Zwei Filme, ein Set: Kinoprojekt startet mit Testdreh auf der Sielwallfähre

„Ein prickelndes Erlebnis“

Manchmal ist ans Drehen gar nicht zu denken, zu lustig sind die Versprecher, die sich in einige Szenen mogeln. Das wissen Hannelore Sporleder (v.l.), Sprechcoach Ekkehard Lampe-Steinhage, Melanie Socher und Mateng Pollkläsener nur zu gut. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Es soll der erste inklusive Kinofilm seiner Art in ganz Europa werden, jetzt haben die Dreharbeiten in Bremen begonnen: Beim Filmprojekt „All inclusive“ von Regisseur und Produzent Eike Besuden stehen nicht nur behinderte Menschen vor der Kamera, es werden auch viele Gewerke hinter der Linse von diesen ausgeführt. Nun ist das gesamte Team auf Unterstützung angewiesen, denn gleichzeitig soll ein Film über den Film entstehen.

Die Sielwallfähre ist an diesem Tag für die „normalen“ Passagiere geschlossen, Kameras und Mikrofone stehen auf dem Deck des Schiffs, Schminkutensilien verteilen sich in den Ecken, Lichttechnik ist aufgebaut. Es ist Drehstart für „All inclusive“. Ein Film, der die Geschichte von Rosa und Ricky erzählt. Rosa, Ende 70, führt seit Jahren das „Hotel Weserlust“, die Gäste lieben den wunderschönen Blick auf die Weser, kommen gerne und oft. Doch dann ist Schluss, Rosa stirbt unerwartet. Wird ihr Sohn Ricky das Hotel übernehmen? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet. Fest steht nur, es wird sich vieles grundlegend ändern.

Anders ist auch der Dreh, wie man auf den ersten Blick erfährt. Es wird gelacht, geschäkert, vieles muss wiederholt und neu gedreht werden. Für Regisseur Eike Besuden, der bereits mit dem Film „Verrückt nach Paris“ für Aufsehen sorgte, „ein prickelndes Erlebnis“. „Das ist für alle aufregend, auch für mich. Hier kannst Du viel mehr Überraschungen erleben“, sagt er und wendet sich der nächsten Szene zu, in der Hauptdarsteller Kevin Alamsyah (Ricky) und sein Kumpel Frank Grabski (Wolfgang, „der Nörgler“) die Fähre betreten.

Ist dieser erste Drehtag nicht schon aufregend genug, gesellt sich neben die eigentliche Filmcrew noch eine weitere, die die Dreharbeiten selbst filmt. Ein Film über den Film also. Mit „Weserlust Hotel“, so der Name des geplanten Dokumentarfilms, soll hinter die Kulissen des Spielfilms „All inclusive“ geschaut werden. Vom ersten Testdreh bis zur Premiere begleiten Kameras die Darsteller, besuchen sie zu Hause, zeigen den Alltag mit Behinderung und tauchen ein in eine Welt, in der zum Teil komplett anders an Probleme herangegangen wird. Als „unglaublich intensiv“ beschreibt Sprechcoach Ekkehard Lampe-Steinhage die Arbeit mit den Menschen am Set. Genau das soll „Weserlust Hotel“ letztlich auch auf die Leinwand bringen.

Doch damit es dazu kommen kann, sind die Verantwortlichen auf Unterstützung angewiesen. „Weserlust Hotel“ soll der erste durch Crowdfunding finanzierte inklusive Kinofilm Europas werden. Heißt, er wird durch eine Art stille Beteiligung finanziert. Menschen, Firmen oder Vereine spenden über das Internet eine gewisse Summe. Sollte die erforderliche Summe bis zum 4. Juli nicht zusammen kommen, gibt es das Geld zurück. Doch darüber wollen die Macher gar nicht nachdenken, zu viel Spaß hat bereits der erste Drehtag gemacht.

www.weserlusthotel.de

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