„Die Dynamik wird gebremst“

Offshore-Branche moniert EEG-Novelle

Der Offshore-Windpark „Butendiek“, dessen 80 Windturbinen mit einer installierten Gesamtleistung von 288 Megawatt sich etwa 30 Kilometer vor der Insel Sylt in der Nordsee drehen, ist seit Mitte 2015 am Netz. Ende 2016 waren laut Branchenverband 947 Offshore-Anlagen mit 4108  Megawatt Leistung auf hoher See installiert. - Foto: dpa

Bremerhaven - Von Jörg Esser. Knapp 13 Terrawattstunden (13 Billionen Stunden) Strom haben die Windräder auf hoher See im Jahr 2016 erzeugt. Das waren fast  57  Prozent mehr als ein Jahr zuvor (8,3 Terrawattstunden), teilte die Windenergie-Agentur (WAB) mit Sitz in Bremerhaven mit. Somit werden derzeit rund drei Millionen Haushalte mit Offshore-Windenergie versorgt. „Das entspricht etwa der Anzahl aller Haushalte in Berlin und Brandenburg“, so die WAB.

„Die Offshore-Windenergie etabliert sich weiter im deutschen Strommix“, sagt der Branchenverband. Dazu zählen neben der WAB die Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW), der Bundesverband Windenergie (BWE), die Stiftung Offshore-Windenergie sowie VDMA Power Systems. Die Deutsche Wind-Guard wiederum hat im Auftrag der Branche die aktuellen Ausbauzahlen für die Windenergie auf hoher See vorgelegt. Und demnach sind im Jahr 2016 insgesamt 156  Windräder mit einer Leistung von 818 Watt erstmals ans Netz gegangen. Dazu zählen laut WAB-Geschäftsführer Andreas Wellbrock die Nordsee-Windparks „Amrumbank West“ (Betreiber: Eon) mit 80  Windrädern und 288 Megawatt leistung 35 Kilometer und „Godewind 1“ mit 55 Windrädern und 330 Megawatt Leistung (Betreiber ist der dänische Energiekonzern Dong).

Ende 2016 waren damit 947  Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 4 108  Megawatt am Netz. Und der Ausbau schreitet weiter voran. 21 Anlagen mit 123   Megawatt wurden 2016 errichtet und warten auf den Netzanschluss. Im Windpark „Sandbank“ 90 Kilometer westlich von Sylt ist Anfang dieser Woche die 72. und letzte Turbine errichtet worden. Betreiber sind der Energiegigant Vattenfall und die Stadtwerke München. Der Park geht jetzt nach und nach ans Netz.

Im Windpark „Veja Mate“ ist jüngst die erste von 67 Turbinen errichtet worden – auch die Anlagen sollen in diesem Jahr ans Netz gehen. Hinzu kommen unter anderem „Nordsee One“ (54 Windräder, 332 Megawatt), an dem unter anderem der kanadische Energiekonzern Northland Power beteiligt ist, in der Nordsee sowie „Wikinger“ (70 Turbinen, 350 Megawatt), den der spanische Stromkonzern Iberdrola mit Sitz in Bilbao betreibt.

Zubau neuer Anlagen wird 2021 und 2022 auf jeweils 500 Megawatt beschränkt

„Der Ausbau auf See wird mit etwa 1 400 Megawatt in 2017 und danach mit durchschnittlich etwa 1 000 Megawatt pro Jahr bis 2019 kontinuierlich laufen“, sagt der Branchenverband. Was danach kommt, das weiß der Wind. „Die Dynamik in der Branche wird durch die in der jüngsten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes reduzierten Ausbauziele nach 2020 gebremst“, heißt es. Und weiter: „Industriepolitische Chancen werden vergeben.“ WAB-Chef Wellbrock spricht von einem „Fadenriss“. Die Bundesregierung hat im EEG-Gesetz neue Ausbaukorridore festgelegt. Der Zubau neuer Anlagen wird 2021 und 2022 auf jeweils 500 Megawatt beschränkt. Zudem dürfen neue Windparks nur in der Ostsee entstehen. „Die Reduzierung des Ausbauvolumens und die starre Festlegung auf die Jahresmengen belasten die Wertschöpfung der Offshore-Windindustrie am Standort Deutschland aufgrund des langen Vorlaufs der Produktion schon in den nächsten Jahren“, heißt es bei der WAB.

In der Offshore-Industrie gibt es Angaben zufolge derzeit rund 20 000 Arbeitsplätze. Die Branche rechnet damit, dass die Zahl zunächst stabil bleibt. Es werde aber eine Verschiebung in Richtung Wartung und Betrieb bestehender Projekte geben. Ab 2021 gelten zudem niedrige re Vergütungssätze für neue Windräder. Pro Kilowattstunde eingespeister Leistung kassierten die Windparkbetreiber dann nicht mehr knapp 19, sondern nur noch sieben bis acht Cent.

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