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Schrille Komödie im Boulevardtheater Bremen

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Von: Martin Kowalewski

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Zwei Frauen und ein Mann mit Tina-Turner-Kostüm sitzen auf einem Sofa.
Casting für Samenspender: Der extrovertierte Nachbar Sascha (Markus Weise) hat noch das Tina-Turner-Kostüm von seinem Auftritt in einer Travestie-Show an. Neben ihm: Nicky (Christina Stephan, l.) und Emma (Sarah Kluge). © Berkhausen/Boulevardtheater Bremen

Wieder eine Premiere im Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier. Und auch die Komödie „Ich will ein Kind von Dir“ strapaziert die Lachmuskeln der Zuschauer.

Bremen – Einfach riesig: Sascha (Markus Weise) kommt von seinem Auftritt in einer Travestie-Show mit extrahohen High Heels, riesiger Perücke und seinem Tina-Turner-Kostüm. Er überragt alle anderen. Aber kommt er als Schwuler als Samenspender für Emma (Sarah Kluge) infrage? Die Premiere der Komödie „Ich will ein Kind von Dir“ im Boulevardtheater Bremen ist ein Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer.

Die Ausgangslage: Die eher biedere Emma ist 35, will dringend ein Kind. Deshalb trennte sich ihr Ex Stefan von ihr. WG-Mitbewohnerin Nicky (Christina Stephan), von Natur aus munter, vor Energie sprudelnd direkt und gerne übergriffig, regt ein Casting an – ein Mann für eine Nacht. Als Samenspender eben. Schnell sind vier potenzielle Kandidaten gefunden. Aber die Idee passt so gar nicht zu Emma. Durch die Eigenarten von Nicky und dem Verhalten weiterer kommt der Männer-Test gegen den Willen Emmas in Gang, unaufhaltsam, auch nicht als Emma sich wieder für eine Beziehung öffnet.

Auch der schwule Nachbar Sascha ist ein Kandidat. Er setzt sich von Natur aus offensiv in Szene. Auch wenn der Innenarchitekt mit seinem üppigen Kostüm eine stolze Erscheinung ist, so ist seine Laune zunächst gedrückt. Das Travestie-Show-Publikum war wohl ziemlich reserviert: „Keine Stimmung, kein Gejohle, kein Klaps auf den Po“, sagt Sascha. Die Herzen der Zuschauer im Boulevard-Theater schlagen aber für ihn. Weise ist in der Rolle einfach grandios. Er singt den Tina-Turner-Hit „The Best“ an. Dafür wird schon geklatscht.

Ärztlich attestierte Bewegungsallergie

Bald singen er, Emma und Nicky „I will survive“ von Gloria Gaynor. Das Publikum klatscht mit. Wichtig: Sascha hat auch Erfahrungen mit Frauen. „Man muss doch wissen, worauf man verzichtet“, sagt er zu Nickys Freund Julius (Christian Hamann). „Das hat mir aber nicht so viel gegeben. Nicht so viel wie das.“ Wie nicht zum ersten Mal greift er nach dem Bauch von Julius und kitzelt ihn kräftig. Auch Julius deutet an, aufgrund eines Kinderwunsches doch vielleicht zu passen, zum Missfallen von Nicky. Und Nickys besondere Art, zu der auch gehört, einfach den Mund nicht halten zu können, erweckt schon seine Eifersucht. Immerhin hat Julius auch seine Schwächen. Als gerne naschender Konditor hat er ein Bäuchlein und eine ärztlich attestierte Bewegungsallergie. Eine Frau im Publikum sagt schmunzelnd: „Die hab‘ ich auch.“

Am Ende steht der größte Teil der etwa 140 Zuschauer und applaudiert. Befragte sind begeistert und loben das Stück. So auch Manuela Schmidt (54) aus Stuhr. Sie sagt: „Es war so herrlich frei, wie die Schauspieler das gemacht haben. Man merkte, dass sie Spaß dabei hatten.“ Die Autoren Kay Kruppa und Frank Pinkus haben witzige und wirklich ausgefeilte Charaktere geschaffen, Regisseur Marc Gelhart hat sie wunderbar zum Leben erweckt.

Ein irgendwie einsilbiger Fitnesstrainer

Weiter geht es: Der Fitnesstrainer Patrick (David Gundlach) beeindruckt körperlich, redet aber wie ein Knabe. Er ist einfach nicht der Hellste, worunter er auch sehr leidet, wie sich im Laufe des Stückes zeigt. Julius stellt ihn allein mit seinem Namen vor eine Herausforderung. Er fragt: „Ich hab‘ immer Schwierigkeiten mit so langen Namen. Darf ich Dich Juli nennen?“ Ja, diese drei Silben sind schon eine Herausforderung, zumal Patrick sogleich zeigt, wie man „Julius“ auch fälschlich in die Zweisilbigkeit nötigen kann. Aber er widmet sich täglich drei Stunden dem Bankdrücken. Er fühlt sich geehrt, potenzieller Samenspender zu sein. Als er sich in Muskelpose zeigt, die Arme nach oben gewinkelt, gibt es einen Applaus.

Bei Emmas Arbeitskollegen, dem Anästhesisten Björn (Kai Hochhäusler), spiegelt sich der Beruf im Wesen. Er spricht mit dünner Stimme, ist schüchtern und entschuldigt sich am laufenden Band, eine gedämpfte Erscheinung. Mit Nicky begegnet er dem prallen Gegenteil. Dieser geht der Bademantel auf, sie ist im Bikini zu sehen. Natürlich ein Versehen, wie sie sagt und zugleich ihr entblößtes Bein auf den Tisch stellt. Julius kommt mit schmerzendem Gesicht. Er hat Nickys Anti-Aging-Algenmaske aufgetragen und erwischt sie in der Pose. Bald fühlt er Björn auf den Zahn, fragt nach Abi-Schnitt und Erbkrankheiten. Als Emma dazukommt, wartet auf sie eine peinliche Situation. Doch Emma ist ihm nicht egal.

Dann passiert es ungewollt: Alle Charaktere kommen in der WG zusammen. Die Folge ist reines Chaos. Beim Happy End singen dann Björn und Patrick zusammen mit Sascha den Gaynor-Hit „I  am what I am“.

Weitere Termine an den nächsten Wochenenden

Das Stück „Ich will ein Kind von Dir“ steht im Boulevardtheater Bremen im Tabakquartier zumindest bis Mitte März jeweils freitags und sonnabends um 20 Uhr und sonntags um 15 Uhr auf dem Spielplan. Eintritt: ab 32 Euro. Tickets und Infos unter
https://boulevardtheater-bremen.de.

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