerhard Prübusch (66) bringen für die Seemannsmission Weihnachtsgeschenke in den Bremer Hafen. An Bord der „Star Japan“ aus Norwegen werden sie schon freudig erwartet. ·

Bremen - Von Dieter Sellund Jörg NielsenBREMEN · Seemannsdiakon Michael Wechsler sucht fieberhaft nach einem Spanferkel. Gar nicht so einfach jetzt im Winter: „Für philippinische Seeleute ist das Ferkel zu Weihnachten so wichtig wie für die Deutschen der Gänsebraten.“ In den Häfen an der Nordseeküste sorgen er und mit ihm alle Mitarbeiter der Deutschen Seemannsmission in diesen Tagen dafür, dass die Seeleute zu Weihnachten wenigstens für ein paar Stunden den Kopf freibekommen – meist weit weg von Heimat und Familie.

Weihnachtsfeiern mit Spanferkel und Indoor-Barbecue, das sind willkommene Höhepunkte in trister Lage. Die Frachtraten schlecht, viele Schiffe dümpeln ohne Ladung als „Auflieger“ in den Häfen: Die Schifffahrtsbranche steckt seit Jahren in der Krise – und mit ihr Seeleute aus aller Welt, die an Bord von Containerriesen, Tankschiffen oder Massengutfrachtern die globale Wirtschaft beliefern. Teils mussten sie Lohnkürzungen hinnehmen, teils mit ausgedünnter Besatzung klar kommen.

Mit Bordbesuchen und Tausenden von Geschenktüten sorgt die Seemannsmission an der Deutschen Bucht deshalb dafür, dass sich wenigstens zum Fest die Stimmung aufhellt. „Die Schiffe werden immer größer und trotz maximaler Technik steigen die Anforderungen“, meint der Bremerhavener Seemannsdiakon Thomas Reinold. „Der Druck wächst. Deshalb ist die Dankbarkeit bei den Leuten groß, wenn einer an Bord kommt und Geschenke bringt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.“

Aber nicht nur die Weihnachtsfeiern sind den Männern im Seemannsclub wichtig. Von hier aus können sie jetzt meist kostenlos mit ihren Familien telefonieren oder über das Internet Verbindung aufnehmen. Dass das viel zu oft nur virtuell geschieht, zeigt das Beispiel eines Seemanns, den sein dreijähriger Sohn nur vom Computerbildschirm kennt. Er hält ihn für einen Geist, den man wie das Gerät ein- und ausschalten kann. Der jüngste Sohn, noch kein Jahr alt, nennt den Laptop der Mutter, auf dem Papa immer beim Skypen erscheint, schlicht „Dad“.

„Abschied nehmen, Monate weit weg vom Zuhause, selten Kontakt, das ist schwer für die Seeleute“, berichtet die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission in Bremen, Heike Proske. „Doch das bringt der Beruf mit sich, Liebeskummer inklusive.“

Bordbesuche mit Posaunenchören am Heiligmorgen in Bremen und Bremerhaven, überall Geschenke und Gottesdienste zum Fest: „Das zeigt den Seeleuten, dass es an Land Menschen gibt, die an sie denken“, sagt Generalsekretärin Proske. · epd

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