„Mein Kunst-Stück“ mit Dietrich Heller: Die Skulptur „Libica“

Dynamische Steine

Dietrich Heller gibt seinen Skulpturen Dynamik.  - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Libica“ heißt die Skulptur, die Dietrich Heller in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Er entwarf sie nach der Prophetin „Libica“ des Malers Michelangelo. Dessen Sibyllen, zu denen „Libica“ gehört schmücken das Deckengewölbe der Sixtinischen Kapelle in Rom.

Als Dietrich Heller in Rom war, um sich Michelangelos Werke am Deckengewölbe der Kirche zu betrachten, stellte er in den Bildern einen Moment der Bewegung fest. Es schien, als würden sie auf den Betrachter zukommen. Diesen 3-D-Effekt erreichte Michelangelo dadurch, dass er in seinen Darstellungen die Perspektive des Betrachters sowie die Wölbung des Untergrunds berücksichtigte. Würde man seine Bilder auf eine gerade Fläche übertragen, so erklärt Heller, würden sie komplett verzerrt aussehen. Die dynamisch-räumliche Wirkung von Michelangelos Werken faszinierte den Bremer Bildhauer besonders. Denn dieser Effekt bestimmt die Arbeit an seinen eigenen Skulpturen. Sein Grundthema ist die Tiefe der Skulptur. „Einfach nur Figuren zu machen, das braucht man heute eigentlich nicht mehr“, sagt Heller, „das beherrschten die Klassiker perfekt.“ Von der Gemeinsamkeit mit den Darstellungen des großen Meisters begeistert, kam ihm die Idee, die Sibyllen aus Kalkstein zu entwerfen. Durch eine leichte Neigung des Steins nach vorn und einen in den Vordergrund gesetzten Fluchtpunkt erhält der massive Stein eine Art „Zoom-Effekt“. Bei der gewohnten Zentralperspektive laufen die gedachten Fluchtlinien auf einen Punkt im Hintergrund zu. Bei Hellers Skulpturen ist es umgekehrt. Das erzeugt Spannung und täuscht Bewegung vor. Zur Verstärkung meißelt Heller die Fluchtlinien seitlich in den Stein. Seine „Libica“ ist die erste fertiggestellte Sibylle und damit aktuell Hellers liebstes Stück.

Daran, dass Heller Bildhauer wurde, könnte seine Großmutter ihren Anteil haben. Sie schenkte ihrem noch kleinen Enkel ein Heftchen über Schnitzkunst. Der schnitze daraufhin fleißig. Später wurde Heller allerdings erstmal Ingenieur, bevor er den „Ing. an den Nagel hängte“ und eine Holzbildhauerausbildung in Berchtesgaden begann. Anschließend studierte er an der Hochschule für Künste in Bremen. Die größte Herausforderung des Künstlerlebens sei es, dass das, was einem am meisten Spaß mache einen auch ernähre, sagt Heller. Bislang hatte er immer Glück und konnte seine Objekte verkaufen, auch wenn in Fachkreisen oft gesagt werde, Großes gehe nicht.

Hellers Tag beginnt meist um 7 Uhr. Nach zwei Stunden am Schreibtisch geht er bis 19  Uhr ins Atelier. Im Gegensatz zur Malerei erfordere die Bildhauerei lange Phasen recht stumpfer Arbeit, erzählt der Künstler. Das Behauen der Steine sei ein Marathonlauf. Danach folge nochmal ein 100-MeterSprint, bis die Werke wirklich verkauft sind. Ein falscher Schritt am Schluss könne alles Bisherige zunichtemachen. Heller mag dieses Risiko.

Die Kunst, meint Heller, wasche uns den Staub des Alltags von der Seele. Zu den Künstlern, die für ihn besonders bedeutend seien, zählen der italienische Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter Michelangelo Buonarroti (1475-1564), weil er es verstanden hat, einen Mythos aufzubauen und unvergesslich wurde. Der zweite Künstler ist der deutsche Maler Anton Burger (1824-1905). „Der malte wie ein Verrückter und war sehr vielschichtig“, sagt Heller.

Wenn Heller jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine Sibylle an die Malerin Sibylle Springer, die gerade in der Galerie ,K‘“ an der Alexanderstraße zu sehen ist. Auch zu ihren Arbeiten sieht Heller eine Verwandtschaft.

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