Catch-Legende Steinblock kämpft letztmals um Weltmeistertitel

„The Final Chapter“: Eddy steigt aus dem Ring 

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Eddy Steinblock präsentiert hier drei seiner fünf Weltmeistergürtel. Die Catch-Legende steigt noch einmal in den Ring – zur letzten Titelverteidigung im „Aladin“.

Bremen - Von Jörg Esser. Noch ein Weltmeisterschaftskampf. Noch einmal will „The Big German“ seine fünf Weltmeisterschaftsgürtel verteidigen. Dann ist Schluss. Die Catch-Legende Eddy Steinblock verlässt den Ring – nach mehr als 30 Jahren. Das große Finale – „The Final Chapter“ – steigt in seiner Heimatstadt Bremen. Am Freitag, 10. November, kämpft der mittlerweile 61-Jährige im „Aladin“ in Hemelingen gegen „The Vampire Warrior“ Grangel aus Florida.

Der Abschied fällt dem Zwei-Meter-Kraftprotz schwer, „sehr schwer“. Eddy Steinblock hat „gegen die Größten der Welt gerungen“ und unzählige Kämpfe bestritten. „Tausende“, sagt er. In den 80er und 90er Jahren zogen die Catcher das Publikum nahezu magisch an. Die Veranstaltungen füllten große Hallen – wochenlang. In seinem besten Jahr habe er 346 Kämpfe bestritten, sagt Eddy. Über Frankfurt ging es nach Klagenfurt und Graz, dann dreieinhalb Monate zum Heumarkt nach Wien. Es folgten 90  Tage in Hannover und schließlich noch sechs Wochen in Bremen – mit dem großen Finaltag in der Stadthalle kurz vor Weihnachten. Die Hansestadt war damals eine Catch-Hochburg – unter Nico Selenkowitsch und „Big Otto“ Wanz. Eddy Steinblock war einer der Lokalmatadoren – und ein Guter. Einer der Publikumslieblinge.

In Bremen jedenfalls. In Wien war das ganz anders. Steinblock war „der blonde Hüne aus Norddeutschland“. Und musste gegen einen der Wiener Lokalmatadoren in den Ring. „Die Leute brüllten ,Piefke’ und ,Nazi’“, erzählt Eddy. Es flogen Regenschirme und Frikadellen. „Die haben mich gehasst wie die Pest.“ Und dann habe er auch noch einen der Österreicher „so richtig verwackelt“. Das Ergebnis: Der Bremer Riese musste mit der Gendarmerie („zwölf Leute“) aus dem Ring in die Freiheit außerhalb der Halle gebracht werden. Eddy blieb „der oberste Buhmann“ in Wien, bis die US-Amerikaner kamen, die einen „brutalen“ Catch-Stil zelebrierten. Eddy wehrte sich, das gefiel den Wienern. Das Blatt wendete sich. Steinblock wurde zu einem Publikumsliebling.

„Zuletzt habe ich fast nur gewonnen“

Eine Kampfbilanz? In den ersten Jahren habe er durch „Daddelei“ und Unerfahrenheit einige Fights verloren, erzählt der 140-Kilo-Muskelmann. „Zuletzt habe ich fast nur gewonnen.“ Und Verletzungen? „Wow“, sagt Eddy. „Wenn ich jetzt anfange, sitzen wir morgen früh noch hier.“ Im Schnelldurchlauf zählt Steinblock auf: sechseinhalb Monate Rollstuhl, vier Monate Gipsbett, elfeinhalb Monate linksseitig gelähmt. Vier Augenoperationen, vier Schulteroperationen, abgequetschter Vorderfuß. Break. Auseinander. „Rippenbrüche zählt man gar nicht mehr“, fährt er fort. In Wien habe er mal drei Monate lang mit drei angebrochenen Rippen gekämpft. „Catchen ist halt Kampfsport.“ Eddy Steinblock ist auch offiziell eine „Wrestling-Legende“. Seit 9. Mai 2009 ist er mit diesem Ehrentitel in der „Hall of Fame“ notiert.

Seit rund 15 Jahren veranstaltet er Catch-Events – zunächst noch in der Stadthalle, dann im Pier 2, im Umland sowieso und seit einigen Jahren im „Aladin“. „Das klappt da wie geschnitten Brot.“ Als Veranstalter – Steinblock ist Gründer der eigenständigen Wrestling-Liga EPW (European Pro Wrestling) – bleibt Steinblock dem Wrestling-Sport erhalten. Und womöglich als „Matchmaker“. Er betreibt zudem eine Wrestling-Schule. „Ich kann mir auch nichts anderes vorstellen“, sagt er. Privatmann Steinblock ist verheiratet, lebt in Wilstedt, ist sozial engagiert und hat einen Koi-Teich – 15 Meter mal 18 Meter groß. „Das ist mein Ruhepol.“

Doch einmal steigt er ja noch in den Ring und womöglich auf die Seile. Seinen Gegner aus den Staaten bezeichnet er als „starken Hund“. Grangel mache „derzeit in Japan alles platt“, sagt Steinblock. „Aber ich kenne ihn.“

Die „Special Fight Night“ der EPW am 10. November im „Aladin“ beginnt um 20 Uhr. Bevor Eddy zur letzten Titelverteidigung antritt, stehen diverse Kämpfe an. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung. Let’s get ready to rumble!

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