Eröffnung des Krimifestivals

Der Duft von Apfelshampoo

Was macht einen guten Krimi aus? Darüber diskutieren beim Auftaktabend des Bremer Krimifestivals Moderator Michael Pundt (v.l.), Rose Gerdts-Schiffler, Norbert Horst und Axel Petermann. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Eine Obduktion geht viel schneller als in manchen Krimis. Da wird die Leiche so oft wieder rausgezogen, dass sie nicht mal kalt wird.“ Das sagt Kriminalhauptkommissar Norbert Horst beim Eröffnungsabend des Bremer Krimifestivals „Prime Time – Crime Time“.

Gemeinsam mit der früheren Gerichtsreporterin und heutigen Krimiautorin Rose Gerdts-Schiffler und dem Bremer Profiler Axel Petermann ist Horst der Einladung von Festivalleiterin Perdita Krämer ins Bremer Kriminaltheater gefolgt. Im vierten Stock der historischen Union-Brauerei sprechen die Kriminalisten und Buchautoren über Verbrechen, Fakten und Fiktion. Wie viel Brutalität darf geschildert werden, was macht einen guten Krimi aus und was reizt an diesem Genre? Das sind nur einige der Fragestellungen.

Gerdts-Schiffler nutzt als Journalistin und Pressesprecherin der Innenbehörde die Gelegenheit, in ihren Krimis gesellschaftlichen Themen Raum zu geben. Fallanalytiker Petermann fesselt den Leser durch die sachliche Fülle und Abnormität der realen Details. Horst hat sich mit seinem „Kommissar Steiger“ einen unkonventionellen Protagonisten geschaffen. In seinem neuen Roman „Mädchenware“ wird eine russische Prostituierte in einem Dortmunder Bordell inmitten feiernder EU-Beamter erschossen. Steigers langjährige Geliebte ist selbst Prostituierte und wird bei dem Überfall verletzt. Horst liest aus der Szene, in der Steiger mit seinen Kollegen die Wohnung eines Verdächtigen betritt. „Ey, mach keine Zicken, Meister“, warnen die Beamten den Tatverdächtigen noch. „Doch ohne zu viel zu verraten, es ist übel schiefgegangen“, schließt der Kommissar.

Tragik und Komik liegen oft sehr nah beieinander

Horst erzählt, dass bei der täglichen Arbeit Tragik und Komik oft sehr nah beieinanderlägen. Wenn ein Freier im Puff sterbe und die Todesnachricht der Ehefrau überbracht werde, dann müsse man unwillkürlich schmunzeln. Skurril sei es auch, wenn wie in seinem Buch beschrieben, eine Leiche fürs Foto hergerichtet werden muss und es im Obduktionssaal plötzlich nach Apfelshampoo rieche.

Die drei Autoren berichten aus Lebensbereichen, die den meisten Menschen verschlossen bleiben, obwohl Verbrechen ständig und überall geschehen. „Täter sind meist keine Auftragskiller“, sagt Petermann. „Die Tötungen sind traurige Höhepunkte ihrer Biographien.“

Den Tätern zuzuhören und sich in sie hineinzuversetzen, sei eine Form von Respekt, aber auch unabdingbar zur Aufklärung eines Verbrechens. Da könne man auch den Täter duzen. „Eine Tat zu verstehen, bedeutet nicht, Verständnis dafür zu haben“, ergänzt Horst. Auch Gerdts-Schiffler weiß aus den unzähligen Gerichtsverhandlungen, dass die Täter meist nicht dem Bild eines Monsters entsprechen. Sie liest aus ihrem Kriminalroman „Dornenkinder“. In ihm begegnet der Leser nicht nur dem Schicksal zweier bulgarischer Flüchtlingskinder, sondern auch jeder Menge literarischem Futter aus dem Bremer Justizleben. In Petermanns „Der Profiler“ trifft der Fallanalytiker nach seiner Pensionierung auf die Mutter der 1995 ermordeten Heike Rimbach aus dem Harz. Er rekonstruiert den bislang ungelösten, grausamen Mord.

Ein vergnüglicher Kontrast zum Grauen bietet sich im schummerigen Turmzimmer des Theaters: Schauspieler Martin Leßmann löst in seiner Western-Krimi-Miniatur-Fiktion „Canyon City III – Unter Verdacht“ den Fall um acht verhaftete Freunde in der Westernstadt – und das Publikum hilft mit.

www.primetime-crimetime.de

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