Festveranstaltung mit 300 Gästen zum 400. Geburtstag der Rathausfassade

„Ein kostbarer Schatz“

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Bremen feiert – fast ein ganzes Jahr lang die „Schokoladenseite“ seines Rathauses.

Bremen - Von Jörg Esser. Bremen feiert – fast ein ganzes Jahr lang die „Schokoladenseite“ seines Rathauses. Das ist die Seite mit dem wunderschönen Balkon, von dem aus vor gefühlten Ewigkeiten grün-weiße Werder-Kicker stolz dem Volk Pokale und Meisterschalen präsentierten. Die Renaissance-Fassade des Rathauses feiert ihren 400. Geburtstag.

Festakt mit Ehrengästen: Alt-Bürgermeister Klaus Wedemeier (v.r.), der langjährige Senator Moritz Thape, Moderatorin Gaby Schuylenburg, Professor Stephan Albrecht, Bürgermeister Jens Böhrnsen, Bürgerschaftspräsident Christian Weber sowie der französische Botschafter in der Bundesrepublik, Maurice Gourdault-Montagne. ·

Gestern gab’s im Rathaus eine erste Festveranstaltung – mit einer musikalischen Zeitreise ins frühe 17. Jahrhundert, mit einem szenischen Dialog zweier Schauspieler der Bremer Shakespeare-Company und mit einem halbstündigen, detaillierten Festvortrag des Bamberger Kunstgeschichtlers Professor Stephan Albrecht. Mit dabei waren rund 200 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur, der französische Botschafter, Bürgermeister und Landräte aus dem Umland sowie gut 100 „normale“ Bürger, die ihre Einladungen bei Zeitungen und Radiosendern gewannen. „Es war uns wichtig, dass wir nicht nur von der Protokollliste einladen“, sagte der Gastgeber, Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD).

Vor 400 Jahren erlebte die Hansestadt Bremen mit ihren damals 20 000 Einwohnern auf dem rechten Weserufer eine politische und wirtschaftliche Blütezeit. Geld war vorhanden. Und es wurde in schmuckvolle Giebel investiert. Der Schütting strahlte im Glanz kaufmännischen Reichtums. Das etwa 200 Jahre alte, gotische Rathaus wirkte demgegenüber geradezu ärmlich, zumindest sehr nüchtern. „Der Rat wollte mit der Kaufmannschaft gleichziehen“, sagen Historiker. „Das Rathaus verdankt seine Existenz einem Bedürfnis nach Repräsentation durch Symbole.“

Der Rat beauftragte also den Stadtbaumeister Lüder von Bentheim damit, dem 1405 gebauten Rathaus eine prächtige Vorderfront zu verpassen. Mit einem aufwendigen Reliefschmuck schuf dieser dem altehrwürdigen Gebäude ein neues Selbstbild – mit Planetendarstellungen, Allegorien, mit in Stein gehauenen Sprachbildern, die dem Betrachter Tugenden wie Klugheit, Gerechtigkeit, Stärke und Mäßigung bildhaft vor Augen führen. „Auf der Fassade breitet sich ein Kosmos als klassischer Bildungskanon aus“, sagt Albrecht. Die Fassade „ist ein kostbarer Schatz“, formuliert es Böhrnsen.

Der „Schatz“ zählt seit 2004 – gemeinsam mit dem steinernen Roland – zum Weltkultur erbe der Unesco. Und er ziert seit 2010 die Rückseite einer Zwei-Euro-Münze.

Festredner Albrecht bescheinigte dem Bremer Marktplatz eine „selten glückliche“ Konstellation: „Fast einem antiken Forum gleich kommen hier mit Dom, Rathaus und Schütting die wichtigsten Institutionen der Religion, der Politik und der Wirtschaft zusammen.“ Der Platz sei „zentrale Stätte des kollektiven Gedächtnisses in Bremen“. Albrecht widmete sich der „repräsentativen Architektur“. Sein Fazit: „Öffentlichkeit braucht Symbole“, in denen sich der Einzelne wiederfinde. „Repräsentation durch Architektur kann den Einzelnen daran erinnern, dass Politik auch seine Sache ist.“

Die Rathausfassade wiederum spielt in diesem Jahr noch häufiger eine Hauptrolle. Die „Lange Nacht der Museen“ am 26. Mai steht unter dem Motto „Fassaden“. Auf dem Marktplatz wird an diesem Tag eigens ein Zelt aufgebaut, von dem aus die Figuren und Szenen gesondert angestrahlt und erläutert werden. Ein Weinfest soll es vom 30. Mai bis 3. Juni geben. Und zu Ehren des Rathauses wird auch die Zentralveranstaltung zum „Tag des Offenen Denkmals“ am 9. September in Bremen eröffnet.

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