Bremer Sozialforscher: Menschen ohne Abi sind an Hochschulen immer noch selten

Durch Zufall an die Uni

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Selbstzweifel und der Mangel an Informationen sind Gründe dafür, dass noch immer wenig Menschen ohne Abitur an Hochschulen studieren, sagen Bremer Forscher vom Zentrum für Arbeit und Politik.

Bremen - Von Viviane Reineking. Menschen ohne Abitur studieren nach wie vor selten. Warum das so ist, haben Wissenschaftler vom Zentrum für Arbeit und Politik (Zap) der Universität Bremen jetzt in einer Studie gezeigt. Gründe sind demnach vor allem der Mangel an Informationen zu Zulassungsvoraussetzungen und Bedenken, den fachlichen Anforderungen nicht zu genügen.

Zwar studierten dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zufolge deutschlandweit noch nie zuvor so viele Personen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. 49 800 Studenten waren das im Jahr 2014. Bremen aber zeigt laut CHE bei den aktuellen Zahlen einen negativen Trend. Mit 1,06 Prozent für 2014 rangiert das Bundesland demnach im unteren Mittelfeld.

Dabei führen Wege zum Studium immer häufiger auch über andere Stationen als die klassischen schulischen Zugangsberechtigungen des Abiturs und der Fachhochschulreife. In Bremen sind mittlerweile laut Bremischem Hochschulgesetz (BremHG) Meister- und ähnlich wertige Berufsbildungsabschlüsse der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) gleichgestellt. Wer diese Qualifikationen besitzt, kann das Studienfach frei wählen. Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung bekommen einen fachgebundenen Hochschulzugang. Damit die Zahl der Studenten ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) steigt, empfehlen die Bremer Sozialforscher, qualifizierte Studierwillige ohne Abi nicht nur gezielter zu beraten, sondern auch über einen längeren Zeitraum hinweg zu betreuen, um Selbstzweifel abzubauen und den Übergang ins Studium zu erleichtern.

Um zu erklären, warum Menschen ohne Abi in Deutschland nach wie vor selten studieren, haben die Zap-Forscher um Jessica Heibült 38 Interviews mit Studenten ohne allgemeine Hochschulreife geführt. Der individuelle Bildungsweg interessierte die Wissenschaftler dabei besonders, um den Prozess der Studienentscheidung nachzuzeichnen. Analysiert hat das Team aber auch die Übergangsphase ins Studium und erste Studienerfahrungen. Ergebnis der Untersuchung ist, dass viele Menschen nur durch Zufall überhaupt von der Möglichkeit erfahren, ohne Abitur studieren zu können. Das teilt die Bremer Uni mit. Die Forscher machen zudem Unsicherheiten bezüglich der individuellen Zulassungsvoraussetzungen und der fachlichen Anforderungen des Studiums aus. Dazu käme die Sorge, den Anforderungen eines Studiums nicht gewachsen und im Vergleich zu den Abiturienten schon zu lange aus dem Lernprozess heraus zu sein.

Während des Studiums dann lösten sich diese Unsicherheiten jedoch langsam auf, so die Forscher. Die Befragten wiesen den Angaben zufolge insgesamt großen Ehrgeiz und Zielstrebigkeit auf. Dies galt schon für ihr Berufsleben, wo sie bereits großes Interesse am Lernen zeigten, so die Forscher. Bei der Bewältigung von Herausforderungen helfe ihnen wiederum ihre Berufserfahrung: Diese empfinden sie als hilfreich, um Ängsten und Zweifeln im Studium zu begegnen, Theorie und Praxis besser zu verknüpfen und erfolgreich zu studieren.

Zwar hat das Bremer Forscherteam keine Studieninteressenten ohne Abi befragt. Aber die Studie lege nahe, dass viele beruflich Qualifizierte ihren Studienwunsch aufgrund zu großer Unsicherheiten wieder verwerfen. „Eine gezieltere Bewerbung, Beratung und Betreuung dieser Gruppe kann dazu beitragen, Entscheidungen zur Studienaufnahme zu fördern und den Übergang ins Studium zu ebnen“, so Heibült. „Hier sehe ich Nachholbedarf, soll die bildungspolitische Zielsetzung nach mehr Durchlässigkeit von der Berufswelt in die Hochschule erreicht werden.“

Ein Beispiel für die Möglichkeit, auch ohne schulische HZB ein Studium an einer Bremer Hochschule aufzunehmen, ist übrigens der von der Bremer Uni angebotene „Zweijahreskurs Sozialwissenschaftliche Grundbildung“ des Zap. Bei erfolgreichem Abschluss wird eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung zu verschiedenen sozial- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen an Bremer Hochschulen erworben, heißt es.

www.uni-bremen.de/zap

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