Prozess um Brandanschläge auf Juristen

„Ein extrem gefährlicher Mann“

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Rachefeldzug nach verlorenem Rechtsstreit? Der Angeklagte ( Foto vom Prozessauftakt) soll Autos von Anwälten und einem Richter angezündet haben.

Bremen - 28 Jahre bei der Polizei, zehn davon bei der Mordkommission. Der leitendende Beamte (52) im Verfahren gegen einen 42-Jährigen, dem insgesamt 19 Straftaten zur Last gelegt werden, hat schon einiges gesehen. Das sagte der Zeuge am Mittwoch vor dem Bremer Landgericht. Doch das Verhalten des Angeklagten bleibe ihm bis heute eindrucksvoll im Gedächtnis, erklärte der Kriminalbeamte. Laut dem Polizisten handelt es sich um einen Mann mit „hohem Gewaltpotenzial“.

Die Information klang zunächst wenig vielversprechend. Nichts deutete auf ein Verbrechen hin. Anfang Februar hatten Waldarbeiter an der A 27 zwischen Abfahrt Überseestadt und Deponie ein „grabähnliches Loch“ entdeckt. Sie verständigten die Polizei – und auch die befand zunächst nur: „Das sah schon ungewöhnlich aus“, erinnerte sich der Zeuge. Doch bei näherer Betrachtung zeigte sich: Das Loch wurde mit viel Mühe ausgehoben. „Sehr exakt“, so der Beamte. „Die Wände gingen gerade runter, das war schon sehr professionell.“ Die Bremer Beamten konsultierten Experten des Landeskriminalamts. Und auch die urteilten: „Eindeutig ein Grab.“ Sechs Wochen lang legten sich Polizisten – trotz Widerständen aus den eigenen Reihen – auf die Lauer, überwachten das Areal täglich 24 Stunden.

Bis zum 10. Februar. Dann tauchte der Angeklagte auf. Mit Handschuhen, Füßlingen und einem weißen Maler-Overall bekleidet, näherte er sich dem Loch. Die Beamten griffen zu und nahmen den Mann fest. Dann, so schilderte es der Zeuge, kam „Kommissar Zufall“ ins Spiel. Denn im Zuge der Ermittlungsarbeiten vor Ort bildete sich auf der A 27 ein Stau. In einem Auto saß zu diesem Zeitpunkt eine Beamtin, die sich mit einer Reihe von Brandanschlägen auf Richter und Anwälte befasste. Sie fragte die Kollegen, was passiert sei. Bei der Durchsuchung des Autos des Mannes konnte dann schnell ein konkreter Zusammenhang zu den Bränden hergestellt werden.

Da das Ausheben eines Lochs kein Straftatbestand ist, keine Leiche gefunden wurde und ihm auch kein Mord nachgewiesen werden konnte, wurde dieses Verfahren eingestellt. Daran, davon ist der Beamte überzeugt, habe der Angeklagte maßgeblichen Anteil. So konnten keinerlei DNA-Spuren sichergestellt werden, das Auto des Mannes sei „klinisch rein“ gewesen. „Er ist durch und durch darauf bedacht, keine Spuren zu hinterlassen.“

Für das Gericht sind die Aussagen des Beamten dennoch von großer Bedeutung, verdeutlichte die Vorsitzende Richterin Gesa Kasper. Sollte der Mann verurteilt werden – unter anderem wegen mehrfacher schwerer Brandstiftung – müsse die Kammer klären, ob zukünftig eine Gefahr vom 42-Jährigen ausgehe.

Von Oktober 2017 bis Februar 2019 soll der Mann mehrere Brandanschläge auf Bremer Anwaltskanzleien und einen Familienrichter verübt haben – und alle waren in einen Sorgerechtsstreit involviert, den der Angeklagte verloren hatte. Seiner Ex-Frau soll er mehrfach mit dem Tod gedroht, einem Mann mit einem Messer das Gesicht entstellt haben – es sind die Vorwürfe, die nun verhandelt werden. In Vernehmungen der Ex-Frau sei dem Beamten klar geworden, dass die Frau „Todesangst“ hatte. Zu oft habe der Angeklagte sie aufgespürt. „Für die Frau stellte sich nur die Frage, wann sie sterben würde. Das war mein Eindruck.“ Ex-Frau und Tochter leben heute in einem Zeugenschutzprogramm – in Sicherheit vor einem „extrem gefährlichen Mann“, so der Zeuge.

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