Zehn Jahre Geburtshäuser in Bremen / Diskussion um Haftpflichtprämien hält an

„Ein ganz besonderer Ort“

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Gestern vor dem Geburtshaus an der Sommerstraße: Hebammen, Eltern und Kinder. Die Hebammen hatten aus jedem Geburtshaus-Jahr seit 2002 einige Kinder eingeladen. Unter ihnen war auch Mette – am 18. Juli 2002 als erstes Kind im Geburtshaus zur Welt gekommen. ·

Bremen - Von Thomas KuzajFrauen, die ihr Kind nicht in einer Klinik zur Welt bringen möchten und auch keine Hausgeburt wollen, einen Ort geben – einen Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen und professionelle Helferinnen um sich haben. Einen Ort, an dem „es selbstverständlich ist, dass Kinder geboren werden“.

So umschreibt Anne Wallheinke die Idee des Geburtshauses Bremen an der Sommerstraße in Findorff. Die Hebamme gehört zu den Gründerinnen des Hauses, das vor zehn Jahren öffnete. Es war das erste Geburtshaus in Bremen. Wenige Monate später, ebenfalls noch 2002, eröffnete ein weiteres in Schwachhausen.

Beide Teams feierten gestern in Findorff „zehn Jahre Geburtshäuser in Bremen“. Beide Einrichtungen seien „relativ groß“, sagte Anne Wallheinke. „Das zeigt die Akzeptanz. Die Zahl der außerklinischen Geburten ist dadurch angestiegen.“

Das Geburtshaus an der Sommerstraße ging aus einer Hebammenpraxis hervor, die 1990 gegründet worden war. Wallheinke: „Der Impuls kam von den schwangeren Frauen.“ Ein „kleiner mittelständischer Betrieb“ sei nun herangewachsen. Etwa 1 000 Kinder kamen seit 2002 in den Findorffer Räumen zur Welt. Zählt man alle Kurse, Vorsorgeuntersuchungen und die Wochenbett- und Nachbetreuung (beispielsweise auch ambulanter Klinikgeburten) hinzu, hat das Team aus der Sommerstraße 3 000 Familien betreut. Und so gab es gestern ein – Zitat – „Riesenkompliment“ von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). „Das Haus ist sehr liebevoll gestaltet“, lobte die Mutter zweier Töchter. „Eine gute, offene und verbindliche Beziehung zur eigenen Hebamme ist für Mutter, Vater und Kind wichtig. Es verbessert den Start und gibt Sicherheit.“

„Wir lernen die Frauen und Familien mit ihren Wünschen, Vorstellungen und Ängsten lange vor der Geburt kennen. Wir wissen um ihre gesundheitliche Situation und beobachten den Schwangerschaftsverlauf sehr genau. Deshalb können wir auch während der Geburt sehr individuell auf Mutter und Kind eingehen“, sagte Bettina Nolte, ebenfalls eine der Gründerinnen.

Glückwünsche kamen auch von der Landesfrauenbeauftragten Ulrike Hauffe: „Das Geburtshaus Bremen ist ein ganz besonderer Ort, dessen Wert wir nicht hoch genug schätzen können.“

Hauffe sagte dies auch vor dem Hintergrund des Streits um die hohen Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen. „Ein ungelöstes Problem, ein dicker Brocken“, so Anne Wallheinke. „Das System funktioniert nur, weil eine gute Auslastung da ist.“

Was für die Stadt gilt. Auf dem Land sieht es oft anders aus. Praxen schließen, Hebammen geben auf. Geburtsstationen in Kliniken schließen, weil sie keine Beleghebammen mehr finden. Ende 2011 etwa wurde mit der Geburtshilfe in Bassum die letzte Entbindungsstation im Kreis Diepholz geschlossen. Hauffe mit Blick auf das ergebnislose Gespräch zwischen dem Deutschen Hebammenverband und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in der vorigen Woche: „In einer Zeit, in der wir eine Kaiser schnitt rate von über 30 Prozent für problematisch halten, ist es geradezu zynisch, wie die Akteure im Gesundheitswesen den Berufsstand der Hebammen ausbluten lassen.“ Senatorin Stahmann: „Es kann nicht sein, dass Krankenkassen Überschüsse melden und wir beim Thema Geburtshilfe Schwierigkeiten haben, die die Wahlfreiheit der Frauen einschränken.“

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