10 Millionen Euro Startkapital

City-Gipfel diskutiert über die Zukunft der Bremer Innenstadt

Projekt in Arbeit: Der Lloydhof ist eingerüstet. Der Gebäudekomplex am Ansgarikirchhof wird zum „Lebendigen Haus“ und bekommt für 35 Millionen Euro einen Mix aus Wohnen, Einzelhandel, Büro, Gewerbe, Gastronomie und Hotel. Investor ist der Projektentwickler „Denkmalneu“.
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Projekt in Arbeit: Der Lloydhof ist eingerüstet. Der Gebäudekomplex am Ansgarikirchhof wird zum „Lebendigen Haus“ und bekommt für 35 Millionen Euro einen Mix aus Wohnen, Einzelhandel, Büro, Gewerbe, Gastronomie und Hotel. Investor ist der Projektentwickler „Denkmalneu“.
  • Jörg Esser
    vonJörg Esser
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Bremen – Leerstand, geplatzte Projekte wie jüngst der Bau der Libeskind-Türme am Brill, Kaufhausschließungen und Geschäftsaufgaben – die Bremer Innenstadt sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Die Debatte um die mangelnde Erreichbarkeit der City, um fehlende Parkplätze, Fahrradrouten und eine autofreie Innenstadt stärkt die Konkurrenz am Stadtrand, auf der grünen Wiese, in Stuhr und Posthausen. Die Corona-Pandemie forciert die Krise mit zusätzlicher Wucht. Das Ende für Kaufhof und Zara ist besiegelt, das Karstadt-Sporthaus steht vor dem Aus.

Es ist höchste Zeit zum Umdenken und vor allem zum Handeln. Das jedenfalls wurde am Mittwoch beim zweieinhalbstündigen Innenstadt-Gipfel in der Oberen Rathaushalle deutlich. Und so ganz weit liegen die rund 50 Akteure aus Politik, Immobilienwirtschaft, Einzelhandel und öffentlichem Leben nicht auseinander. Im Laufe der Debatte entsteht ein „wundervolles Ensemble von Ideen“, wie es der Grüne Robert Bücking formuliert.

„Die Innenstadtentwicklung ist ein offenes Projekt“, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), der Gipfel-Gastgeber zum Auftakt. Ein Projekt mit experimentellem Charakter. Eines, für dessen Umsetzung „konstruktiver Realismus“ gefragt sei. Eine spezifische Form bremischer Urbanität soll entwickelt werden, mit einem Nutzungsmix und einer weiterhin starken Rolle des Einzelhandels, resümiert der Bürgermeister später, zum Abschluss der Veranstaltung.

Konzentration statt Expansion im Einzelhandel

Zurück auf Start: Innenstadt-Experte Stefan Kruse aus Dortmund stellt in seinem Impulsreferat klar, dass die Corona-Krise „alle Bausteine der Innenstädte angreift“. Frühestens 2022 werde das Umsatzniveau von 2019 wieder erreicht sein. „Den ersten Flurschaden sehen wir im Frühjahr 2021.“ Er prophezeit temporär wachsende Leerstände, sieht „Konzentration statt Expansion“ im Einzelhandel. Bremen habe gegenüber anderen Städten durchaus Vorteile, sagt Kruse. Und verweist auf die räumlich kleine, kompakte Innenstadtfläche. Außerdem habe die Stadt die Möglichkeit, jetzt mit Projekten in die Innenstadt einzugreifen und anzugreifen, weil eben viele Investoren in den Startlöchern stehen. Ein Beispiel ist Christian Jacobs, der das „Balge-Quartier“ umbaut. Mit dem „Johann-Jacobs-Haus“ an der Obernstraße ist ein erstes sichtbares Zeichen vor Wochenfrist offiziell eingeweiht worden.

Jens Ristedt von der Einzelhändlervereinigung City-Initiative will Kräfte bündeln, um eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Rundläufe in der Innenstadt und in den Schnoor, zum Wall, ins Viertel sollen geschaffen werden. Die Innenstadt brauche ein modernes Image und eine frische junge Positionierung. Sein Kollege Stefan Brockmann bringt „Frequenz, Erreichbarkeit, Kaufkraft und Aufenthaltsqualität“ ins Spiel. Und er fordert ein offensives und „erheblich stärkeres Vorgehen“ gegen Dodenhof und Co.: „Mir ist ein Leerstand in Posthausen lieber als in der Bremer City.“

Störender „Kampfbegriff“: „Autofreie Innenstadt“

Als störend wird zudem der Begriff „autofreie Innenstadt“ empfunden. „Das darf kein Kampfbegriff werden“, sagt Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer. Die Innenstadt müsse jedoch zwischen Wall und Weser sehr viel autoärmer werden. „Das ist Konsens.“ Die Bremer City sei aber auch das „Oberzentrum für die ländliche Region“. Die Stadt müsse gut erreichbar bleiben. Und es sei genügend Parkraum am Altstadtring erforderlich. Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) sagt: „Wir haben keinen Parkplatzmangel.“ Es gebe 7000  Plätze in Parkhäusern, unter anderem 500 neue im City-Gate am Bahnhof.

Fonger wirft einem konkreten Vorschlag in die Runde. Er plädiert dafür, die Straßenbahnen im Herbst versuchsweise acht Wochen lang durch die Westerstraße umzuleiten, um in der Obernstraße beispielsweise Platz für Außengastronomie zu schaffen. „Es geht darum, zu testen, wie sich die Innenstadt dann anfühlt.“

Einzelhandel bleibt Motor für City in Bremen

Eines wird beim Gipfel auch deutlich: Der Einzelhandel soll der Motor der Innenstadt bleiben. Doch es soll auch Wohnraum geschaffen und mehr Gastronomie angesiedelt werden.

„Der Gipfel sendet ein positives Signal“, sagt Ristedt. „Wir müssen jetzt zügig ins Machen und Umsetzen kommen“, fordert Thore Schäck (FDP). Für erste „überlebenssichernde Anliegen“ hat Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) als Startkapital zehn Millionen Euro aus dem Bremen-Fonds im Topf.

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