„Ein Zeichen für die Zuschauer“

Bremer Theaterschiff-Chef lässt Spiegelzelt trotz Bühnenschließung aufbauen

Hereinspaziert! Impresario Knut Schakinnis steht im Gerüst des nostalgischen Spiegelzelttheaters, das er gerade auf der Bürgerweide aufbauen lässt. Am Mittwochabend sollen die Arbeiten beendet sein. Wann Schakinnis das Theater öffnen kann, ist wegen Corona aber noch unklar.
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Hereinspaziert! Impresario Knut Schakinnis steht im Gerüst des nostalgischen Spiegelzelttheaters, das er gerade auf der Bürgerweide aufbauen lässt. Am Mittwochabend sollen die Arbeiten beendet sein. Wann Schakinnis das Theater öffnen kann, ist wegen Corona aber noch unklar.

Bremen – Grau. Alles grau. Unter dem wolkenverhangenen Bremer Novemberhimmel sind Handwerker auf der Bürgerweide damit beschäftigt, ein Zelt aufzubauen. Ein Zelt, das Farbe, Wärme und Licht in den Pandemie-Herbst bringen sollte – das nostalgische Spiegelzelt von Theaterschiff-Chef Knut Schakinnis. Nun aber dürfen die Theater im November gar nicht öffnen. Schakinnis lässt sein Zelt dennoch aufbauen.

„Hier wird alles mit Holz verkleidet, da kommen die Spiegel hin“, sagt er bei einem Baustellenbesuch. „Ein tolles Gefühl, etwas Neues zu machen und nach diesen ganzen Monaten ein bisschen Action zu haben.“ Ob aber jemals Schauspieler und Musiker Glanzlichter in dem Spiegelzelt setzen werden, steht in den Sternen. Werden sich die Coronazahlen so entwickeln, dass Theater im Dezember wieder öffnen dürfen? Niemand weiß es.

Das Spiegelzelt war ursprünglich auch als Möglichkeit gedacht, doch noch Umsatz erwirtschaften zu können in diesem schwierigen Jahr. Auf dem Theaterschiff war schon ohne Lockdown kein Spielbetrieb mehr möglich – zu wenig Platz für Abstand und Corona-Laufwege.

Bremer Spiegelzelt: 300 000 Euro an Kosten

Also ging Schakinnis, der auch die Komödie Bremen im Packhaustheater (Schnoor) betreibt, ins Risiko. „Das Zelt allein kostet 40 000 Euro, mit Aufbau 45 000 Euro. Insgesamt sind es 300 000 Euro Kosten.“ Und: „Wir werden hiermit keinen Gewinn machen. Aber wir geben den Zuschauern ein Zeichen, dass wir trotz allem aktiv sind.“ Und überhaupt: „Wenn man so etwas ankündigt, dann muss man es auch durchziehen.“ Ja, Überbrückungsgelder können helfen.

Eichenholz, Spiegel in Facettenschliff, Jugendstil-Ambiente: Schakinnis hat das Spiegelzelt (Modell: „Carrousel“) bei einer Spezialfirma in Belgien aufgetrieben. „Diese Zelte haben eine unglaubliche Atmosphäre.“ Dielenboden, Glasmalerei, nostalgischer Zauber auf der einen Seite, moderne Veranstaltungstechnik und Fußbodenheizung auf der anderen: 499 Plätze hat das 22 Meter mal 36 Meter große Zelt normalerweise im Theaterbetrieb. Vor dem neuerlichen Lockdown hätten noch 100 Zuschauer hineingedurft.

Von Donnerstag, 19.  November, bis Sonntag, 27.  Dezember, sollte eigentlich „Die Bremer Weihnachtsgeschichte“ zu sehen sein. Eine Produktion „nach Motiven von Charles Dickens“, inszeniert von Schakinnis‘ Hausregisseur Oliver Geilhardt. Darsteller sind unter anderem Marcus Rudolph, Mark Derichs und drei Artistinnen, die in die Geschichte eingebunden werden. Die Proben sind im Gange. Auf welchen Premierentag sie sich nun fokussieren sollen, wissen die Darsteller nicht.

Vorverkauf für Bremer Spiegelzelt „lief sehr gut“

„Der Vorverkauf lief sehr gut, wir hatten schon ausverkaufte Vorstellungen“, sagt Schakinnis. Wegen der Theaterschließungen wurde die Premiere jetzt auf Anfang Dezember verlegt – eben in der Hoffnung, dass dann tatsächlich gespielt werden darf.

Das runde Spiegelzelt stammt von einer Spezialfirma aus Belgien.

Am 16. November treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder erneut mit der Kanzlerin. „Danach wissen wir mehr. Dann müssen wir reagieren.“

Schakinnis hofft auf Verlängerung für das Bremer Spiegelzelt

Im Zelt ist nach Weihnachten ein „Jahreswechselknaller“ geplant: Am Mittwoch, 30. Dezember, feiert „Neujahr total“ Premiere, das bis zum 23. Januar 2021 zu sehen sein soll. Das Team des Weihnachtsstücks zeigt eine revueartige Zeitreise, die mit vielen Hits von den 50ern bis in die Gegenwart führt. Gespielt wird ohne Pause, es gibt ein coronakonformes Snack-Angebot. Schakinnis hofft zudem, dass er auf der Bürgerweide verlängern kann. Gespräche laufen. Möglich wäre es, wenn eine Messe im Februar entfällt.

Unterdessen ist in Bremen der Runde Tisch der Veranstaltungswirtschaft, bei dem auch die privaten Theater dabei sind, erneut zusammengekommen. „Finanzielle Mittel in Höhe von 2,8 Millionen Euro sollen coronabedingte Einnahmeausfälle abmildern“, so Kristin Viezens, neue Sprecherin des Wirtschaftsressorts. Am Freitag, 13. November, muss der Haushalts- und Finanzausschuss der Bürgerschaft zustimmen. Geschieht das, soll es ab Mitte November möglich sein, Förderanträge einzureichen.

Bremen und Corona: Inzidenzwert sinkt deutlich

Vorsichtiger Optimismus kommt angesichts der Infektionszahlen im Land Bremen auf: Die Zahl der neuen Corona-Fälle nahm zwar im Vergleich zu Montag (105) zu, doch der Sieben-Tage-Inzidenzwert in der Stadt Bremen sank um ein gutes Stück: von 220 auf 204. Er lag bereits über 250. Das Gesundheitsressort meldete am Dienstagabend 119 neue Infektionen für das Land, davon 102 in der Stadt Bremen.

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle seit Ausbruch der Pandemie im März liegt nun bei 7 385 im Land, davon 6 815 in der Stadt Bremen. 4 857 Infizierte gelten inzwischen als genesen. Ein weiterer Mensch mit dem Virus starb, insgesamt gab es bislang 89 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona, davon ein Großteil in Pflegeheimen. Aktuell sind im Land 2 439 Corona-Infizierte bekannt, davon 2 237 in der Stadt Bremen. In Kliniken des Landes werden derzeit 179 Covid-19-Patienten versorgt, davon 33 auf Intensivstationen. 20 dieser 33 Patienten müssen beatmet werden, so Ressortsprecher Lukas Fuhrmann. 40 der 179 Corona-Patienten in Bremer Kliniken kommen aus dem Umland.

In der vergangenen Woche wurden laut Fuhrmann insgesamt rund 18 300 Corona-Tests durchgeführt – im Schnitt täglich rund 2 600. Aktuell gibt es in 22 stationären Altenpflegeeinrichtungen in der Stadt Bremen 79 Corona-Infektionen, darunter 31 bei Bewohnern. In elf Einrichtungen gibt es Ausbrüche, in den elf anderen einzelne Infektionen. Das Gesundheitsamt betreut die betroffenen Einrichtungen engmaschig, hieß es. gn

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