Musikkomödie hinter Gittern

Neues „Fritz“-Stück „Sing Sing“: Ein Knast mit Humor

Vier sehr unterschiedliche Frauen mit ausgeprägten Charakteren, alle in der imaginären Justizvollzugsanstalt Schwachhausen hinter Gittern: Chantal (Sarah Fleige, v.l.), Jaqueline (Cindy Walther), Rosa (Maria Kristina Nissen) und Irmgard (Lena Wischhusen).
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Vier sehr unterschiedliche Frauen mit ausgeprägten Charakteren, alle in der imaginären Justizvollzugsanstalt Schwachhausen hinter Gittern: Chantal (Sarah Fleige, v.l.), Jaqueline (Cindy Walther), Rosa (Maria Kristina Nissen) und Irmgard (Lena Wischhusen).

Einen Knast mit Humor? Gibt‘s nicht! Gibt‘s doch, in Bremen-Schwachhausen! Jedenfalls im neuen „Fritz“-Stück „Sing Sing“.

Bremen – Ein Wippen mit dem Gesäß. Seemannsuniform, eine Brille mit gelben Gläsern, zeitweise eine gelbe Krawatte. Direktor Jakob Schneider ist einfach der „Captain“ im Frauengefängnis. Das neueste Stück des „Fritz“-Theaters „Sing, Sing – Der Weg zum Ruhm“, auch bezeichnet als „Die Musikkomödie hinter Gittern“, feierte am Freitagabend Premiere. Fazit: ein herrlicher Schwank aus der Feder von Christopher Kotoucek.

„Captain Jack“ und „In the Navy“ als Nummern mit Schneider und dem Ensemble zeigen, der „Captain“ hat wohl die Hosen an in der JVA Schwachhausen, zumindest in seiner Welt. Zeitweise scheint Testosteron in der Luft zu liegen, wenn er auftritt. Der mehr als coole Gesichtsausdruck mit dem er die Worte „Mr. Lover, Lover“ wie heiß-brennende Liebes-Pfeile abschießt, hat schon was. Schneiders Auftritt zu „Mr. Boombastic“ ist wirklich bombastisch, ja, geradezu spektakulär. Tim Reichwein, der Schneider spielt, gibt einfach alles. Er ist auch Regisseur bei dem Stück.

Insassinnen spazieren frei herum

Die JVA Schwachhausen zeigt sich als ein ausgesprochen munterer Frauenknast. Die vier Insassinnen kommen aus ihren Zellen, wann immer es ihnen passt. Später erfahren die Zuschauer beiläufig: Die Schlüssel sind weg. Die neu angekommene Irmgard aus Oyten (Lena Wischhusen) glaubt, hier zur Kur zu sein, zumindest hat sie den Richter so verstanden. Sie ist schuldig gesprochen worden, ihren Ehemann die Treppe heruntergestoßen zu haben. Ein Fehlurteil? Sie wünscht gleich eine Zelle mit besserer Aussicht und fragt nach der Minibar. Der Song „Club Tropicana“ sorgt für Sommerfeeling, ein Knast mit Humor!

Auch der Knast-Aufenthalt von Chantal (Sarah Fleige) hängt mit Liebe zusammen, und zwar mit der nach Schuhen und Handtaschen aus dem Luxussegment. Der Richter habe es einfach nicht verstanden: Eine Frau könne nie genug Schuhe und Handtaschen haben. Auf Chantals Gefängniskleidung steht die Nummer „0815“. Das ist sicher hart für sie.

Rosa macht klar: Wer mit 180 km/h über die Martinistraße rast, sollte seinen Führerschein besser gar nicht erst dabeihaben. Zudem fing sie nach der Kontrolle eine Keilerei mit der Polizei an, denn abtasten lässt sie sich nicht. Feminine Zartheit ist nicht gerade ihr Ding. Ihre Posen erinnern daher oft eher an männliche Rapper. Sie droht gelegentlich mit Handgreiflichkeiten. Und sie wird es auch – als Domina von Schneider.

Organisationstalent Jacqueline (Cindy Walther) besorgt auch als Gefangene alles Mögliche. Sie spricht sogar von einem Privat-Jet. Rosa organisiert sie eine Peitsche. Auch sie hat eine heimliche Affäre – mit dem Justizvollzugsbeamten Erich Schulze (Philipp Trant). Mit äußerst hoher Stimme singt sie für ihn „Barbie-Girl“. Fragile Weiblichkeit trifft auf den (allerdings weit stärkeren) Kunststoffcharme einer Spielzeugpuppe. Und Jacqueline wird noch einmal kräftig verunsichert. Denn Schulze sorgt für gesungene Klarheit: „I’m too sexy“. Ein trainierter freier Oberkörper ist auf seinem Shirt zu sehen. Aber die beiden verschwinden dann doch in Jacquelines Zelle.

Die „Cellblock Girls“ mit Gefängnisdirektor Schneider (Tim Reichwein, links) und dem Justizvollzugsangestellten Erich Schulze (Philipp Trant, rechts).

Premiere im „Fritz“: Amüsant und unterhaltsam

Durch die Initiative des Justizsenators „Rehabilitation durch kulturelles Engagement“ winkt den Insassinnen die Freiheit, wenn sie sich künstlerisch hervortun. Schneider sieht eher Geld vor Augen. Die Frauen sollen mit einer Girlsband den kommerziellen Durchbruch schaffen. Da ist viel zu tun, bis die „Cellblock Girls“ dastehen.

Das alles ist amüsant und unterhaltsam, die Rollen und ihre Darsteller sind eigen. Happy-Ends dürfen nicht fehlen. So entfaltet auch Rosa eine ganz elegante Seite und eine zarte dazu. Vorbei ist es mit Aggressionen und Hieben. Eine bunte Rolle, von Maria Kristina Nissen in allen Phasen geschickt mit Leben gefüllt. Zu den vielen Hits aus den 80ern und 90ern hat sich Sarah Fleige schönste Tanzeinlagen einfallen lassen. Das Publikum ist begeistert.

Die nächsten Termine für „Sing Sing“ (Synonym für Gefängnis): 14. Oktober, 19.30 Uhr, 15. und 16. Oktober, 20 Uhr; Eintritt: ab 33 Euro unter „www.fritz-bremen.de“; Adresse: Herdentorsteinweg 39. Thema Corons: Das „Fritz“ bleibt im Oktober bei den 3G-Regeln, ab November gilt bei Eigenveranstaltungen 2G.

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