„Ein Anschlag auf alle Polizisten“

Neustadt: Unbekannte setzen Smart der Deutschen Polizeigewerkschaft in Brand

+
Der zerstörte Gewerkschafts-Smart.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Schon wieder hat in Bremen ein Auto gebrannt. Am Montag gegen 2.50 Uhr ist in der Industriestraße (Neustadt) ein Wagen der Deutschen Polizeigewerkschaft – ein Smart – komplett ausgebrannt, berichtete eine Polizeisprecherin. Die Polizei ermittelt nun wegen Brandstiftung „und prüft einen möglichen politisch motivierten Hintergrund“, so die Sprecherin weiter.

Der Wagen stand „auf einem umzäunten und verschlossenen Gelände, auf dem sich auch ein Geschäftsgebäude befindet, in dem der Hausmeister eine Wohnung hat“, hieß es bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Deren Landeschef Jürn Schulze erklärte: „Gott sei Dank wurde niemand verletzt. Wir vermuten ein politisches Motiv hinter der Tat, und mich persönlich widert es an, dass Menschen in der politischen Auseinandersetzung Sachbeschädigungen und Gewalt als Ausdrucksmittel einsetzen.“

Die unbekannten Täter hatten sich offensichtlich durch ein Loch im Zaun Zutritt verschafft, so die Polizeisprecherin. Der Tatort wurde abgesperrt. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Nummer 0421/362-38 88 zu melden.

„Ein Signal in Richtung Polizei“

Gewerkschafter Schulze sieht unterdessen in dem Anschlag „ganz klar auch einen Angriff auf die Polizei“. Denn: „Wir repräsentieren die Polizisten in unserem Bundesland. Und ich glaube, niemand würde auf die Idee kommen, beispielsweise ein Fahrzeug der Bäckerinnung anzuzünden. Wer uns angreift, will ein Signal in Richtung Polizei senden.“

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat den Brandanschlag verurteilt. „Nach zwei Anschlägen auf die Geschäftsstelle der GdP ist der Brandanschlag auf das Fahrzeug der DPolG nunmehr der dritte Anschlag auf eine Polizeigewerkschaft in Bremen und macht die GdP zutiefst betroffen“, hieß es in einer Erklärung. Auch die GdP verstehe die Tat als „Anschlag auf alle Beschäftigten der Polizei“. Die Täter seien gezielt und planmäßig vorgegangen, hätten den Zaun des Areals an zwei Stellen durchtrennt und den möglichen Tod von Menschen „zumindest billigend in Kauf genommen“.

Immer wieder brennen Autos

FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner sagte: „Ein Angriff auf unsere Polizei ist ein Angriff auf uns alle. In Bremen haben wir mittlerweile ein ernsthaftes Problem mit gewalttätigen Chaoten, die es billigend in Kauf nehmen, das Leben von Polizeibeamten zu gefährden.“ Und weiter: „Die Hemmschwelle zur Gewalt gegen Polizisten durch kriminelle Clans und Extremisten steigt zusehends.“

In Bremen haben in den zurückliegenden Wochen und Monaten immer wieder geparkte Fahrzeuge gebrannt. Schlagzeilen machte Ende Dezember beispielsweise der Brandanschlag auf einen Lastwagen auf einem Firmengrundstück in der Straße Beim Industriehafen (Gröpelingen). Das Fahrzeug war nicht mehr zu retten. Und im Führerhaus eines Lasters, der neben dem in Brand gesetzten Wagen parkte, schlief ein Mann – er konnte sich noch rechtzeitig retten. In einem Bekennerschreiben warfen Unbekannte der Firma Nähe zu rechten Parteien vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Deutschland und Frankreich vermitteln im Ukraine-Konflikt

Deutschland und Frankreich vermitteln im Ukraine-Konflikt

Im winterlichen Porto holt der Sommer nur kurz Zigaretten

Im winterlichen Porto holt der Sommer nur kurz Zigaretten

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

May verschiebt Abstimmung zum Brexit-Deal

May verschiebt Abstimmung zum Brexit-Deal

Meistgelesene Artikel

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

„Bus on demand“: Minibusse auf Abruf

„Bus on demand“: Minibusse auf Abruf

Doku-Drama „Die Affäre Borgward“: Interview mit Schauspieler André Mann

Doku-Drama „Die Affäre Borgward“: Interview mit Schauspieler André Mann

Kommentare