Vor 100 Jahren: Hans-Joachim Kulenkampff wird geboren

Fernsehlegende „Kuli“: Ein Charmeur aus Bremen

Hans-Joachim Kulenkampff mit Melone, Mantel und Regenschirm.
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Bremer Charmeur: Hans-Joachim Kulenkampff in seiner Show „Einer wird gewinnen“. Am Dienstag wäre „Kuli“ 100 Jahre alt geworden.

Hans-Joachim Kulenkampff war ein Showmaster alter Schule. Sein Quiz „Einer wird gewinnen“ war ein Straßenfeger. Am 27. April wäre der in Bremen geborene „Kuli“ 100 geworden.

Bremen – Er war eine Fernsehlegende, sein Quiz „Einer wird gewinnen“ (EWG) hat Ausgangssperren überflüssig gemacht, weil das Volk freiwillig vor den Fernsehgeräten hockte. Hans-Joachim Kulenkampff gab stets den Mann von Welt. Am Dienstag, 27.  April, wäre der am 14. August 1998 in Seeham bei Salzburg gestorbene „Kuli“ 100  geworden.

Der gebürtige Bremer ist im Herzen und vor den Kameras immer Bremer geblieben. Seine letzte (und sechste) Moderation der ZDF-Sendung „Der Große Preis“ fiel auf jenen Tag im Juni 1993, als der einst erfolgreiche SV Werder mit einem 3:0-Erfolg in Stuttgart (so etwas gab es mal!) seinen dritten Meistertitel feierte. Und das war die erste Nachricht, die „Kuli“ stolz verkündete.

Zurück auf Los: Hans-Joachim Kulenkampff wird am 27. April 1921 als Spross einer betuchten Kaufmannsfamilie in Bremen geboren, wächst an der Weser auf, macht sein Abi und geht dann 1939 zum Studium an die Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin. Ab 1941 dient Kulenkampff in der Wehrmacht, kämpft an der Ostfront in der Sowjetunion. Dort amputiert er sich eigenhändig mehrere erfrorene Zehen. Über dieses und andere traumatische Kriegserlebnisse spricht er selten. In den 50er Jahren wird der Unfalltod seines vierjährigen Sohnes Till zu einem weiteren Tabu-Thema.

„Kuli“ feiert noch zu Kriegszeiten (1943) sein Debüt am Bremer Schauspielhaus. Ab 1947 tritt er im „Kleinen Theater am Zoo“ in Frankfurt am Main auf. 1950 arbeitet er als Ansager beim Hessischen Rundfunk, 1953 moderiert er seine erste Show „Wer gegen wen?“ Der Bremer kommt an – mit hanseatischer Schlagfertigkeit. Er spielt in Filmen mit – unter anderem als Schauspieler Ulrich Salandt in „Immer die Radfahrer“ (1958) mit Wolf Albach-Retty und Heinz Erhardt (als Bremer (!) Eierlikörfabrikant Fritz Eilers) sowie in „Drei Mann in einem Boot“ (1961) mit Heinz Erhardt und Walter Giller.

Conférencier „Kuli“ wird zum Stammgast auf dem Bildschirm und mit „Einer wird gewinnen“ (kurz: EWG) dann zu einem der beliebtesten Show- und Quizmaster der 60er, 70er und 80er Jahre. Er wird „Krawattenmann des Jahres“ (1965), „Pfeifenraucher des Jahres“ (1971), gewinnt diverse Fernsehpreise, erhält aber auch die „Saure Gurke“ (1980) für „seine altväterlich-charmante, auf keine Anzüglichkeit verzichtende Spielleitung“.

Von 1964 bis 1969 sowie von 1979 bis 1987 moderiert er mehr als 80   EWG-Ausgaben und überzieht fast immer die Sendezeit. Ein Millionenpublikum liebt den markanten Charme des Bremers. Anderen sind seine Sprüche zu zotig und machohaft. Auf jeden Fall sind diese sowie die Länge der jeweiligen Show Sonntagsthemen in Kneipen und an Kaffeetafeln. Kulenkampff sagte einmal: „Ich kann nicht singen, nicht tanzen, kein Instrument spielen und ich bin doch ein Showmann geworden – das ist doch phantastisch.“

„Kuli“ agiert – aus heutiger Sicht betrachtet – wunderbar politisch unkorrekt. Aber keineswegs unpolitisch. Er macht Wahlkampf für Willy Brandt und die SPD. „Kuli“ plappert drauflos, schießt auch übers Ziel hinaus. Für einen Skandal sorgt er im Januar 1988 als Gast der NDR-Talkshow, als er eine Äußerung Willy Brandts, CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sei „der schlimmste Hetzer seit (NS-Propagandaminister Joseph) Goebbels“, toppt, indem er den CDU-Mann als „schlimmer als Goebbels“ bezeichnet. Zwei Wochen später ist „Kuli“ gemeinsam mit Geißler zu Gast in der Talkshow, kriecht zu Kreuze und entschuldigt sich öffentlich beim Politiker.

Nach dem Ende der EWG-Shows geht Kulenkampff auf Gastspielreisen, rezitiert in Strickjacke von 1985 bis 1990 im Ersten „Nachtgedanken“ vor Sendeschluss und Nationalhymne. 1993 feiert er als Nachfolger Wim Thoelkes ein kurzes Comeback – als Moderator der Quizsendung „Der Große Preis“. Das passt nicht. Es gibt zu viele Spielregeln. Das Korsett ist zu eng für „Kuli“.

1946 heiratet Kulenkampff Gertraud Schwarz (1922-2001) und hat mit ihr drei Kinder – Merle (1949), Till (1953 bis 1957) und Kai Joachim (1959). Am 14. August 1998 stirbt „Kuli“ in seiner Wahlheimat Seeham. Seine Urne wird auf dem Friedhof in Frauenstein (Oberösterreich) beigesetzt.

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