Dreiecksbeziehung einmal anders / „Trennung für Feiglinge“ feiert Premiere

WG mit Nebenwirkungen

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Drei ist einer zu viel: Paul (Gregor von Holdt, v.l.), Sophie (Heidi Jürgens) und Martin (Dirk Hermann) wohnen zusammen. Doch auf Dauer kann das mit Sicherheit nicht gut gehen. Wer zieht zuerst die Reißleine?

Bremen - Von Steffen Koller. Man nehme einen cholerischen Mittvierziger, seine auf Kuschelkurs getrimmte Gattin und den besten Freund, dessen Loyalität an grober Fahrlässigkeit grenzt. Fertig ist die Zweck-WG mit Nebenwirkungen. „Trennung für Feiglinge“ feierte am Donnerstagabend Premiere im Packhaustheater und bewies: Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende. Oder etwa nicht?

Es könnte alles so schön sein. Paul (Gregor von Holdt) teilt sich seit vier Monaten eine gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin Sophie (Heidi Jürgens). Sie liebt ihn abgöttisch, würde alles für ihn tun, ist sexy, klug – und doch will das alles nicht zusammen passen. „Diese blöde Ziege“, so nennt Paul sie zumeist, „soll einfach abhauen!“ Ihn nerven ihre Ticks, die täglichen Rituale, einfach alles. Doch Paul denkt sich: „Warum den einfachen Weg gehen, wenn der komplizierte so erfolgsversprechend scheint?“ Gedacht, getan, zieht Pauls bester Freund Martin (Dirk Hermann) in die Wohnung ein und es beginnt eine Ménage-a-trois der besonderen Art.

Regisseur David Wehle schafft mit „Trennung für Feiglinge“ eine Dreiecksbeziehung, die es in sich hat. Erhofft sich Paul durch den Einzug Martins, dass seine Gattin irgendwann entnervt das Weite sucht, passiert – wie soll es anders sein – genau das Gegenteil. Anstatt zwischenmenschliche Spannungen zu produzieren, verteilt Martin Glückshormone in Überdosis.

Ein Spiel aus Missverständnissen, Lügen und versehentlichen Intrigen entsteht, was besonders die Lachmuskeln der Zuschauer zu Höchstleistungen antreibt. Immer wieder hallen gellende Lachsalven durch den Saal, es gibt nicht nur Szenenapplaus, auch Szenenjubel mischt sich in das zweistündige Stück.

Dass das so ist, liegt nicht nur an der verworrenen Story, es ist vor allem der Verdienst der drei Hauptakteure. Jeder für sich spielt authentisch und herzergreifend komisch. Paul, der aufbrausende Mitarbeiter eines Landwirtschaftsmagazins, dessen Nerven wohl am ehesten mit einer überspannten Gitarrensaite zu vergleichen sind – jede Berührung führt zu Misstönen. Neben ihm Sophie, die pedantische Übermutter mit naivem Verhaltensmuster. Und zu guter Letzt: Martin, der Prototyp eines ordnungsliebenden Finanzbeamten, der zwar nett ist, aber viel zu lieb für diese Welt.

Und dass die drei nicht zum ersten Mal im Rampenlicht stehen, zeigt sich spätestens zum Ende des Stücks, als unverhofft Teile des Bühnenbildes zu Boden sausen. Geplant war das so mit Sicherheit nicht. Und auch die Schauspieler müssen sich für einige Sekunde ein Lachen verkneifen, was nicht allen vollends gelingt, während sich viele Zuschauer wohl am liebsten auf dem Boden gekugelt hätten. Doch genau dieses aus dem Leben gegriffene Szenario macht Bühnenschauspiel aus und gibt am Premierenabend dem dann doch etwas mau ausgefallenen Ende eine besondere Note.

Während des Stücks pflegt Sophie den Satz zu sagen: „Alles wird gut.“ Ob sich am Ende wirklich alles zum Guten wendet, bleibt an dieser Stelle offen. Ein Besuch lohnt sich. „Trennung für Feiglinge“ läuft noch bis Juli. Karten gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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