Bürgerschaftswahl Bremen

Interview mit FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner: „Echter Wechsel nur mit uns“

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Lencke Steiner, FDP-Spitzenkandidatin, beim Fototermin an der Weser – ein Termin übrigens, der bei Passanten an der Schlachte durchaus für Aufmerksamkeit und neugierige Blicke sorgte.

Bremen – Mit Lencke Steiner kehrte die FDP bei der Bürgerschaftswahl 2015 ins Landesparlament zurück. Bei der Wahl am 26. Mai will die Spitzenkandidatin, auf die die FDP ihren Wahlkampf stark zugeschnitten hat, noch mehr – sie strebt jetzt Verantwortung an. Regierungsverantwortung. Im Interview spricht Steiner über die Schwerpunkte ihrer Politik.

Frau Steiner, wir sind hier in der Fahrradstadt Bremen. Sie haben neulich eine auf Fahrradverkehrsverstöße spezialisierte Einsatzgruppe gefordert. Warum?

Autofahrer werden kontrolliert, Radfahrer aber nur sehr, sehr selten. Im Grunde geht es darum, gemeinsam respektvoll miteinander umzugehen. An roten Ampeln wird da zum Teil sehr rücksichtslos gefahren. Aber alle müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Wir haben auch von Radfahrern viel positives Feedback für den Vorschlag bekommen.

Wirtschaft ist einer Ihrer Wahlkampfschwerpunkte. Muss Bremen wirtschaftsfreundlicher werden?

Ja – gerade, was kleine und mittelständische Unternehmen betrifft! Denen werden viele Steine in den Weg gelegt und viele Auflagen gemacht. Und Gewerbeflächen gibt es für sie kaum noch.

Was machen Sie am 27. Mai, dem Tag nach der Wahl?

Ich werde definitiv nach Berlin fahren müssen – bestimmt stark übernächtigt und mit einem dicken Kopf von der Wahlparty. . .

Ihr Ziel? Wieviel Prozent wird die FDP bekommen?

Das Ziel ist zweistellig. Ambitioniert, aber machbar.

Nennen Sie mir bitte – politisch gesehen – drei Dinge, die Sie im Land Bremen sofort ändern würden, wenn Sie denn könnten!

Erstens: Leistungsprinzip in der Schule einführen. Noten ab Klasse 3. Und Rechtschreibung. Es ist wichtig, dass Kinder lesen, schreiben und rechnen können, wenn sie die Grundschule verlassen. Wir versündigen uns an der jungen Generation, wenn wir das nicht schaffen. Zweitens: Mehr Polizisten auf die Straße und dadurch mehr Sicherheit. Drittens: Geld in die Infrastruktur stecken, um fließenden Verkehr für alle zu ermöglichen. Das gilt auch für Fuß- und Radwege.

Lesen Sie auch: Die Bürgerschaftswahl im Ticker

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Schul-Misere, Stau-Stress, Wohnungsnot – was muss Bremen zuerst lösen und wie?

„Zuerst“ ist der falsche Ansatz. Wir brauchen keine Priorisierung, die Ressorts gegeneinander ausspielt. Hier geht es nicht um Sicherheit gegen Bildung oder um Bildung gegen Verkehr. Das sind Kernaufgaben, um die sich der Staat gleichermaßen kümmern muss. Es macht keinen Sinn, die unterschiedlichen Bereiche untereinander zu kannibalisieren. Prioritäten muss man dann immer in den einzelnen Ressorts setzen – Beispiel: Baue ich eine neue Fahrradbrücke oder sorge ich dafür, dass die bestehenden Brücken für alle funktionieren?

Wer käme für Sie als Koalitionspartner infrage?

Eine Glaskugel-Frage. . . ich rede natürlich mit jedem. Ich habe Lust, jetzt in Verantwortung zu kommen – nach vier schönen Jahren in der Opposition. Das Heft des Handelns haben wahrscheinlich die Grünen in der Hand, aber einen echten Wechsel kann es nur mit uns geben. Rot-Rot-Grün wäre für Bremen fatal. Jamaika (CDU, Grüne und FDP, d. Red.) wäre spannend, weil es die SPD nach 74 Jahren in die Opposition schicken würde. Aber auch eine Deutschland-Koalition (CDU, SPD, FDP, d. Red.) könnte Sinn haben.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit von Bremen und dem Umland?

Gut. Wir sehen zum Beispiel in der Metropolregion, dass wir eng und gut zusammenarbeiten. Das gemeinsame Gewerbegebiet Achim-West kann ein Vorzeigeprojekt werden. Für mich wäre es aber eine Bedingung, dass Bremen die Gewerbesteuerhebesätze ans Umland anpasst. Es gibt auch Felder, auf denen Bremen enger mit Niedersachsen kooperieren könnte, beim Verfassungsschutz und beim Statistischen Landesamt zum Beispiel. Da leisten wir uns einen Apparat, der sehr teuer ist.

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Die wichtigsten Spitzenkandidaten für das Wahlgebiet Stadt Bremen im Interview:

Zur Person: Lencke Steiner

Die Unternehmerin und Politikerin Lencke Steiner wurde am 6. September 1985 als Lencke Wischhusen in Bremen geboren. 2004 machte sie ihr Abitur am Ökumenischen Gymnasium. Die Diplom-Kauffrau wurde 2010 neben ihrem Vater Geschäftsführerin des Unternehmens W-Pack Kunststoffe. Zum Jahreswechsel hat die Familie das Unternehmen verkauft. Steiner lebt von ihrem Mann getrennt. 

Bundesweit bekannt wurde sie 2014/15 als Investorin in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Im November 2014 wählte die Bremer FDP Lencke Steiner zur Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl 2015. Mit ihr kehrte die FDP ins Bremer Landesparlament zurück. Am Wahlabend trat Steiner in die Partei ein. Auf dem folgenden Bundesparteitag der FDP wurde sie in den Bundesvorstand gewählt. Hobbys: „Kochen mit Familie und Freunden. Man konzentriert sich dann nur da drauf. Und Langhanteltraining.“

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