Bremen: Archäologen stoßen in Baugrube auf frühe Besiedlungsspuren

Ein großer Hof mit Werkstatt

An der Karte: Landesarchäologin Uta Halle erklärt Details der Grabungsstelle an der Waller Heerstraße.
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An der Karte: Landesarchäologin Uta Halle erklärt Details der Grabungsstelle an der Waller Heerstraße.

Bremen – Das alte Walle ist dicht bebaut. Haus an Haus. Doch hin und wieder entstehen Lücken. In einem Eckgrundstück Waller Heerstraße/Baltrumer Straße sind die frühere Käsefabrik Vogelsand und ein paar Garagen abgerissen worden. Und bevor jetzt die Fläche für die Tiefgarage eines geplanten Mehrfamilienhauses ausgehoben wird, haben die Archäologen ihre Chance genutzt und „nochmal in den Boden geguckt“, sagte die Bremer Landesarchäologin Prof. Dr. Uta Halle bei einem Ortstermin in der Baugrube.

Es hat sich offensichtlich gelohnt. „Wir haben eine ganze Menge archäologischer Befunde gesammelt“, so Halle. Die Funde und Befunde zeigten, dass bereits im neunten Jahrhundert nach Christi, also im Frühmittelalter, Menschen in Walle gesiedelt haben – und damit wesentlich früher, als die älteste schriftliche Erwähnung des Ortes es vermuten ließ. Diese datiert aus dem zwölften Jahrhundert. „Es ist die erste Ausgrabung, die die frühe Besiedlung Walles nachweist“, sagte die Landesarchäologin. Ausgrabungsleiter Carlo Nüssli ergänzte: „Dass hier etwas gefunden wird, war zu erwarten. Aber dass die Fundstücke aus einer 300 Jahre jüngeren Zeit stammen, das war überraschend.“

Mitten in der Dünenkette

Die Ausgrabungsstelle liegt mitten auf der Dünenkette, die sich von Achim im Süden bis Grambke im Norden erstreckt. Mehrere wichtige archäologische Fundstellen in Bremen liegen auf dem Dünenzug. Dazu zählen im Osten Mahndorf mit einem frühgeschichtlichen Friedhof und einer großflächigen Siedlung aus dem ersten Jahrhundert nach Christi sowie im Norden Grambke mit einer Siedlung, zu der mehr als 70   Grubenhäuser gehörten.

In Walle stießen die Archäologen eher auf einen großen Hof mit Werkstatt als auf ein Dorf, so Nüssli. Bei den Ausgrabungen wurden unter anderem Verfärbungen eines Langhauses mit mächtigen Pfosten, zweier Grubenhäuser und einer großen Feuerstelle freigelegt. Keramik-Fragmente von Webgewichten deuten darauf hin, dass in den Grubenhäusern Textilien hergestellt wurden.

Apotherkergefäß aus dem 17. Jahrhundert

„Es gibt auffällig wenig Scherbenfragmente“, sagte Halle. Die Siedlungsstelle sei wohl planmäßig geräumt worden und nicht einem Brand zum Opfer gefallen. Eines der wenigen Fundstücke ist ein kleines Apothekergefäß aus dem 17. Jahrhundert. Die Reste von Kanalrohren in der Baugrube bezeichnen die Archäologen als „moderne Störung“. Nüssli und die vom Investor beauftragte und bezahlte Ausgrabungsfirma rekonstruieren jetzt alte Pläne und erstellen einen ersten Grabungsbericht. Uta Halle und ihre Mitarbeiter machen sich dann daran, „das primäre Denkmal in ein sekundäres zu überführen“.

Von Jörg Esser

In der Grube: Grabungsleiter Carlo Nüssli zeigt die Verfärbungen einer Feuerstelle aus dem neunten Jahrhundert nach Christi.

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