Für eine Bilanz hat Bonnie Tyler noch Zeit

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Bonnie Tyler 

Bremen - Einfach auf die Bühne gehen und loslegen? Das sollen die anderen machen. Wer seit einem halben Jahrhundert durch die Weltgeschichte tourt, kann und muss sich etwas Extravaganz leisten. Zum Beispiel eine Vorstellung wie bei einem Boxkampf, inklusive grimmigem Ansager.

Nötig hat Bonnie Tyler so eine Eröffnung natürlich nicht, trotzdem passt die Boxer-Referenz dann doch perfekt zu der unverwüstlichen Sängerin. Seit 50 Jahren steht die als Gaynor Hopkins geborene Waliserin bereits auf der Bühne. Grund genug, dies mit einer Tour zu feiern, die sie am Freitagabend auch nach Bremen führte. Dort stellt die wortwörtliche Rockröhre erstmal den Mikroständer zur Seite, sie braucht ihn nicht. Denn während sich Bonnie Tyler durch die kleineren und größeren Hits ihrer beachtlichen Karriere arbeitet, schreitet und tänzelnd sie von einer grellen Lichtshow begleitet über die Bühne. Gibt ihrer fabelhaften vierköpfigen Band immer wieder Raum für laut rockende Solo-Einlagen, winkt in die Menge und erzählt. Von ihren Anfängen im Business und den Höhepunkten ihrer Karriere. Damals, als sie „Pink Floyd“ von der Spitze der britischen Charts verdrängte und sich wie eine Prinzessin fühlte.

Heute sind diese Zeiten längst vorbei, wenngleich sich die 67-Jährige in glitzernder Leggins und schwarzem, Frack-artigem Oberteil erstaunlich gut gehalten hat. Warum, darum macht Tyler kein Geheimnis, als sie Gott für Botox dankt und einen ihrer größten Hits anstimmt, „It’s a heartache“. Es gibt wohl kaum eine Partynacht, in der die Menge nicht irgendwann grölend gebrochene Herzen besingt, und auch im Metropol-Theater ist man textsicher. Allerdings begeht Tyler nicht den Fehler, bei fast jedem Stück, die Arbeit dem Publikum zu überlassen. Nein, ganz Profi gibt lediglich wohldosierte Mitmach-Phasen, die viele Zuhörer an ihre Jugend erinnern dürften.

Seit damals hat sich auch bei Bonnie Tyler einiges getan: Ihre Karriere hatte mehr als einen Tiefpunkt, einer davon 2013, als sie für Großbritannien beim ESC antrat – und mit 23 Punkten unterging. Und doch ist sie – wie ein Boxer nach dem letzten Knockout – immer noch da, ihre aktuelle Platte erschien Ende März. Von „Between the earth and the stars“ gibt es acht Songs zu hören, darunter auch „Older“ aus der Feder von Ed Sheerans Songschreiberin Amy Wadge, die letzte Zugabe an diesem Abend. Eine Ballade, die auf Erreichtes und Verpasstes blickt, Bilanz zieht. Naja, höchstens Zwischenbilanz.

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