„Verschwunden“: Von der Großen Weserbrücke sind nur zwei Löwenköpfe erhalten

Eine aufwendige Konstruktion

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Aus der Vergangenheit aufgetaucht – einer der beiden erhaltenen Löwenköpfe.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Warum stehen hier zwei Löwenköpfe? Eine Frage, die so mancher Passant sich schon gestellt hat an der Weserpromenade, Höhe Tiefer, unterhalb der Wilhelm-Kaisen-Brücke. Nun, sie gehörten zum Vorgängerbau – zur Großen Weserbrücke von einst. Die gibt es lange schon nicht mehr – und sie ist heute Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Eine „technisch aufwendige Eisenkonstruktion“ sei die frühere Brücke gewesen, informiert der Text auf einer Infotafel. Eine Eisenkonstruktion, die in den Jahren 1893 bis 1895 errichtet worden war. Denn wegen der Weserkorrektion von Ludwig Franzius (1832 bis 1903), durch die Bremen wieder für Schiffe mit größerem Tiefgang erreichbar geworden war, passte die alte Brücke nicht mehr zu den Uferanlagen. Franzius legte Konstruktionspläne vor, auf deren Basis der Karlsruher Architekt und Jugendstilkünstler Hermann Billing (1867 bis 1946) die Brücke entworfen hat.

Billings Große Weserbrücke führte in kühnen Schwüngen über den Fluss – und letztlich ins Herz der Stadt, zum Marktplatz. Ab hier wiederum konnte man von der Börse (die dort stand, wo heute das Haus der Bürgerschaft zu finden ist) durch die Wachtstraße direkt zur Weser gehen – und über die Brücke dann weiter Richtung Teerhof und Neustadt. 

Große Weserbrücke war 137 Meter lang

Das geht heute längst nicht mehr, denn die Wachtstraße reißt ja an der Martinistraßen-Unterführung Richtung Tiefer ab. Zudem steht noch Kühne und Nagel dazwischen – mit Blick auf den Neubau des Speditionsunternehmens ist der Platz gerade wieder in den Fokus gerückt. Die Wilhelm-Kaisen-Brücke liegt etwas versetzt vom Standort der früheren Großen Weserbrücke.

Die war 137 Meter lang. Links und rechts der neun Meter breiten Kutschen- und später auch Automobilfahrbahn standen die geschwungenen Gusseisenelemente. Jeweils an den Außenseiten: Fußwege. Die Brücke von 1895 galt als schönste Weserbrücke. Je zwei etwa vier Meter hohe Obelisken rahmten die beiden Zufahrten ein.

An diesen Obelisken waren bronzene Löwenköpfe angebracht, die auf der einen Seite in Richtung Neu-, auf der anderen in Richtung Altstadt blickten. Löwen haben eine große Bedeutung für Bremen, schließlich halten zwei von ihnen das große Bremer Wappen. Da verwundert es nicht, dass sich an der Großen Weserbrücke nicht allein die bronzenen Löwen fanden, sondern auch noch weitere – an den Schmalseiten der beiden sandsteinverkleideten Strompfeiler nämlich schauten insgesamt vier Löwenköpfe aus Sandstein auf die Weser. Auf der einen Seite flussauf-, auf der anderen flussabwärts.

Nazis sprengten die Brücke

Als die Nazis die von ihnen umgetaufte und erst nach Hitler, dann nach dem Bremer Kolonialherrn Lüderitz benannte Brücke am 25. April 1945 sprengten, um die von Süden anrückenden Alliierten aufzuhalten, stürzten die Löwen in die Weser.

Nach dem Krieg bauten die Amerikaner die Große Weserbrücke wieder auf. Bald aber war sie nicht mehr groß genug für den wachsenden Straßenverkehr. 1960 wurde gleich neben ihr die neue Weserbrücke eingeweiht, die seit 1980 den Namen von Bremens Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979) trägt. Die zu klein gewordene Große Weserbrücke riss man 1961 ab.

Bei der Sanierung des Weserufers auf der Altstadtseite tauchten 1998 zwei der vier Sandstein-Löwenköpfe aus der Vergangenheit auf. Ein Schwimmbagger zog sie aus dem Fluss. Sie sind es, die hier heute auf Stahlstelen an der Weser stehen.

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