„Ein einmaliges Erlebnis“

Per Weihnachtsschiff nach Bremerhaven: Die Werbestrategien des NDL

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Das Ziel ist pünktlich erreicht: Die „Bremen“ hat als Weihnachtsschiff an der Columbuskaje in Bremerhaven festgemacht. 

Bremerhaven - Von Harald Focke. Als „einmaliges Erlebnis“ bewarb der Norddeutsche Lloyd 1965 die Dezemberabfahrten seiner beiden Weihnachtsschiffe „Berlin“ und „Bremen“ von den USA und Kanada nach Bremerhaven: „Bei uns finden sie all das, was sie sich für die Feiertage erträumen.“ Der Lloyd musste sich etwas einfallen lassen, um Deutsch-Amerikaner aufs Schiff zu locken. Er wollte sie nicht kampflos den immer beliebteren Jets überlassen.

Die 40 Jahre alte „Berlin“, die mit Tempo 30 übers Meer bummelte, stand in ihrem letzten Dienstjahr. Sie brauchte elf Tage für die Atlantiküberquerung, das Flugzeug nur acht Stunden. Als Weihnachtsschiff fuhr die „Berlin“ ausnahmsweise ab Montreal weit im Landesinneren. Sie sollte nicht nur Deutsch-Kanadier in die alte Heimat bringen, sondern auch Amerikanern in den nahen Neuengland-Staaten ein nostalgisches Wiedersehens-Angebot machen: Mit der altmodischen „Berlin“ waren viele von ihnen in den 50er Jahren ausgewandert. Normalerweise fuhr sie im New- York-Dienst und machte ab und zu Station in Halifax auf Nova Scotia weit draußen im Atlantik, von wo die Kanadier mit dem Zug in die großen Städte am St. Lorenzstrom weiterreisten. Jetzt setzte der NDL auf das besondere Erlebnis einer zweiwöchigen Seereise. Los ging es am 4. Dezember, in Bremerhaven sollte die „Berlin“ am 18. Dezember ankommen.

Für seine große und moderne „Bremen“ warb der NDL um Fahrgäste mit etwas weniger Zeit: „Fahren Sie nur elf Tage vor Weihnachten von New York los.“ Die schnelle „Bremen“ startete am 14. Dezember und war bereits am 20. Dezember in Bremerhaven.

Der Lloyd versprach „Entspannung, ein ruhiges Plätzchen, Sonne und die Stille des Meeres“, ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm „mit charmanten Bordfesten im Kreise alter und neuer Freunde“ und die neuesten Hollywood-Streifen im Bordkino.

Günstige Winterpreise sollten letzte Bedenken zerstreuen: „Sparen Sie 120 Dollar. Fahren Sie mit uns zum Christfest. Die Festtage drüben werden Sie ewig in Erinnerung behalten.“

Und noch einen Trumpf hatten die Bremer schließlich im Ärmel: Alle Weihnachtsreisenden konnten mit dem neuesten Passagierschiff des NDL zurückreisen, der „Europa“. Sie machte dann am 9.  Januar 1966 von Bremerhaven aus ihre Jungfernreise nach New York.

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