Premiere in Deutschland: Dreidimensionales Messsystem zur Dokumentation von Schiffsfunden / Arbeit an Koggenplanke

„Ein enormer Zuwachs an Präzision“

Der so genannte Oberländer aus der Mittelalterflotte des DSM wird mit dem „Faro“-System dokumentiert. Diplom-Restaurator Michael Sietz arbeitet sich am neuen Gerät ein.

Bremen - BREMERHAVEN (kuz) · Die Wissenschaftler am „Deutschen Schiffahrtsmuseum“ (DSM) in Bremerhaven sprechen von einem „Quantensprung für die Schiffsarchäologie“. Ein Sprung, den ihre Kollegen in Dänemark, Schweden, Norwegen, England und Irland schon gemacht haben.

Nun aber wurde erstmals auch in Deutschland ein digitales und dreidimensionales Messsystem zur Dokumentation von Schiffsfunden eingesetzt – eben am DSM. Diplom-Restaurator Michael Sietz (30): „Wir sind jetzt schneller und bekommen gegenüber dem Handaufmaß einen enormen Zuwachs an Genauigkeit.“

Möglich macht dies das „Faro“-Messsystem mit Laserfunktion. Das DSM hat es mit einer Spende seines Fördervereins zur Jahreswende angeschafft, um – so ein Sprecher – „den immer größer werdenden Anforderungen im Bereich der Nassholzkonservierung und Schiffsarchäologie gerecht werden zu können“.

In der Automobilindustrie gehört die dreidimensionale Vermessung – etwa von gefrästen Motorblöcken – zum Alltag, um die Fertigungsgenauigkeit zu prüfen. In der Archäologie ist diese Messmethode hingegen noch vergleichsweise neu.

Bisher musste jedes archäologische Fundstück – von der Hansekogge über das Flussschiff vom Rhein aus der Zeit um 1000 nach Christi Geburt bis zu den Weserlastkähnen aus dem 17. Jahrhundert – mühsam im Handaufmaß dokumentiert und anschließend zur weiteren Bearbeitung digitalisiert werden. „Ein immenser Arbeitsaufwand, der nur von qualifiziertem Fachpersonal bewerkstelligt werden kann“, so Michael Sietz. Jetzt führt er die Hartmetallspitze des beweglichen Messarms seines „Faro“-Systems in einem Raster über das Objekt. Die Ergebnisse der Messpunkte werden direkt in eine CAD-Software übertragen. So entsteht ein digitales dreidimensionales Modell, das beliebig weiterverarbeitet werden kann.

„Es geht“, so ein Museumssprecher weiter, „in der Schiffsarchäologie und Nassholzkonservierung nicht allein um die Erfassung von einfachen Formen. Das neue Messsystem kann auch Gebrauchsspuren, Herstellungsmerkmale von Funden oder Schäden im Holz genau erfassen und mit der Software kartieren.“

Und Restaurator Sietz freut sich: „Wir sind jetzt bis zu 20 Prozent schneller als im Handaufmaß, aber erreichen auch eine Messgenauigkeit von 0,12 Millimetern. Dieser enorme Zuwachs an Präzision ist im Handaufmaß nicht machbar, aber für unsere Arbeit enorm wichtig.“

An einer Planke der Hansekogge von 1380 „übt“ er gegenwärtig den „Faro“-Einsatz im Museum, wo noch etliche Funde auf die Be- und Verarbeitung warten. Zunächst soll die Mittelalterflotte, zu der es bislang „keine ausreichende Dokumentation gibt“, dreidimensional erfasst werden. Zudem ist es möglich, das System direkt an archäologischen Fundorten einzusetzen.

WWW.

dsm.museum

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Hier brennt der schönste Truck Deutschlands

Hier brennt der schönste Truck Deutschlands

Hier brennt der schönste Truck Deutschlands
Diebe stehlen trächtige Kühe von Weide in Bremen

Diebe stehlen trächtige Kühe von Weide in Bremen

Diebe stehlen trächtige Kühe von Weide in Bremen
Lastwagen brennt auf der A1 in Bremen: Warnung aufgehoben

Lastwagen brennt auf der A1 in Bremen: Warnung aufgehoben

Lastwagen brennt auf der A1 in Bremen: Warnung aufgehoben
Bremen: Ermittlungsbeamter sagt im Mordprozess aus

Bremen: Ermittlungsbeamter sagt im Mordprozess aus

Bremen: Ermittlungsbeamter sagt im Mordprozess aus

Kommentare