„Noch ist nicht alles im Eimer“

Bremen kämpft mit Werbekampagne gegen Müll auf der Straße

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Müll-Mengen empfangen Passanten und Reisende am Bremer Hauptbahnhof – unter ihnen Berufspendler und Touristen. Mit der Kampagne „Noch ist nicht alles im Eimer“ kämpft die Stadtreinigung jetzt gegen den überall präsenten Müll auf der Straße.

Jeden Morgen um 4 Uhr wird der Bahnhofsvorplatz gereinigt. Wenige Stunden später ist davon kaum noch etwas zu spüren. Die Pendler, die aus den Zügen steigen, begrüßt Bremen Tag für Tag mit Müll.

Bremen - Zigarettenkippen, Kaugummis, Fast-Food-Verpackungen – das ist keine gute Visitenkarte und auch Touristen gegenüber peinlich. Mit einer Werbekampagne kämpft die kommunale Bremer Stadtreinigung jetzt gegen den allgegenwärtigen Müll auf der Straße.

Plakate und Postkarten, Flyer und „Boden-Tattoos“ sollen in den nächsten Wochen und Monaten dazu animieren, Müll in die (insgesamt 3 600) öffentlichen Papierkörbe und Mülleimer zu werfen – oder gleich ganz zu vermeiden. Hinzu kommen Social-Media-Aktivitäten und Blogs, weil die Initiatoren insbesondere ein jüngeres Publikum erreichen wollen. Die Kampagne läuft unter dem Titel „Noch ist nicht alles im Eimer“.

„Es sind viele Problemfelder, über die wir uns ärgern“, sagt Insa Nanninga, Vorstand der Stadtreinigung. Wilde Müllhaufen, Einwegbecher und Hundekot zum Beispiel. Und: „Zigarettenstummel, die überall liegen. Wir machen gerne sauber, aber das ist vermeidbarer Müll.“ Müll, der zusätzliche Arbeit macht und zusätzliche Kosten verursacht.

Kippen zerfallen erst nach 15 Jahren. Foto: KUZAJ

Zu den Kostengründen kommen die Wohlfühl- und Umweltschutzaspekte, sagt Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne). „Sauberkeit in der Stadt hat viel mit Wohlfühlen zu tun.“ Der achtlos in die Gegend geworfene Müll belastet zudem die Umwelt.

Zigarettenkippen zum Beispiel sind – schon wegen ihrer Menge – ein großes Problem. Es dauert etwa 15 Jahre, bis eine Kippe zerfallen ist. Dabei belasten Zigarettenkippen das Grundwasser. Ein Stummel genügt, um 40 Liter zu verunreinigen, heißt es bei der Stadtreinigung.

Auf der kurzen Strecke vom „City Gate“ am Hauptbahnhof bis zum Siemens-Hochhaus hat Senatorin Schaefer am Dienstag die Zigarettenkippen auf der Straße gezählt. Oder besser: es versucht. Schaefer: „Nach 400 Kippen habe ich aufgehört.“

Mehrere Motive gehören zu der neuen Kampagne der Bremer Stadtreinigung. Foto: KUZAJ

Eine dauerhafte Umweltbelastung sind auch Kaugummis. Denn ein schnell auf die Straße gespuckter Kaugummi braucht etwa fünf Jahre, um sich aufzulösen, so die Fachleute von der Stadtreinigung. Bis dahin ist ein hässlicher Fleck zu sehen. Und für Tiere sind Kaugummis gefährlich. Einmal gefressen, können sie zu einem tödlichen Darmverschluss führen, heißt es.

Für die Tierwelt und für die Meere ist Plastikmüll eine weitere Gefahr. Oft sind Plastikverpackungen überflüssig, der durch sie anfallende Müll ließe sich also eigentlich (schon beim Einkauf) vermeiden. In diese Kategorie fallen auch die Einwegbecher vom „Kaffee to go“. Lieber auf Mehrwegbecher und -verpackungen setzen, appellieren die Initiatoren der Bremer Kampagne. Allein in der Hansestadt kommt Jahr für Jahr einMüllberg von etwa 23 Millionen Bechern zusammen, so die Stadtreinigung.

Müllhaufen in der Nähe der Domsheide. Foto: KUZAJ

Noch ist nicht alles im Eimer? Die Frage ist, ob gut gemeinte Kampagnen und Appelle etwas nützen. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der gemeinsam mit Senatorin Schaefer die Schirmherrschaft über die Kampagne der Stadtreinigung übernommen hat, zweifelt daran. „Allein mit Appellen kommt man nicht weit“, so Mäurer.

Spürbare Bußgelder für die weggeworfene Kippe, für den ausgespuckten Kaugummi – das könnte ein Weg zum Erfolg sein. Zuvor aber gelte es, den neuen Ordnungsdienst personell aufzustocken. Wer Bußgelder androht, muss sie auch einfordern können, das weiß Mäurer natürlich.

Und er weiß noch etwas: Der Kampf gegen den Mül l auf der Straße, er ist – so wörtlich – „eine permanente Aufgabe“.

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