Seit 2013 bei der Arbeit

Restaurierung des Versuchsseenotkreuzers „Bremen“: „Echte Fummelarbeit“

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Der ehemalige DGzRS-Seenotkreuzer „Bremen“ ist mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert worden.

Seit 2013 arbeitet ein ehrenamtliches Team an der möglichst originalgetreuen Restaurierung des einstigen Versuchsseenotkreuzers „Bremen“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Tausende Arbeitsstunden wurden investiert, aber auch erhebliche Geldsummen.

Bremen – Von Ulf Kaack. Einen Löwenanteil der Mittel für die Restaurierung der „Bremen“ stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) bereit. Diese Unterstützung wurde am Dienstag dokumentiert. DSD-Ortskuratorin Marion Schoene überreichte eine Bronzeplatte, die an dem historischen Prototyp im Vegesacker Museumshafenn angebracht wurde. Der Seenotrettungskreuzer gehört zu den 19 Denkmalen, die die private DSD dank Spenden und Mitteln der Lotterie „Glücksspirale“ im Bundesland Bremen fördern konnte.

Das ambitionierte Projekt schritt gut voran, war aber von permanenten Geldsorgen begleitet, als die DSD auf den Plan trat und Fördermittel in Höhe von 51 600 Euro für einen Außenanstrich und Umbauarbeiten im Heckbereich bereitstellte.

Auf der Bremer Maleika-Werft im Hohentorshafen in der Neustadt wurde die „Bremen“ 2017 an Land geslippt. Die Profi-Schiffbauer erledigten die Stahlgewerke und die Sandstrahlarbeiten am Rumpf, übergaben anschließend den betagten Seenotveteran an die ehrenamtliche Crew. Die besteht im Kern aus fünf handwerklich versierten Rentnern, die am Wochenende und nach Feierabend von gut einem halben Dutzend noch berufstätigen Helfern unterstützt wurden.

Ein Team ehrenamtlicher Werftarbeiter arbeitet zusammen mit Horst Saade (rechts) nahezu täglich an der Wiederherstellung des Tochterbootbetriebs und der Messe in ihrem Originalzustand auf der „Bremen“.

„Zunächst haben wir klassisch gepönt, wie der Seemann sagt, dabei vier Schichten Farbe außen und innen aufgetragen“, blickt Horst Saade zurück, bei der Restaurierung ein Mann der ersten Stunde. „Die ,Bremen‘ war der erste Seenotkreuzer der DGzRS, der über ein Tochterboot verfügte. Das lagerte in einer Heckwanne und konnte nach dem hydraulischen Absenken der Heckklappe zu Wasser gebracht werden. Dieses System hat der Vorbesitzer komplett entfernt und es wurde von uns voll funktionsfähig rekonstruiert.“

Der Aufwand war riesig: Die Heckklappe wurde demontiert, ihr filigranes Spantengerüst und die Außenhaut neu hergestellt. Die Hydraulik, der Kompressor sowie diverse Leitungen mussten wiederhergestellt werden. Mehrere nachgerüstete Tanks für Kraftstoff und Ballast flogen raus, die verbleibenden Behältnisse unterzog man einer Antirostkur. Auf dem Deck entfernten die Ehrenamtlichen ein nachträglich aufgesetztes Deckshaus und bauten nach Original-Werftplänen die konvexe Heckwanne.

Das erforderte wiederum, die darunter liegende Messe komplett zu entkernen. Horst Saade: „Die entsprach nach Umbauten in den 70er Jahren nicht mehr der ursprünglichen DGzRS-Version, die nun von unserem Team wiederhergestellt wurde. Das war echte Fummelarbeit. Nach der Isolierung musste jedes einzelne Teil der Wandverschalung individuell angefertigt werden. Das Mobiliar haben wir anhand von Fotos aus Mahagoni nachgebaut.“

Knapp 2 000 Arbeitsstunden stecken allein in diesem Arbeitsabschnitt an der ,Bremen‘, so die Schätzung von Dr. Kai Steffen, dem Ideengeber und Initiator des Projekts: „Ohne die finanzielle Förderung der Stiftung Denkmalschutz hätten wir den Löwenanteil dieser Maßnahmen nicht durchführen können.“

Als nächster großer Bauabschnitt steht die Replik des einstigen Tochterboots bevor. „Das Original ist über die Jahrzehnte hinweg spurlos verschwunden, doch wir besitzen die Werftpläne, zwei Motoren sowie zwei Wendegetriebe, um einen funktionsfähigen Nachbau herzustellen“, blickt Horst Saade in die Zukunft. „Technisch und handwerklich sind wir dazu in der Lage, allein eine Finanzierungslücke von etwa 50 000 Euro hält uns gegenwärtig davon ab, die Schweißgeräte in Betrieb zu nehmen.“

Der Umbau

Der 1931 gebaute Kreuzer wurde 1951/1952 zum ersten Seenotkreuzer umgebaut. Die neue „Bremen“ erfüllte als erster Schiffstyp alle Kriterien und bildete so die Grundlage für die Konstruktion heutiger Seenotrettungskreuzer. Eingesetzt wurde die „Bremen“ in Bremerhaven (1953 bis 1963), in Hörnum (Sylt, 1960 bis 1961) und auf Amrum, wo sie 1965 außer Dienst gestellt wurde.

Kontakt und Infos auf

www.srk-bremen.de

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