Ein Horst in 45 Metern Höhe

Bremen will Fischadler in die Ochtumniederung locken

Wesernetz-Kletterer installieren die Nistplattform in 45 Metern Höhe und legen sie mit Nistmaterial – mit Weidenzweigen und Grassoden – aus.
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Wesernetz-Kletterer installieren die Nistplattform in 45 Metern Höhe und legen sie mit Nistmaterial – mit Weidenzweigen und Grassoden – aus.

Bremen – Der Fischadler brütet in Australien, in der Karibik und in Schottland. Und bald womöglich auch in der Ochtumniederung bei Brokhuchting. Denn in dem Bremer Naturschutzgebiet hat am Mittwoch ein so ehrgeiziges wie spektakuläres Ansiedlungsprojekt begonnen.

In 45 Metern Höhe ist dort auf einem Strommast eine Nisthilfe für den Fischadler installiert worden – eine Klettertour für einen Kunsthorst. Die künstliche Nistplattform soll ermöglichen, dass die Vögel schon in diesem Jahr wieder in Bremen brüten, so Martina Wernick vom Umweltressort. Die Herstellung der Plattform hat etwa 1 000 Euro gekostet.

Vor Jahrzehnten waren Fischadler in Norddeutschland weit verbreitet. Dann verschwanden die Vögel von hier. Insektengifte in der Nahrungskette und Verfolgung durch den Menschen trugen ebenso dazu bei wie der Verlust geeigneter Horstbäume – hoch, ungestört und in der Nähe fischreicher Gewässer, so haben es die schlanken Vögel mit den langen Flügeln (Spannweite: bis 1,70 Meter) gern.

In Niedersachsen hat der Greifvogel seine Flügel schon ausgebreitet

Nur auf damaligem DDR-Gebiet konnte der elegante Greifvogel sich in den 70er Jahren in Deutschland noch halten, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Nach der Wende, zu Beginn der 90er Jahre, kehrte der Fischadler nach Niedersachsen zurück; Naturschützer dokumentierten die Ansiedlung. Wieder griff der Mensch ein, diesmal allerdings in helfender Absicht. Gezielt wurden künstliche Nistplattformen auf Strommasten eingerichtet – freistehende und hohe Bäume gab und gibt es ja nicht mehr so viele.

Heute ist der Fischadler mit mehr als 20 Paaren in Niedersachsen zu Haus, die fast ausschließlich auf künstlichen Nistplattformen brüten. Und die Art breitet sich in Niedersachsen weiter nach Westen aus. Nun also ist Bremen an der Reihe – so jedenfalls das Kalkül von Naturschützern um Birgit Olbrich vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

In der Ochtum finden Brutpaare Fisch für den Nachwuchs

„Die Ansiedlungserfolge in Niedersachsen und die guten Rahmenbedingungen in den Bremer Schutzgebieten führten bei der Bremer Naturschutzbehörde zu dem Entschluss, in den ausgedehnten Feuchtgrünländern entlang der Ochtum eine Nisthilfe auf einem Strommast von Wesernetz zu montieren“, sagt Petra Schäffer, Geschäftsführerin der Gesellschaft Hanseatische Naturentwicklung (Haneg). Die stadteigene Gesellschaft mit 13 Mitarbeitern ist seit 1999 für die Entwicklung von mehr als 13 000 Hektar Naturschutzflächen verantwortlich. In dem Gebiet an der Ochtum, so heißt es weiter, finden Fischadlerpaare genügend Fisch, um ihre Jungtiere großzuziehen.

Und mitten in dem Naturschutzgebiet haben sie auch die Ruhe, die sie brauchen. Fischadler reagieren besonders während der Brutzeit und der Jungenaufzucht (April bis Juli) sehr empfindlich auf Störungen. Rund um den freistehenden Mast mit der Nisthilfe aber ist nicht mit Lärm zu rechnen, es gibt keine regelmäßigen Verkehre; auch für Freizeitsportler ist das Gebiet nicht geeignet.

Durchaus sportlich allerdings war die Aufgabe, den Kunsthorst auf den Mast zu bringen. „Das Anbringen der Plattform ist ein besonderer Kraftakt und kann nur durch den Einsatz von spezieller Klettertechnik sowie einer sorgfältigen Vorbereitung und Kooperation aller beteiligten Partner gelingen“, so drückt es Florian Melles aus. Melles ist Projektleiter für Naturschutzmaßnahmen bei der Hanseatischen Naturentwicklung.

Bremer Fischadler-Nisthilfe wiegt 20 Kilo

Mit der Bremer Firma „Baum-Haus-Bau“ hatte Melles ein Unternehmen gefunden, das sich mit Baumaßnahmen in luftigen Höhen auskennt. Hier wurde die 20 Kilogramm schwere Nisthilfe mit einem Durchmesser von 1,20 Metern hergestellt – aus wetterbeständigem Metall, die Sache soll ja von Dauer sein. Wesernetz-Kletterer montierten die Nisthilfe in der Nähe der Spitze des Hochspannungsmasts.

Es ist also alles an- und eingerichtet, Familie Fischadler muss nur noch einziehen. „Einmal eingerichtet und von einem Brutpaar besetzt, werden geeignete Nistplätze dann oft jahrelang genutzt“, heißt es bei der Haneg. Ende März kehren die Zugvögel aus ihren Überwinterungsgebieten südlich der Sahara nach Mitteleuropa zurück. Ob sich ein Paar an der Ochtumniederung bei Brokhuchting ansiedelt, wollen die Haneg und die Naturschützer sorgsam beobachten.

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