Zwischen Fliegerbomben und Häusern aus der Römerzeit

A 281 in Bremen: Ein Mammutprojekt

Zukunftsmusik: So soll die A 281 in der Bremer Neustadt nach ihrer Fertigstellung 2026 aussehen. Aktuell laufen die Arbeiten direkt an der Grenze zum Bremer Airport (links oben im Bild). Von dort aus soll letztlich der rund 1,9 Kilometer lange Lückenschluss über den Tunnelbau zum Autobahnzubringer Arsten (unten im Bild) erfolgen. Visualisierung: Deges
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Zukunftsmusik: So soll die A 281 in der Bremer Neustadt nach ihrer Fertigstellung 2026 aussehen. Aktuell laufen die Arbeiten direkt an der Grenze zum Bremer Airport (links oben im Bild). Von dort aus soll letztlich der rund 1,9 Kilometer lange Lückenschluss über den Tunnelbau zum Autobahnzubringer Arsten (unten im Bild) erfolgen. Visualisierung: Deges

Der Lückenschluss nach 35 Jahren, er rückt näher. Und das mit sichtbaren Spuren. Seit einigen Wochen wird am Teilabschnitt der Autobahn 281 (A 281) zwischen Neuenlander Straße und Kattenturmer Heerstraße der Untergrund dem Erdboden gleichgemacht. Bauvorbereitende Maßnahmen nennen Fachleute das.

Bremen - Bagger tragen Schicht für Schicht ab, Arbeiter fällen Bäume, reißen Wurzeln aus dem Boden, bringen Tonne für Tonne an extra eingerichtete Lagerplätze. Ein Mammutprojekt mit Riesenaufwand, dieser Lückenschluss für die A281. Es sind die ersten Schritte hin zu einer Ringautobahn rund um die Hansestadt, die letztlich nicht nur die Autobahn 1 und 27 verbinden, sondern auch für erhebliche Entlastung vorrangig auf der Neuenlander Straße sorgen soll.

Aktuelle Berechnungen gehen von etwa 50 000 Fahrzeugen täglich auf dieser Strecke aus, 17 Prozent, also rund 8 500 davon, kommen aus dem Schwerlastsektor. Geht es nach den Plänen der für den Bau verantwortlichen Gesellschaft Deges, könnte der Verkehr auf rund 10 000 Fahrzeuge reduziert werden. Weniger Lärm, weniger Feinstaubbelastung, weniger Stau – so lautet das anvisierte Ziel des 202 Millionen Euro teuren Projekts, an dem sich Bremen mit 39 Millionen Euro beteiligt. Bis es soweit ist, vergehen aber noch einige Jahre.

A 281 in Bremen: Lückenschluss bis 2026

Um den Bauabschnitt 2/2, also den 1,9 Kilometer langen Lückenschluss der A281 zwischen dem bereits 2008 freigegebene Bauabschnitt 2/1 und dem Autobahnzubringer Arsten bis 2026 möglich zu machen, wurden und werden in der ersten von insgesamt sieben Bauphasen Bäume gefällt, das Baufeld freigemacht, notwendige Umweltmaßnahmen und „vor allem eine intensive Kampfmittelsondierung“ durchgeführt, sagt Deges-Sprecher Ulf Evert auf Nachfrage.

Bis Ende dieses Jahres, so Projektleiter Olaf Dürkop, werden dabei rund 5 000 Kubikmeter Erde abgetragen. Für die gesamte erste Bauphase rechnet Dürkop mit etwa 222 000 Kubikmetern, was etwa 8 200 vollbeladenden Muldenkippern entspricht. Erst danach, zum Jahr 2023, würden die eigentlichen Arbeiten an den einzelnen Bauwerken – sprich Tunnel- und Trogbau, Brücke, Stützwände und so weiter – ausgeschrieben und beginnen.

A 281: Aufwendiges Teilstück

„Das Teilstück“, so Projektleiter Dürkop, „ist zwar kurz und klein, aber das hat es in sich. Das ist unheimlich kleinteilig und entsprechend aufwendig.“ Es sei einfacher, 20 Kilometer Autobahn zu bauen als knapp zwei mitten in der Stadt, was an verschiedenen Faktoren liege: Nicht nur mussten die Arbeiten durch Funde von Weltkriegsbomben und Munition immer wieder unterbrochen werden, auch stoppten die Entdeckungen archäologischer Funde, wie etwa Häuser aus der Römerzeit und alte Feuerstellen, die Maßnahmen. Hinzukommt das Verlegen von Gewässern, das Aufstellen von Nistkästen und ganz besonders die Nähe zum Airport Bremen.

Schicht für Schicht trägt schweres Gerät den Erdboden ab – Vorbereitungen für die Ringautobahn. Mehr als 220 000 Kubikmeter werden es bis Ende 2022.

Neben strengen Sicherheitsvorkehrungen, die durch den laufenden Flugverkehr bestehen und dazu führten, dass vor Ort sogar eine Sicherheitsschleuse zum Airport-Areal errichtet wurde, werde aktuell zum Beispiel ein Trafohäuschen versetzt und neu aufgebaut. Klingt banal, ist es aber mitnichten. Die Elektrik darin steuert die sogenannte Flughafenbefeuerung, also die Beleuchtung der Piste, des Rollwegs, der Vorfelder und Parkpositionen. Falsch verlegte Leitungen, gestörte oder fehlgeleitete Signale könnten somit für einen kompletten Flugstopp führen. „Da greift dermaßen viel ineinander. Ein Riesenaufwand“, so Dürkop.

Parallel im Bau: der Kirchweg zwischen Neuenlander Straße und Kornstraße, ab 2024 vermutlich beliebte Ausweichstrecke für Autofahrer.

Planer zur A 281: Kein Stau vor 2024

Bauphase eins läuft auf Hochtouren, doch mit Verkehrsbehinderungen sei „nur in geringem Umfang“ zu rechnen, sagt Deges-Sprecher Ulf Evert. „Eingriffe mit Verkehrsbehinderungen sind im laufenden Jahr nicht vorgesehen“, ergänzt er. Das gelte auch für das Jahr 2022. Anders könnte sich die Situation ab 2024 darstellen. Dann folgen die Bauabschnitte 5 und 6 – und die haben es in sich. Denn: Mit dem Teilabriss und dann folgenden Neubau des aktuell noch vorhandenen Trog- und Tunnelbaus an der Ecke Neuenlander Straße/Kattenturmer Heerstraße zum Autobahnzubringer Arsten wird nicht nur eine vielbefahrene Verkehrsachse für Pendler aus dem Bremer Umland teilweise wegfallen. Auch könnte es auf den angrenzenden Straßen insbesondere der Neustadt und Huckelriede eng werden – trotz Provisorien, die die Fahrt in sämtliche Richtungen aufrechterhalten sollen, sagt Evert. „Lediglich geänderte Verkehrsführungen und Umfahr-Empfehlungen“ seien dann vorgesehen. Zusätzliche Buslinien? Das sei nicht geplant, heißt es. Jedoch bleibe das Parkhaus Sielhof „jederzeit erreichbar“, sagt Ulf Evert.

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