Straßennamen erzählen Geschichten (395): Gustav Harmssen gehörte den ersten Nachkriegs-Landesregierungen an

Echt bremisch: Kaufmann wird Senator

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · Er galt als kompetenter Kritiker der Demontagepolitik. Und zählte zu den Senatoren der Nachkriegsjahre, gehörte bis 1953 der Landesregierung an. Und: Die Stadt Bremen hat Gustav Wilhelm Harmssen ihren Literaturpreis zu verdanken. Nach ihm ist die Senator-Harmssen-Straße im Güterverkehrszentrum (GVZ) benannt.

Gustav Wilhelm Harmssen wird am 26. März 1890 in Bremen geboren. Nach seiner Schulzeit absolviert er eine Kaufmannslehre, er wird Industriekaufmann und landet im Schiffbau – genauer gesagt bei den Atlas-Werken, die sich ab 1905 auf dem alten Gelände der AG „Weser“ auf der Stephanikirchenweide ansiedelte. Die auf Initiative des Norddeutschen Lloyd und der Norddeutschen Maschinen- und Armaturenfabrik gegründeten Atlas-Werke stellen zunächst Hilfsmaschinen und Spezialeinrichtungen für Schiffe her. Eine Propellergießerei und eine Abteilung Unterwasserschall werden gegründet.

Harmssen wird 1933 Vorstandsmitglied der Atlas-Werke. Und die florieren in den Folgejahren, weil sie unter anderem Echolote und Horchgeräte für U-Boote der Kriegsmarine herstellen, später auch Minensuchboote und Torpedos. 1939 beschäftigen die Atlas-Werke rund 2 000 Mitarbeiter, Anfang 1943 etwa 3 100. Harmssen ist seit 1942 Vorstandsmitglied der Atlas-Werke, die in den letzten Kriegsjahren schwer zerstört, nach 1945 aber wiederaufgebaut werden. Gustav Harmssen wird 1954 Vorstandsvorsitzender.

Dazwischen liegt aber seine politische Karriere. So wird er im Juni 1945 von der Allierten Militärregierung in den ersten Nachkriegssenat berufen. Den führt Erich Vagts als „Regierender Bürgermeister“. Doch Vagts bleibt nur knapp zwei Monate im Amt, bis ihn Sozialdemokraten und Kommunisten zum Rücktritt zwingen. Der Titel „Regierender Bürgermeister“ trägt nach ihm kein Regierungschef in Bremen.

Zurück zu Gustav Harmssen: Der wird zunächst Sena-tor für Interzonale Wirtschaftsfragen. Der bürgerliche Politiker, der zunächst Mitglied der Bremer Demokratischen Volkspartei ist, die dann in der FDP aufgeht, bleibt unter dem SPD-Mann Wilhelm Kaisen Senator – zuständig für Wirtschaftsfragen und Außenhandel. 1949 wird er Bremens Vertreter beim Bundesrat. Und Anfang der 50er Jahre regt er an, einen Beweis gegen die Legende anzutreten, dass Bremen eine „amusische Stadt der Pfeffersäcke“ sei. Die Anregung mündet in einem Literaturpreis, der zunächst nach dem Bremer Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder benannt wird.

Senator Harmssen häuft Ehrenämter an. Er ist von 1945 bis 1959 Plenumsmitglied der Handelskammer Bremen, ist Aufsichtsratsvorsitzender der Jute-Spinnerei und -Weberei. Zudem ist er in den Vorstands- und Aufsichtsratgremien der Kunsthalle, des Deutschen Werkbundes, des Theaters, der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG), der Stadtwerke und des Vereins für öffentliche Bäder tätig. Zudem gehört er ab 1946 als kaufmännisches Mitglied der Stiftung Haus Seefahrt an. Im Juni 1952 ernennt König Gustav von Schweden Harmssen zum Generalkonsul der skandinavischen Monarchie in der Hansestadt. Das Ehrenamt bekleidet der Bremer bis 1960. Aus dem Senat tritt Harmssen im März 1953 zurück, um sich fortan mit voller Kraft um die Atlas-Werke zu kümmern. Bis 1964 bleibt er im Unternehmen, das 1965 in den Krupp-Konzern eingegliedert wird. 1991 erwirbt der Bremer Vulkan die Firma, die 1996 schließlich aus dessen Konkursmasse gerettet wird. Heute beschäftigt die Atlas Elektronik GmbH in Sebaldsbrück noch rund 1 800 Mitarbeiter.

Gustav Harmssen stirbt am 19. Mai 1970 in seiner Heimatstadt. Nach ihm ist, wie eingangs erwähnt, eine Straße im GVZ in Niedervieland benannt. Sie zweigt von der Ludwig-Erhard-Straße ab. Im GVZ haben auch diverse andere Senatoren aus den ersten Landesregierungen der Nachkriegszeit ihre Heimat als Straßennamensgeber gefunden.

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