„Ein rasanter Sturmlauf“

Staatsarchiv zeigt, wie die Reformation Bremen verändert hat

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Blick in die Ausstellung „Glaube und Politik“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es geschah vor 500 Jahren – ein historisches Ereignis, das Bremen bis heute prägt. In einer gemeinsamen Ausstellung mit der Staats- und Universitätsbibliothek erzählt das Staatsarchiv (Fedelhören) die Geschichte der Reformation in Bremen. Bücher, Urkunden und Drucke des 16. Jahrhunderts – 70 Exponate sind ab Montag, 25. September, unter dem Titel „Glaube und Politik“ zu sehen.

Eine Reise in eine Zeit, die 500 Jahre zurückliegt, die aber eben bis in unsere Zeit nachwirkt. Eine Reise in eine Zeit, in der viel gestritten wurde. Eine Reise in eine Zeit, in der Medien erstmals eine Rolle als Multiplikator spielten, was an der vergleichsweise neuen Erfindung des Buchdrucks lag. Die Reformation von 1517, sie war „das erste Medienereignis der Neuzeit“, heißt es in der Ausstellung. Das beschleunigte manches.

Dennoch dauerte es bis 1522, dass die erste evangelische Predigt in Bremen zu hören war. Der Augustinermönch und Reformator Heinrich von Zütphen (um 1488 bis 1524) hielt sie am 9. November jenes Jahres in einer Seitenkapelle der St.-Ansgarii-Kirche. Er stieß damit nicht allein in der Bevölkerung, sondern auch bei Ratsmitgliedern auf durchaus offene Ohren.

Erst 1522 – war Bremen damit spät dran? Ganz im Gegenteil, meint Professor Konrad Elmshäuser, der Direktor des Staatsarchivs: „Es gibt keine zweite Stadt, in der die Reformation so rasant in einem Sturmlauf gesiegt hat.“ Schnell war man lutherisch reformiert – von den Eliten bis zu den einfachen Gläubigen. Ab 1522 nämlich ging es in Bremen ganz schnell voran mit der Reformation.

Der Urkundenschrank des Paulsklosters hat die Zerstörung des Klosters überstanden. Oben sind die Schubladen für Geheimdokumente. Der wuchtige Schrank hat drei Schlösser. - Foto: Kuzaj

Der Grund für die Eile liegt in der vom Bürgertum forcierten Ablösung der Stadt von der erzbischöflichen Herrschaft. „Die Abkehr vom katholischen Glauben hieß, dem Erzbischof die Rote Karte zu zeigen“, so Elmshäuser. „Das war ein politisch-emanzipatorisches Ereignis“. Der Ausstellungstitel „Glaube und Politik“ spielt genau darauf an. „Die geistliche Emanzipation ging Hand in Hand mit dem Wunsch nach politischer Autonomie.“

Die Bremer waren dabei nicht zimperlich. Ein Beispiel dafür ist das Paulskloster – das Benediktinerkloster vor dem Ostertor wurde 1523 in einer (so Elmshäuser) „brutalen Aktion“ einfach zerstört. Das Katharinenkloster der Dominikaner wurde umgewidmet, eine Schule kam hinein. Die Franziskaner von St. Johann im Schnoor bekamen Wohnrecht auf Lebenszeit. Ihr Kloster wurde in ein (rudimentär ausgestattetes) Spital umgewandelt.

Glaube und Politik – im Geiste der Reformation wurde nun bis in den Alltag hinein das Leben in Bremen streng geregelt. Ein Beispiel ist die weitreichende Kirchenordnung von 1534. Und der Rat verstand sich inzwischen als „christliche Obrigkeit“, wie es in einer ansprechend gestalteten und instruktiven Begleitbroschüre zur Ausstellung heißt. „Bald griffen Zuchtordnungen auch in das Leben der Normalbürger ein: Kleidung, Schmuck, Familienfeste, Tanz und Geschenke wurden detailliert geregelt und für die vier Stände (Ratsfamilien, Kaufleute, Handwerker, Dienstboten) unterschiedlich gehandhabt. Diese Ordnungen wurden nach 1546 vielfach wiederholt und erneuert.“

Die Ausstellung vereint dazu etliche Exponate – von der vorreformatorischen „Kundigen Rolle“ (auf der die Bürger die Regeln des Zusammenlebens in Bremen niederschrieben) über das Wormser Edikt, Texte Luthers und Briefe Melanchthons bis zu Urkunden von Kaiser Karl V. und dem privaten Tagebuch des Bremer Bürgermeisters Daniel von Büren.

Die Ausstellung dauert bis Freitag, 29. Dezember. Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Freitag 9 bis 16 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 9 bis 18 Uhr. Eintritt: frei.

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