Die Tochter des Sinto-Boxers Johann Trollmann über ihren Vater und „Gibsy“

„Ein Film für die Jugend“

Herzliche Umarmung im Rathaus: Hannelore Elsner (l.) und Rita Vowe-Trollmann, die Tochter von „Rukeli“ Trollmann. ·
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Herzliche Umarmung im Rathaus: Hannelore Elsner (l.) und Rita Vowe-Trollmann, die Tochter von „Rukeli“ Trollmann. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj„Es geht noch bis heute. Ich kenne Menschen, die mich ablehnen.“ Rita Vowe-Trollmann sitzt im Rathaus und berichtet. Etwa aus ihren Kindertagen. „Als Sintimädchen bin ich immer Außenseiter gewesen.“ Mit dunklen Haaren und „ziemlich dunkler Hautfarbe“ habe sie es „nicht einfach gehabt“ bei Mitschülern und Lehrern.

Rita Vowe-Trollmann ist nach Bremen gekommen, weil der Bremer Filmemacher Eike Besuden einen Film über ihren Vater gedreht hat – „Gibsy“, ein Doku-Drama über den sinto-deutschen Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1944 im Außenlager Wittenberge des Konzentrationslagers Neuengamme erschlagen wurde.

Besuden gewann Hannelore Elsner für die Rolle der Friederike Trollmann, Mutter des Boxers. Die Prominenz der Schauspielerin sorgt nun dafür, dass Rita Vowe-Trollmann im Rathaus – in Bremen zuständig für Filmförderung via „Nordmedia“ – vor vielen Journalisten und Kamerateams sprechen kann. Erst am Vorabend haben sich Vowe-Trollmann und Elsner kennengelernt. „Meine kleine, süße Omi“, sagt Vowe-Trollmann, eine alte Dame, und nimmt die Schauspielerin in den Arm.

Von ihrem Vater, dem Boxer, kennt sie praktisch nur Bilder. „Mein Papa war ein wunderschöner Mann. Hannes Wegener ist genauso schön!“ Wegener spielt den Boxer in Besudens Film, der in Bremen in der „Gondel“ (Schwachhausen) zu sehen ist. Er spielt einen Mann, der enorme Zivilcourage gezeigt hat. Die Nationalsozialisten hatten Trollmann die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht ab erkannt. Seinen tänzerischen Kampfstil, den Jahrzehnte später Muhammad Ali aufnahm und fortentwickelte, denunzierten sie als „undeutsch“. Um die „Überlegenheit“ der „Herrenrasse“ vorzuführen, zitierten sie ihn erneut in den Ring. Zu diesem Kampf erschien Trollmann als Karikatur eines „arischen“ Boxers – mit blondgefärbten Haaren, die Haut mit weißem Puder bedeckt.

„Er hat etwas getan, was völlig ungewöhnlich war im Jahr 1933“, sagt Besuden. Diese Zivilcourage sei für ihn der eine Grund gewesen, den Film zu drehen. Der andere sei „die Tatsache, dass wir den Holocaust in der Regel mit jüdischen Opfergeschichten verbinden“. Mit „Rukeli“ Trollmann sei es nun möglich, einen „anderen Teil der Geschichte zu erzählen“, nämlich: „Was Sinti und Roma passiert ist.“

Manuel Trollmann (Sintiverband Hannover), Großneffe des Boxers: „Die Jugend haben Anne Frank, und die Sinti haben jetzt ‚Rukeli‘ Trollmann.“

„Durch so einen Film werden die Menschen wachgerüttelt“, sagt Hannelore Elsner. „Ich wollte den ‚Rukeli‘ immer schon spielen“, sagt Hannes Wegener, der für den Film Boxen gelernt hat. Historisches Boxen im Stil der 20er, 30er Jahre: „Das Training war intensiv und knackig.“

„Ich wünsche mir, dass die Jugend diesen Film sieht“, sagt Rita Vowe-Trollmann. „Die hat noch einen etwas freieren Kopf als die Erwachsenen. Der Film sollte in Schulen gezeigt werden.“ Eine Freiheit, die Rita Vowe-Trollmann in ihrer Jugend nicht kennenlernen konnte. Von ihrem Vater kennt sie, außer den Fotos, allein die Augen. „Das ist meine Erinnerung, die ich an ihn habe. Als mein Vater ins KZ gekommen ist, hat meine Mutter mich verstecken lassen. Irgendwie wussten die Behörden, dass es da noch eine Rita gibt.“

Dann sagt sie: „Ich durfte am Leben bleiben.“

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