„Ein bisschen traditionell geprägt“

Fragen und Antworten: „Tag des offenen Denkmals“ in Bremen

Das frühere Katasteramt, beim „Tag des offenen Denkmals“ erstmals im Programm. Foto: KUZAJ

„Eine feste Einrichtung, die immer beliebter wird und kontinuierlich wächst.“ So beschreibt Professor Georg Skalecki, Bremens Landeskonservator, den „Tag des offenen Denkmals“. Am Sonntag, 8. September, ist es wieder so weit. Fragen und Antworten zum Bremer Programm.

Wo wird der Tag dieses Mal eröffnet?

Im Bremer Norden – um 11 Uhr vor der ehemaligen kaufmännischen Verwaltung der Bremer Wollkämmerei (Zum Krempel 2) in Blumenthal. Skalecki spricht dort über Industriekultur und Denkmalpflege in Bremen. Auf dem Areal der 1883 gegründeten und 2009 geschlossenen Wollkämmerei „stehen 15 Gebäude unter Denkmalschutz“, sagt Detlef Gorn vom Förderverein Kämmereimuseum. „Wir haben ein Programm auf die Beine gestellt, das Architekturfreunde ebenso anspricht wie Film-Fans und Eisenbahnliebhaber.“ So werde unter anderem eine sanierte Dampfspeicherlok präsentiert.

Unter welchem Motto steht der Tag in diesem Jahr?

100 Jahre Bauhaus – dieses Jubiläum gibt auch beim „Tag des offenen Denkmals“ das Thema vor. Allerdings geht es nicht allein ums Bauhaus. Das Motto wurde etwas weiter gefasst und heißt nun: „Modern(e) – Umbrüche in Kunst und Architektur“. Für die Hansestadt ist die thematische Erweiterung gut – denn, so Skalecki: „Reine Bauhaus-Architektur hat Bremen nicht so ganz viel, Bremen war immer ein bisschen traditionell geprägt.“

Wo liegt der Schwerpunkt in Bremen?

Die Nachkriegsmoderne ist hier ein großes Thema. „Da hat Bremen herausragende Objekte“, sagt Dr. Rolf Kirsch vom Landesamt für Denkmalpflege. Der Vahr-Fachmann Rolf Diehl bietet fünf Führungen durch das 22-geschossige Aalto-Hochhaus von 1962 an (9, 11, 13, 15 und 17 Uhr, Anmeldung an mail@rolfdiehl.de). Eine „federgelagerte Haus-in-Haus-Konstruktion“ (Kirsch) und damit eine harmonische Verbindung von Technik, Architektur und Akustik bietet der 1952 gebaute Sendesaal an der Bürgermeister-Spitta-Allee. Führungen hier: 14 und 16 Uhr. Ebenfalls von 1952 stammen die riegelförmigen Wohnbauten des US-Generalkonsulats an der Marcusallee in Horn. Sie wurden inzwischen zu einer Seniorenwohnanlage umgebaut. Wie, das erklärt der Architekt Hans Jürgen Hilmes um 14 und um 15 Uhr. Unter Denkmalschutz steht auch das frühere Katasteramt (Wilhelm-Kaisen-Brücke, etwa Höhe Franziuseck), das heute „Kwadrat“ heißt und von der Werkstatt Bremen genutzt wird. Das quadratische Bauwerk von 1956 ist beim „Tag des offenen Denkmals“ erstmals im Programm. Es öffnet am Sonntag in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Gehören auch Sakralbauten zum Programm?

Unter dem Aspekt „Moderne“ stehen besonders Kirchenbauten des Bremer Architekten Carsten Schröck (1923 bis 1973) im Fokus. Von 11.15 bis 12.30 Uhr öffnet die spektakulär geschwungene Auferstehungskirche an der Drakenburger Straße in Hastedt. Um 14 Uhr beginnt am „Haus der Kirche“ (Franziuseck 2–4) eine „Schröck-Kirchen-Radtour“. Ziele: Zion-Gemeindezentrum (Kornstraße, Neustadt), St. Lukas in Grolland (1964 erbaut – eine der ersten Seilnetzdachkonstruktionen weltweit) und das Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum in Huchting. Die Radtour führt über 9,6 Kilometer und dauert etwa drei Stunden. Jakob Mitzlaff leitet die Fahrt. Er ist der Sohn des Fischerhuder Künstlers Erhart Mitzlaff (1916 bis 1991), der die Buntglasfenster mehrerer Schröck-Kirchen schuf.

Öffnet auch das Bremer Rathaus seine Türen?

Der Weltkulturerbe-Bau ist beim „Tag des offenen Denkmals“ stets einer der Publikumsmagneten – vollkommen unabhängig vom jeweiligen Motto. In diesem Jahr öffnet das Rathaus in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Letzter Einlass: 16.30 Uhr. Besucher können sich die Obere Rathaushalle, den Festsaal (gegenwärtig Ausweichquartier der Bürgerschaft), den Kaminsaal und den Senatssaal ansehen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist mit einem Info-Stand im Rathaus dabei.

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