Landgericht verurteilt 24-Jährigen wegen Mordes zu lebenslanger Haft

Einbrechen, draufschlagen

Lebenslange Freiheitsstrafe: Das Landgericht hat den 24-jährigen Angeklagten (vorn) am Freitag wegen Mordes, zweifachen Mordversuchs und schweren Raubes schuldig gesprochen. Verteidiger Dominik Bleckmann (hinten) kündigte Revision an.

Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen hat am Freitag einen 24-Jährigen wegen Mordes, zweifachen Mordversuchs und schweren Raubeszu lebenslanger Haft verurteilt.

Zudem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann bei Überfällen einen Rentner tötete und drei Menschen schwer verletzte. Nach Auffassung des Gerichts handelte der 24-Jährige aus Habgier und Heimtücke, um seine Diebstähle zu verdecken. Die Verteidigung kündigte Revision an.

„Ich hab' dich lieb.“ Es waren die letzten Worte des 70-Jährigen an seine Frau, geschrieben auf ein kleines Blatt Papier. 46 Jahre waren sie verheiratet. Glücklich. Unbeschwert. Doch der 20. Februar 2016 sollte alles verändern. Als der Rentner das Parzellengrundstück in Bremerhaven betrat, ahnte er nicht, dass der Angeklagte dort auf ihn wartete und später mit einer Axt seinen Schädel zertrümmern, ihn ausrauben, sein Leben auslöschen würde. Doch so geschah es, daran hat das Gericht unter Vorsitz von Richterin Barbara Lätzel keinen Zweifel. Für einen Kleingeldbetrag habe der Mann sein Opfer angegriffen. Um die Tat zu verdecken, habe er dann so heftig zugeschlagen, dass der Rentner zwei Monate später starb.

Fast ein Jahr ist seitdem vergangen. Doch für die Frau ist der Tod immer noch „unbegreiflich“, sagt Richterin Lätzel. „Sie hat ihren Lebensinhalt verloren“, führt die Vorsitzende weiter aus und fragt in den Saal 218 des Landgerichts: „Wie groß muss der Schmerz sein, den ein Mensch fühlt, seinen Partner nach 46 Jahren auf diese Weise zu verlieren?“ Die Rentnerin hatte sich Antworten erhofft, während ihrer Aussage aber keine erhalten. Der Angeklagte betonte, er habe das nie gewollt, es sei „ein Versehen“ gewesen. Abgekauft hat ihm diese Version niemand, weder das Gericht noch die Opfer.

Antworten erhoffte sich während der 19 Verhandlungstage auch ein Mann, der bereits Mitte Februar 2016 aus dem Leben gerissen worden war. Der Geschäftsmann (46) aus Brake überlebte zwar den Angriff in seinem eigenen Haus. Doch seinen Alltag, sein Berufsleben haben die Schläge mit vollen Sektflaschen auf den Kopf grundlegend verändert, sagt Lätzel während der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe bei seinem Angriff nur eines im Sinn gehabt, als er dem bewusstlosen Mann noch mehrfach gegen den Kopf getreten habe: „Er wollte das Haus nicht ohne Beute verlassen.“

Volle Schuldfähigkeit

Laut rechtsmedizinischem Gutachten zerbrach beim Opfer sogar das Felsenbein – ein Knochen im Schädelinneren, der als härtester Knochen des Menschen gilt. Mit der Beute sei der 24-Jährige dann geflohen, ohne sich um das Opfer zu kümmern – und er setzte laut Lätzel sein brutales Treiben fort. In den folgenden zwei Tagen habe er zwei Männer (31 und 70) in deren Wohnungen in Bremerhaven überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt. Alle Opfer seien gegen den kampferprobten Boxer, der zuvor Haftstrafen in seiner Heimat Bulgarien abgesessen hatte, wehrlos gewesen. Das habe der Mann genau gewusst und ausgenutzt. Auch wenn er vor Gericht betonte, drogenabhängig zu sein und laut psychiatrischem Gutachten an einer „dissozialen Persönlichkeitsstörung“ leide, sei er voll schuldfähig, urteilt Lätzel.

Das Vorgehen sei von „erheblicher Gewaltbereitschaft“ geprägt gewesen und weiche im „Gesamtbild deutlich von anderen Verbrechen ab“, so Lätzel, die die besondere Schwere der Schuld feststellt. Eine sonst übliche Freilassung nach 15 Jahren ist somit ausgeschlossen.

Abschließend wendet sich die Richterin dem Angeklagten zu, sagt mit ruhiger Stimme: „Herr M., Sie haben auf furchtbare Weise in das Leben mehrerer Menschen eingegriffen – eins vernichtet, zwei zerstört. Für was?“ Der Angeklagte schweigt. Auf Prozessbeobachter wirkt er ungerührt.

Vielleicht äußert er sich in Zukunft zu den Taten. Sein Verteidiger Dominik Bleckmann kündigt Revision an.

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