„Echt erschreckende“ Bilanz

Drogenfahrer bei Großkontrolle im Visier

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Ende an der Waschanlage: Der Fahrer des schwarzen Golfs wollte noch über die angrenzende Tankstelle flüchten, doch die Polizei war schneller und kontrollierte das Fahrzeug. Zwar fanden die Beamten dort keine Drogen, doch der Schnelltest schlug beim Fahrer positiv auf Kokain an.

Bremen - Von Steffen Koller. Die Bremer Polizei hat in dieser Woche an mehreren Stellen im Stadtgebiet großangelegte Drogenkontrollen im Straßenverkehr durchgeführt. Bereits an Tag eins (Dienstag) zogen die Beamten mehr als 40 Autofahrer, die unter Drogeneinfluss standen, aus dem Verkehr. Auch am Mittwoch reihte sich an der Kontrollstelle an der Stresemannstraße Auto an Auto. Innerhalb von nur dreieinhalb Stunden erwischte die Polizei acht Fahrer, bei denen der Schnelltest anschlug. Ein Autofahrer wollte gar flüchten.

Er hatte den Polizisten wohl noch gesehen und dachte womöglich, ein Wendemanöver auf dem nahegelegen Tankstellengelände würde ihn vor der Kontrolle bewahren. Falsch gedacht. Auch dort hatten sich am Nachmittag mehrere Polizisten, Zivilfahnder und Zollbeamte mit Drogenspürhunden positioniert.

Mit Erfolg, wie der Fall des Mannes zeigt, der kurz darauf per Schnelltest positiv auf Kokain getestet wird. Jeder Versuch, sich aus der Sache rauszureden, ist zwecklos, das Testergebnis scheint eindeutig. So wie bei vielen anderen Verkehrsteilnehmern, die an der Kontrollstelle an der Stresemannstraße/Ecke Legienstraße den Fahndern ins Netz gehen. Allein in den ersten dreieinhalb Stunden werden acht Fahrer positiv auf illegale Substanzen getestet.

41 Fahrer positiv auf Drogen getestet

Marihuana, Kokain, Amphetamine, Opiate – die ganze Bandbreite findet sich im Speichel der meist jungen Fahrzeugführer wieder. „Erschreckend“, wie Jens Rezewski, Polizeiführer und Leiter der Verkehrsdirektion, sagt. Am ersten Kontrolltag wurden allein an zwei Stellen von rund 400 kontrollierten Fahrern 41 positiv auf Drogen getestet, was etwa zehn Prozent ergibt. „Man kommt kaum hinterher“, fügt er an und hat dafür unter anderem eine Begründung. So lägen aktuell die sogenannten „Legal Highs“ voll im Trend – Substanzen, die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung nicht offiziell als Drogen deklariert sind und somit nur schwer nachweisbar seien. So fanden Polizisten am Dienstag bei einem Fahrer gleich zehn Pakete mit „Legal Highs“. Eine Durchsuchung der Wohnung des Mannes ergab weitere 800 Gramm der „legalen Kräutermischung“ und 600 Gramm Marihuana.

Ganz so schwerwiegend sind die Konsequenzen für einen finnischen Fahrer nicht, obwohl der Mann positiv auf Marihuana getestet wird. Da er nicht in Deutschland lebt, wird eine Sicherheitsleistung fällig. 1 000 Euro, mehr gibt die Bank nicht her. Eigentlich wären es 1 350 Euro gewesen. „Glück gehabt“, sagt er in gebrochenem Englisch und setzt seine Reise fort.

Ist bei vielen Fahrern die Kontrolle innerhalb weniger Minuten beendet, müssen andere das volle Programm durchlaufen. Erste Fragen durch die Polizisten, Drogenschnelltest, womöglich Urin abgeben, Blutentnahme durch einen Arzt, der in einem extra dafür aufgestellten Zelt auf seine „Patienten“ wartet.

Dass die Großkontrolle mit insgesamt 120 Beamten aus sieben Bundesländern durchaus ihren Sinn hat, zeigen allein die Unfallzahlen von 2016. 57 Verkehrsunfälle unter Einfluss von Betäubungsmitteln registrierte die Polizei in der Hansestadt, 351 entstanden im Alkoholrausch. Wobei die Dunkelziffer hoch sein dürfte, so ein Beamter vor Ort. Auch am Donnerstag kontrolliert die Polizei wieder. Dass eines Tages mal gar kein Autofahrer positiv getestet wird, sei „reines Wunschdenken“, sagt ein Polizist. Hoffentlich irrt er.

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