Mord-Prozess neu aufgerollt: Insgesamt 15 Jahre Haft

„Ein unschöner Geschmack bleibt“

Bremen - Wegen Beihilfe zum Mord ist der 38-jährige Tim S. gestern am Bremer Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Insgesamt muss er aber 15 Jahre in Haft bleiben, weil aus schon vorangegangenen Urteilen eine Gesamtstrafe gebildet wurde.

Für die Tat war Tim S. 2004 zu einer lebenslangen Strafe wegen Mordes verurteilt worden, doch er ging erfolgreich vor dem Bundesgerichtshof in Revision. Es geht um den Mord an einem Bremer Kaufmann im März 1996. Gemeinsam mit Till-Hauke H. soll S. die Tat geplant und durchgeführt haben, um die Lebensversicherung des Kaufmanns in Höhe von 1,2 Millionen Mark zu kassieren. H. war als Begünstigter eingesetzt.

Der Geschäftsmann wurde im März mit zwei Kugeln im Kopf tot in seinem Auto gefunden. In der Verhandlung, die 2004 zum Urteil führte, war das Gericht davon ausgegangen, dass Till-Hauke H. den Mord geplant und Tim S. ihn ausgeführt hatte. S. hatte bisher geschwiegen. Jetzt räumte der 38-Jährige Beihilfe ein, will die Waffe zwar übergeben, aber weder geschossen noch den Kaufmann gesehen haben. Mehr Angaben zur Tat machte er nicht. Sein einstiger Freund H. kommt laut Staatsanwalt Uwe Picard als Mörder nicht in Frage, da dieser nachweislich bei einer Freundin in Köln war. Zu der Freundin seien wegen des Alibis beide Männer gefahren, so Picard. H. sei mit der Frau in ein Hotel gegangen, während Tim S. wegen angeblichen Durchfalls allein in der Wohnung geblieben sei.

Tim S. gestand nun, dass er von Köln aus noch einmal zurück nach Bremen gefahren sei, aber nicht, um den Kaufmann zu töten, sondern nur, um die Waffe zu übergeben. „Das halten wir nicht für glaubhaft. Die Waffe hätte man vorher schon übergeben können“, so der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann in seiner Urteilsbegründung. „Wir sind überzeugt, dass da mehr war. Aber wir sehen keine Möglichkeit festzustellen, was exakt geschehen ist. Es bleibt ein unschöner Geschmack übrig.“

1995 und 2001 gab es zwei weitere Tötungen, mit denen Tim S. zu tun hatte. 2001 hatte Till-Hauke H. eine Prostituierte in die Nähe von Rostock gefahren, um mit ihr, wie er vorgab, ein romantisches Wochenende zu verbringen. Stattdessen tötete er sie und verbrannte sie in einem extra angefertigten Ofen. Im so genannten „Ofenmord“-Prozess wurde S. wegen Beihilfe zum Totschlag zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Außerdem konnte den beiden, die als sehr intelligent gelten und aus guten Verhältnissen stammen, auch der Mord an einem Nepalesen nachgewiesen werden. Der hatte 1995 eine Affäre mit Till-Hauke H.s damaliger Freundin. Aus Eifersucht, so das Gericht später, entführten die beiden Männer das 21-jährige Opfer, quälten und töteten es schließlich. Erst sechs Jahre später wurde der Nepalese in einem See gefunden. Für diese Tat wurde Tim S. zu zehn Jahren Freiheitsstrafe wegen erpresserischen Menschenraubes verurteilt. Aus allen Verurteilungen bildete das Gericht gestern eine Gesamtstrafe von 15 Jahren. Knapp acht Jahre davon hat S. bereits abgesessen.

Während Rechtsanwalt Dr. Rainer Steffen keine konkreten Vorschläge bezüglich der Länge der Haft machte, forderte Picard 13 Jahre Freiheitsstrafe wegen Beihilfe zum Mord. „Tim S. hat sich wiederholt als willfähriger Gefährte erwiesen. Das ist verabscheuungswürdig, das ist auf unterster Stufe.“

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