Experten befürchten neue Rekord-Schmelze in der Arktis

Auf dünnem Meereis

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Arktisches Meereis zeigt diese Aufnahme aus dem Spätsommer vergangenen Jahres. Das Arktis-Eis beeinflusst das Klima der Erde, weil es Sonnenlicht und Hitze reflektiert.

Bremerhaven - Wissenschaftler befürchten in diesem Sommer eine neue Rekordschmelze des Meereises in der Arktis. Die Auswertung von Satellitendaten habe gezeigt, dass das Eis schon im Sommer vergangenen Jahres ausgesprochen dünn gewesen sei, teilten Meereisphysiker des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) jetzt mit. Im vorigen Winter habe sich zudem besonders wenig neues Eis gebildet.

Wie viel Meereis in den Sommermonaten in der Arktis schmilzt, hängt von den Windverhältnissen sowie den Luft- und Wassertemperaturen ab. Die Grundlagen würden aber im Winter davor gelegt, erläuterte Marcel Nicolaus. „Der besonders warme Winter in der Arktis hat dazu geführt, dass sich in vielen Gebieten nur sehr langsam neues Meereis gebildet hat.“ Dieses sei in diesem Frühjahr so dünn wie im Negativrekordjahr 2012 – teilweise sogar noch dünner. Damals war die Eisfläche in der Arktis auf 3,4 Millionen Quadratkilometer geschrumpft.

„Das hängt ganz klar mit dem Klimawandel zusammen“, sagte der Meereisforscher. „Der Trend wird bestätigt.“ Der direkte Effekt treffe schon jetzt Menschen in der Region, etwa an entlegenen Küsten Alaskas, die stärker erodierten. „Mittelbar bekommen wir das auch in unseren Breiten durch mehr Wetterextreme zu spüren“, sagte der AWI-Wissenschaftler weiter.

Für die Prognose hatte der Wissenschaftler gemeinsam mit einem Kollegen die Satellitendaten zur Meereisdecke aus den vergangenen fünf Wintern ausgewertet. Wichtige Informationen lieferten auch sieben Schneebojen auf Eisschollen, die die Höhe der Schneedecke, die Lufttemperatur und den Luftdruck aufzeichnen.

Die Entwicklung während der zurückliegenden Jahrzehnte zeige ganz deutlich, dass es sich um einen langfristigen Trend handele, betont Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, der an der Auswertung nicht beteiligt war. „Die Arktis ist eine Art Frühwarnsystem für den Klimawandel.“

Erst im vergangenen Monat hatten Wissenschaftler berichtet, dass das Wintereis in der Arktis noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen eine so kleine Fläche bedeckt habe wie in diesem Jahr. „Ich habe noch nie einen solch warmen, verrückten Winter in der Arktis gesehen“, betonte der Direktor des Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrums der USA (NSIDC), Mark Serreze. Am Tag der größten Ausdehnung, dem 24. März, bedeckte das Eis im Nordpolarmeer demnach nur 14,52 Millionen Quadratkilometer. Seit 37 Jahren wird den Angaben zufolge die Eisfläche mit Satelliten vermessen – die 13 kleinsten Höchstwerte stammen aus den vergangenen 13 Jahren. 

dpa

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