Plädoyer: 36-Jähriger soll zwölf Jahre hinter Gitter

Für „Ehrenmord“ fehlt Gewissheit

Die Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft wegen Totschlags für den 36-jährigen Angeklagten. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Zu Prozessauftakt lautete die Anklage gegen einen 36-jährigen Syrer noch auf Mord aus Eifersucht. Er soll seine 22 Jahre alte Ehefrau in deren Wohnung in Bremerhaven mit 23 Messerstichen getötet haben – vermutlich vor den Augen seiner Kinder.

Am Mittwoch folgten die Schlussvorträge am Landgericht Bremen – Oberstaatsanwalt Oliver Constien plädierte dabei auf zwölf Jahre Haft wegen Totschlags. Für einen zunächst von der Anklagevertretung angenommenen „Ehrenmord“ fehle die zur Verurteilung erforderliche Gewissheit, hieß es.

Er habe seinen Kindern ein Leben „voller Bildung“ ermöglichen wollen, ohne Krieg, ohne Leid, sagte der 36-jährige Angeklagte. Er habe ihnen nicht ihre Mutter nehmen wollen, nun solle das Gericht ihnen nicht auch noch ihren Vater nehmen, gab der Mann, der 2015 mit seiner damaligen Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern aus Syrien flüchtete, dem Gericht mit in die Urteilsbesprechung.

Am Donnerstag will die Kammer eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die den Mann, der sich während des Prozesses als „streng gläubig“ bezeichnete, für lange Zeit ins Gefängnis bringen könnte.

„Ehrenmord“ nicht bewiesen

Bereits zu Prozessauftakt deutete das Gericht an, von der Täterschaft des Syrers auszugehen. Die Beweisaufnahme sollte in erster Linie die konkreten Geschehnisse in der Wohnung klären und das Motiv des 36-Jährigen ans Tageslicht bringen. Ging die Staatsanwaltschaft zu Beginn noch von einem „Ehrenmord“ aus, fehle mittlerweile „die für eine Verurteilung erforderliche Gewissheit dafür“, sagte Oberstaatsanwalt Constien während seines Plädoyers.

Die Frau hatte kurz vor ihrem Tod einen anderen Mann kennengelernt. Als der Angeklagte davon erfahren hatte, soll er sie im Streit getötet und außerdem vor Zeugen als „dreckige Hündin“ bezeichnet haben. Als Motiv habe er damals angegeben, er wollte seine „Ehre waschen“. Zwar stehe außer Zweifel, dass der Mann die 22-Jährige „zielgerichtet getötet“ habe und auch ein „Ehrenmord“ sei „ein Aspekt“, doch vielmehr spreche vieles dafür, dass der 36-Jährige aus einem „Motivbündel“ und „persönlicher Enttäuschung“ über die bevorstehende Trennung zugestochen habe, so Oberstaatsanwalt Constien, der beim Angeklagten außerdem die volle Schuldfähigkeit annimmt.

Anders sieht das der Verteidiger des Syrers, Helmut Pollähne. Sein Mandant habe zwar „vorsätzlich, schuldhaft und rechtswidrig“ gehandelt, von einer vollen Schuldfähigkeit des Mannes sei aber nicht auszugehen. Er forderte ein Strafmaß „deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft“.

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