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Ein Blick ins neue Zuhause der Bremer Philharmoniker im Tabakquartier

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Von: Thomas Kuzaj

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Raum für Musik: Blick in den Saal – und damit ins Herz des neuen Domizils der Bremer Philharmoniker in Halle 1 des Tabakquartiers.
Raum für Musik: Blick in den Saal – und damit ins Herz des neuen Domizils der Bremer Philharmoniker in Halle 1 des Tabakquartiers. © -

Bremen – Sie haben ein neues Zuhause, die Bremer Philharmoniker. Dieser Tage erklang der erste Ton in der neuen Halle des Orchesters im Tabakquartier, sprich: in Halle 1 auf dem früheren Areal der Tabakfabrik Martin Brinkmann in Woltmershausen.

Dort haben sich (in der Regie des Immobilienunternehmens Justus Grosse) Firmen und Lokale angesiedelt, es entstehen Bürolofts und Wohnungen. Das Weyher Theater hat hier seine zweite Spielstätte eröffnet, das Boulevardtheater Bremen – praktisch neben dem Orchester.

Nun also sind die Bremer Philharmoniker mittendrin im Geschehen – und ganz genau so soll es auch sein, sagt Christian Kötter-Lixfeld, der Intendant und Geschäftsführer. Das Orchester betritt die Bühne bremischer Stadtentwicklung, es ist umgeben von einer frisch zusammenwachsenden Nachbarschaft aus Wohnen, Arbeit und Freizeit – und zugleich ein Teil davon.

Neues Kapitel beginnt mit Geburtstagsständchen

Der erste Ton im neuen Domizil, er sollte laut Planung aus Dvoraks Symphonie Nr. 9 („Aus der Neuen Welt“) kommen. Tatsächlich kam er spontan aus einem Geburtstagsständchen für Konzertmeisterin Anette Behr-König. Mit dem Umzug von der Plantage (Findorff) ins Tabakquartier haben die Bremer Philharmoniker, die das offizielle Orchester der Freien Hansestadt Bremen sind, ein neues Kapitel in ihrer nahezu 200-jährigen Geschichte aufgeschlagen. „Dies wird nicht nur räumlich durch einen eigenen Proben- und Veranstaltungssaal deutlich, sondern zeigt sich auch thematisch und mit neuen Konzertformaten und kleinen Festivals“, formuliert Sprecherin Barbara Klein.

Drei Jahre ist es her, dass Grosse-Chef Joachim Linnemann Kötter-Lixfeld die Halle 1 zeigte, in der einst über Rampen Tabakfässer angeliefert wurden. „Es roch kalt und feucht“, so der Intendant. Aber ein Aspekt überzeugte sofort: „Die Ausmaße.“ Denn: „Wir suchten nach einem Raum, in dem wir so proben können, wie wir später im Konzertsaal spielen.“ Wo die Musiker sich so aufbauen können, wie sie dann etwa im Konzerthaus Glocke gruppiert sind.

Diesen Platz bietet die Halle 1, das sahen die Orchestermusiker, denen Kötter-Lixfeld die Halle zeigte. Das Orchester beschloss, den Umzug zu wagen, einen Umzug buchstäblich mit Pauken und Trompeten. Heute, nach drei Jahren Planung und Vorbereitung und dem mit der Hilfe von Stage-Managern und Bühnenbauern absolvierten Umzug, zeigt sich die Halle in hellen Farben, sie wirkt einladend und transparent.

Christian Kötter-Lixfeld mit historischer Waage.
Christian Kötter-Lixfeld mit historischer Waage. © Kuzaj

Ein „transparenter Saal“ für die Bremer Philharmoniker

Letzteres ist Kötter-Lixfeld besonders wichtig: „Ein transparenter Saal, in dem man sich zu Hause fühlt.“ Acht Meter hoch und mit Oberlichtern, die Tageslicht hereinlassen. Das Offene, das Zugängliche, es soll hier Programm sein. Aufbau, Einrichtung – alles flexibel, um neben den Proben unterschiedlichste Veranstaltungsformen (und auch Tonaufnahmen) zu ermöglichen. Platz ist für bis zu 380 Besucher.

Und die Akustik? „Drei Jahre Tüftelei“, sagt Kötter-Lixfeld. Nackter Beton und Glas bieten nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Klangkörper, bei dem es auf Feinheiten und Details ankommt. Mit Holzelementen an den Wänden und Schallsegeln unter der Decke wurde erreicht, dass in Halle 1 zum guten Ton nun auch der entsprechend gute Klang kommt. Und dass auch die Musiker auf der Bühne einander so hören, wie es für ein harmonisches Zusammenwirken notwendig ist.

Der Industrie-Charme soll bleiben

Entstanden ist ein Orchester-Arbeitsraum, der eben zugleich Konzertsaal sein kann – und dem anzusehen ist, dass es sich im Ursprung um einen Industriebau handelt. Auch das, so Kötter-Lixfeld, ist Absicht. Die Historie des Quartiers, sie solle sicht- und spürbar bleiben. Also wurde sie integriert. Elemente wie Hubbühnen, historische Industriewaagen und nostalgische Sicherungskästen verweisen in den Orchesterräumen auf die Zigarettenproduktion vergangener Zeiten. Der Fabrikboden im Keller wurde nicht geglättet und poliert. Und die Laderampen für die Tabakfässer, die werden sogar wieder gebraucht – für den Transport von (teils großen) Instrumenten.

Neu verglaste Bereiche betonen die erwünschte Transparenz nach außen hin, am Haupteingang öffnet sich ein Foyer mit Galerie, Platz für eine Lounge oder Bar gibt es ebenfalls. Vom Foyer geht die Musikwerkstatt ab, die zwei großzügige Räume bekommt. Im Keller ist unter anderem Platz für Stimmzimmer, Notenarchiv, Künstlergarderoben. Zur neuen Saison wollen die Bremer Philharmoniker ihr neues Zuhause mit Publikum einweihen – mit einem Festwochenende am Sonnabend und Sonntag, 10. und 11. September.

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