Rektor Müller: „Sein Name wird mit historischen Phasen nicht genug verbunden“

Uni ehrt Moritz Thape

Ehrung im Haus der Wissenschaft – von links gesehen: Uni-Rektor Professor Wilfried Müller, Senator a. D. Moritz Thape, der nun Uni-Ehrenbürger ist, und Uni-Kanzler Gerd-Rüdiger Kück. ·
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Ehrung im Haus der Wissenschaft – von links gesehen: Uni-Rektor Professor Wilfried Müller, Senator a. D. Moritz Thape, der nun Uni-Ehrenbürger ist, und Uni-Kanzler Gerd-Rüdiger Kück. ·

Bremen - Von Thomas KuzajBürgermeister a. D. Moritz Thape (SPD) ist seit gestern Ehrenbürger der Bremer Universität. Uni-Rektor Professor Wilfried Müller zeichnete den 1920 geborenen Politiker im Haus der Wissenschaft (Sandstraße) aus. Die Laudatio hielt Uni-Kanzler Gerd-Rüdiger Kück. Die Universität wurde vor 40 Jahren, im Oktober 1971, gegründet.

Thape ist der erste Ehrenbürger, der der Universität in staatlicher Verantwortung gegenüberstand, sagte Rektor Müller. Er werde geehrt, „weil wir den Eindruck hatten, dass zwei historische Phasen nicht genug mit seinem Namen verbunden sind“. Ohne Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) und Bildungssenator Moritz Thape wäre es 1971 wohl nicht zur Universitätsgründung gekommen, sagte Müller. Knapp zehn Jahre später lief die Finanzierung der paar Bundesländer aus, die Bremens Uni unterstützten. Wieder war Thape gefordert – inzwischen als Finanzsenator. Wieder fand er eine Lösung. Die Uni blieb bestehen. „Das Land Bremen hätte da auch andere Entscheidungen treffen können“, sagte Müller. Thape unterstützte die Universität stets – obwohl er kein Anhänger aller Elemente ihrer Gründungskonzeption gewesen ist.

Bremens Uni war auch vor dem Hintergrund eines großen Lehrerbedarfs in Deutschland gegründet worden. Daran erinnerte Laudator Kück. Und er nannte Grundsätze, die 1971 als revolutionär galten: „Öffnung der Uni für bildungsferne Schichten, Praxisbezug, gesellschaftliche Verantwortung.“ Heute würde keine Universität, die „etwas auf sich hält“, darauf verzichten.

Moritz Thape war als Bildungssenator 14 Jahre und als Finanzsenator sechs Jahre im Amt. Als Koschnick das Rathaus verließ, ging Thape mit. Er galt als ein Politiker, der sich klar äußerte, wofür er auch Kritik einstecken musste, und der überflüssige Worte gern vermied. Der erfahrene Bildungspolitiker hat es selbst mal so zusammengefasst: „Jeder Kritiker ist ein Fachmann, weil jeder irgendwann die Schule besucht hat.“ Thape war von 1965 bis 1975 Senator für Bildung, Wissenschaft und Kunst und von 1975 bis 1979 Senator für Bildung. Chef des Finanzressorts war er von 1979 bis 1985.

In seine Zeit fällt nicht allein die Universitätsgründung, sondern auch die Einrichtung von Gesamtschulen, die Gründung von Schulzentren und die Einführung der Orientierungsstufe. Im Zusammenhang mit der Uni-Gründung – und dem Rücktritt des Gründungsausschusses – wurde gegen Thape 1967 der erste Misstrauensantrag in der Bürgerschaft seit 1945 gestellt.

Zu der Ehrenbürgerschaft sagte Thape gestern, dass so etwas vor 40 Jahren nicht zu erwarten gewesen sei.

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