„Open Space“ auf dem Domshof

Ein Gerüst für die Baustelle Bremer Innenstadt

50 Tonnen Stahl für den Domshof: Das „Open-Space“-Gerüst vereint Bühne, Galerie und „Rooftop-Bar“. Mitten auf dem Wochenmarkt sollen Konzerte, Ausstellungen und Wissenschafts-Events die Bremer Innenstadt beleben – auch dann, wenn die Marktstände schon geschlossen haben.
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50 Tonnen Stahl für den Domshof: Das „Open-Space“-Gerüst vereint Bühne, Galerie und „Rooftop-Bar“. Mitten auf dem Wochenmarkt sollen Konzerte, Ausstellungen und Wissenschafts-Events die Bremer Innenstadt beleben – auch dann, wenn die Marktstände schon geschlossen haben.

Was ist denn das? Ein Monstrum aus Stahl erhebt sich auf dem Domshof wie ein Gerüst ohne Baustelle. In Sichtweite von Rathaus und Dom beherrscht es den Platz. Die Baustelle ist in diesem Fall – im übertragenen Sinne – die gesamte Innenstadt.

Bremen – Das Gerüst ist Bühne und Ausstellungsraum, ist Schauplatz der diesjährigen (und nunmehr bereits dritten) „Open-Space“-Saison. „Es wird Diskussionen geben, ob das schön ist oder nicht“, das ahnt Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) bereits. Aber es ist ihr egal, wie sie sagt. „Es ist ein Experiment, ein gewagtes. Das wird nicht allen gefallen. Aber es ist wichtig, dass wir das machen.“ Denn: „Wir sind in der Verantwortung, neue Konzepte für die Innenstadt zu finden.“ Und zu Veränderungen, da gehörten Impulse und Diskussionen.

Das „Open-Space“-Gerüst (Werbung: „Eine Bühne für Bremen“) bleibt als temporärer Turm den Sommer über auf dem Domshof stehen – über dessen Gestaltung ja auch schon seit Jahren gestritten wird. Wenn der Wochenmarkt schließt, liegt der Platz leer da. „Wir nutzen das ,Aktionsprogramm Innenstadt‘, um einen Akzent zu setzen“, so die Senatorin.

Mit 500 .000 Euro aus dem Programm wird die Bühne finanziert, die etwa bis zur Freimarktszeit stehen bleiben soll. Vogts Ressort gibt weitere gut 100. 000 Euro für Sicherheit, Beleuchtung und Bewachung dazu – durchaus auch ein interessanter Akzent in der Bremer City. Das Gerüst, so die Idee, erneuert den Blick von Bremern und Buten-Bremern auf Domshof und Innenstadt. Und zieht im besten Falle auch die Blicke von Touristen auf sich. Gerade Städtetourismus, so Vogt, werde „nur über Veranstaltungen wiederbelebt“. Denn: „Die Leute sind hungrig nach Kultur.“

Das „Lebensmittel Kultur“ auf dem Bremer Wochenmarkt

„Kultur ist ein Lebensmittel. Wenn ich hungrig bin, gehe ich auf den Markt.“ So fasst es Professor Roland Lambrette zusammen, der Rektor der Hochschule für Künste. Studenten wollen den Hunger stillen, sie gestalten weite Teile des „Open-Space“-Programms: Ausstellungen, die wöchentlich wechseln, dazu drei bis vier Konzerte die Woche. Am Vormittag alles zwischen den Marktständen mit ihren Gurken, Apfelsinen und Eiern. Nachmittags und abends auf einem leeren (manche sagen: öden) Platz.

Letzte Aufbauarbeiten am Freitagmittag.

Bis September gilt eine feste Programmstruktur: Mittwochs um 18 Uhr gibt es Abendveranstaltungen. Donnerstags beginnen um 11 Uhr „Marktkonzerte“, zuweilen folgen weitere Auftritte um 18 Uhr. Freitags geht es wieder um 18 Uhr los. Sonnabends beginnt das Bühnenprogramm wieder während der Marktzeit mit Thementagen ab 11 Uhr. Mittags, nachmittags und ab 19 Uhr sind dann weitere Auftritte möglich. Jeden Dienstag eröffnet eine neue Ausstellung des Fachbereichs Kunst und Design; die Ausstellungen dauern jeweils bis sonnabends (13 bis 19 Uhr). Eintritt: frei.

„Rooftop-Bar“ macht neue Perspektiven möglich

Täglich, so die Auskunft, öffnet die „Rooftop-Bar“ auf dem Gerüst, hier führt die „Markthalle Acht“ (liegt direkt nebenan) Regie. Apropos – der Blick vom Gerüst, er soll neue Perspektiven eröffnen, so die Hoffnung der Architekten Benjamin und Jan Wirth: „Von der Plattform sehen wir anders auf den Platz und die Fassaden.“ 50 Tonnen an Stahlstangen haben die Brüder Wirth (von denen auch die „Hulsbergspitze“ an der Hemelinger Straße stammt) auf den Domshof gestellt. 30 Wassertanks mit jeweils einer Tonne Inhalt sorgen für die nötige Standsicherheit.

Das „Open-Space“-Gerüst, es soll zeigen, dass eine Innenstadt ein Treffpunkt, ein „Ort des Wissenstransfers“ und des Genusses sein kann. Eben in diesen Punkten sehen die Organisatoren mögliche Antworten auf die Frage, was eine Innenstadt ausfüllt, wenn der Einzelhandel an Bedeutung verliert.

In diesem Sinne sehen sie das Gerüst (auch „Bühnenskulptur“ genannt) buchstäblich als Ideen-Träger für die große Baustelle Innenstadt. Ein paar Nummern kleiner betrachtet: Vielleicht tut es dem Domshof ja mal ganz gut, wenn er auch noch nach der Marktzeit belebt ist. Eröffnung: Sonnabend, 26. Juni, ab 18 Uhr.

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