Duo wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Ein beinahe tödlicher Waffendeal?

Müssen sich vor dem Bremer Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten: Adnan R. (Mitte) und Anton S. (2.v.r.).
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Müssen sich vor dem Bremer Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten: Adnan R. (Mitte) und Anton S. (2.v.r.).

Bremen – Ein gescheiterter Waffendeal, Schüsse, wilde Erzählungen übers Zeugenschutzprogramm und ein schwerverletzter Teenager: Es ist eine Geschichte, die sonst nur das Kino schreibt, die sich so aber im März dieses Jahres in Bremen abgespielt haben sollen – und zwei Männer seit Freitag auf die Anklagebank des Landgerichts geführt hat. Ihnen wird versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Das Geld war wohl zu verlockend, anders könne es sich der 18-jährige Adnan R. heute nicht erklären, warum er am Abend des 16. März diesem Treffen eingewilligt habe. 200 bis 300 Euro seien ihm vom ebenfalls angeklagten Anton S. (33) versprochen worden, sollte er den Deal einfädeln und ihn zum vereinbarten Treffpunkt an eine Kreuzung in Arsten begleiten. Dort, so sieht es die Staatsanwaltschaft, soll eine Waffenübergabe geplant gewesen sein. 4 000 Euro, davon geht die Anklage aus, habe Anton S. seinem „Geschäftspartner“ übergeben wollen, im Gegenzug sollte er in den Besitz einer Pistole Marke Sig Sauer kommen.

Doch der mögliche Deal gerät aufgrund von „Unstimmigkeiten“ aus dem Ruder, Pfefferspray kommt von Seiten der mutmaßlichen Waffenverkäufer zum Einsatz, Anton S. reagiert, so die Vorwürfe, mit mehreren Schüssen auf das Duo, ein 17-Jähriger und ein weiterer Mann. Eine Kugel dringt bei dem 17-Jährigen von hinten auf Höhe des Schlüsselbeins in seinen Körper ein, prallt an einem Knochen ab und zerfetzt Luft- und Speiseröhre, zudem brechen drei Rippen. Der Jugendliche kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik, wird notoperiert. Die mutmaßlichen Täter fliehen – Adnan R. nach eigener Aussage in ein Gebüsch ganz in der Nähe, der Weg des 33-Jährigen blieb vor Gericht zunächst unklar. Sein Mandant wolle sich „schweigend verteidigen“, sagte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Felix Deutscher.

Knapp einen Monat später und nach intensiven Ermittlungen einer eigens von der Polizei eingerichteten Gruppe werden beide Männer von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen. Bei der Wohnungsdurchsuchung von S. finden die Beamten neben 15 Schreckschusswaffen auch scharfe Munition, ein Messer und ein Schwert. Der 33-Jährige sitzt bis heute in Untersuchungshaft, sein mutmaßlicher Komplize nicht.

Vor der Inhaftierung hätten sich die Männer, so berichtete es der nach eigener Aussage 18-Jährige der Kammer, über Computerspiele kennengelernt. Bei persönlichen Treffen habe ihm der Deutsch-Russe S. dann erzählt, dass er einst beim Militär gewesen sei und seit dieser Zeit „Leute hinter ihm her“ seien, weswegen er sich im Zeugenschutzprogramm befinde. Und S. habe ihm Waffen gezeigt, „hinterm Rewe, dort haben wir häufiger abgehangen“, die habe R. habe anfassen dürfen. Ob es sich dabei um scharfe oder Schreckschusswaffen gehandelt habe, könne er nicht sagen. Später sei daraus die Idee entstanden, R. könne für S. Waffen über den Messenger-Dienst Snapchat besorgen. Und der 18-Jährige, nach eigener Aussage staatenlos, habe sich gekümmert. Mit einem gewissen „Erik“ sei es zu ersten Verkaufsgesprächen gekommen, letztlich zum Treffen am 16. März. Nach der mutmaßlichen Tat habe S. gegenüber R. eingeräumt, „das gesamte Magazin“ abgefeuert zu haben – neben dem Schuss, der den 17-Jährigen traf, flogen zwei Kugeln in die Fassade eines Reihenhauses. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, was der 33-Jährige seiner Einschätzung nach mit der Sig Sauer habe machen wollen, sagte R.: „Was der damit vorhatte? Ich wollte es ehrlich gesagt nicht wissen.“

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