Händler setzen im Lockdown auf „Click & Collect“

„Ein wichtiges Instrument“ in Bremen

Sören Lauer steht mit einem Pullover vor seinem Modegeschäft.
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Zwei bis drei Kunden pro Tag: Sören Lauer, Inhaber von „Fairtragen“ in der Innenstadt, bietet „Click & Collect“ an.

„Click & Collect“ funktioniert in Bremen. Doch der Ertrag für die Einzelhändler hängt von der Branche ab.

  • Abholen funktioniert wie Online-Shopping.
  • Im Schnoor fehlen die Tagestouristen.
  • Verlängerung des Lockdowns verschärft die Situation.

Bremen – Sören Lauer, Inhaber von „Fairtragen“, ist ein alter Hase in Sachen Online-Handel. Sein Geschäft bietet fair gehandelte Ware aus Naturmaterialien an, auch im Lockdown. „Fairtragen“ bietet „Click & Collect“ an. Bestellt im Netz, kann die Ware in einer Filiale in der Innenstadt abgeholt werden.

„Das Abholen funktioniert quasi wie Online-Shopping. Die Kunden kaufen die Sachen am Rechner und können auf Wunsch vorher bezahlen oder im Laden“, sagt Lauer. „Eine Person darf rein.“ Anproben im Geschäft sind nicht möglich. „Die Kunden können die Ware bis zwei Wochen nach dem Lockdown zurückbringen, egal wie lange der dauert“, sagt Lauer. Zwei bis drei Kunden am Tag kommen. „Es lohnt sich insofern, als dass wir für den Online-Versand und die Warenannahme vor Ort sein müssen“, sagt Lauer. „Vom Verkauf her rechnet es sich nicht.“

Kleiderschrank ist voll

Lauer vermutet, dass sich die Menschen in der Pandemie eher bewusst sind, dass ihr Kleiderschrank voll ist. Der Einkauf bringe keinen Spaß, weil die Stadt leblos sei. Der Online-Handel habe ihm beim Aufbau des 2007 gegründeten Geschäfts geholfen. „Wir haben schnell die Entscheidung getroffen, wir brauchen einen Online-Handel“, sagt er. 2008 sei es dann losgegangen. „In den Anfangsjahren wäre es ohne nicht gegangen“, sagt Lauer. Der Online-Handel sei fest als Bestandteil des Geschäfts integriert.

„Flio-Design“ im Schnoor leidet darunter, dass keine Tagestouristen vorbeikommen. Seit 2006 vertreibt Geschäftsführerin Michaela Meißner eigene hochwertige Taschen aus Kunstrasen, per Hand gefertigt und vegan. Das Sortiment ist bunt und umfangreich und zudem sind Sonderanfertigungen möglich. Meißner zeigt eine Tasche mit Elch-Motiv und eine mit Bremen-Slogan. Schon lange betreibe sie einen Internet-Shop. Auch sie bietet „Click & Collect“ an. Meißner sagt, sie brauche neben Kunden aus Bremen die typische Schnoor-Kundschaft, eben Tagestouristen, die auf ihren Laden aufmerksam werden und dann im Shop bestellen. „Es hat kein Café oder Restaurant geöffnet. Keiner hat Lust, einen Bummel durch den Schnoor zu machen“, sagt Meißner. „Flio-Design“ habe viele Stammkunden. Doch seit dem Frühjahrs-Lockdown laufe es schlecht. Die Monate im Sommer zwischen den Lockdowns seien besser, das Jahr insgesamt aber schlimm gewesen. Sie nutze die Zeit, um an ihrer Kollektion für den Frühling zu arbeiten.

Licht in wenigen Geschäften

Ein Nachmittagsspaziergang: Am Wall ist in einigen der Geschäfte Personal anwesend, andere Geschäfte verweisen lediglich auf das Internet oder einen Telefonkontakt. Ein Geschäft für hochwertige Moden in der Sögestraße bietet die Auslieferung von Waren bis in 30 Kilometer Entfernung an. In der Obernstraße sind einige Geschäfte innen erleuchtet, sodass viele Waren zu sehen sind. Andere bleiben dunkel.

Zeit für Kreativität: Michaela Meißner von „Flio-Design“ arbeitet an der Frühlingskollektion.

Bei Thalia in der Obernstraße werden Bücher abgeholt. „,Click & Collect‘ lohnt sich definitiv und nicht erst jetzt“, sagt Filialleiterin Petra Kischkat. „Das wurde ordentlich angenommen.“ Allerdings habe es die Ausfälle etwa im Weihnachtsgeschäft sicher nicht ausgleichen können. Die Krise bedrohe große Buchhändler wie kleine.

Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Initiative, sagt, es sei gut, dass Bremen und Niedersachsen das Abholen von Ware ermöglicht haben: „Der Abholservice war für diejenigen, die typische Geschenkartikel anbieten wie beispielsweise Parfümerien, Spielzeugläden, Porzellangeschäfte und Buchhandlungen ein wichtiges und positiv angenommenes Instrument.“ Sie berichtet von einem positiven Feedback von Händlern, die „Click & Collect“ bereitgestellt haben. Stationären Händler, die seit längerer Zeit zusätzlich digital präsent sind, Lieferservices anbieten oder eine große Stammkundschaft haben, habe der zusätzliche Online-Handel geholfen. „Ausfälle im stationären Handel allerdings in Gänze durch das Online-Geschäft zu kompensieren, ist fast unmöglich und mir auch im Weihnachtsgeschäft nicht bekannt.“

Vorteil: Große Stammkundschaft

Reuther ergänzt: „Viele Segmente sind sehr stark betroffen und werden unter dem ausgefallenen Weihnachtsgeschäft auch nachhaltig leiden.“ Hart getroffen seien der Fashion-Bereich und Geschäfte, die vom Genuss- und Erlebniseinkauf leben. Gut weg kämen etwa Lebensmittel-, Outdoor- und Fahrradgeschäfte sowie Anbieter von Heimtextilien.

Die Verlängerung des Lockdowns verschärfe die Situation weiter. Reuther fordert eine schnellere Ausschüttung der Hilfen und weitere Unterstützungsmaßnahmen, damit der Schaden nicht noch größer werde.

Von Martin Kowalewski

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