Südsee-Erlebnisse eines Bremer Kaufmanns

Drang und Details

Zeitgenössische Darstellungen illustrieren die gedruckte Fassung von Carl Traubs Südsee-Tagebuch. Hier das Königspaar von Hawaii, Kameamea III. und Gemahlin, auf einer Darstellung aus dem Jahr 1852.
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Zeitgenössische Darstellungen illustrieren die gedruckte Fassung von Carl Traubs Südsee-Tagebuch. Hier das Königspaar von Hawaii, Kameamea III. und Gemahlin, auf einer Darstellung aus dem Jahr 1852.

Bremen - Von Thomas Kuzaj · Fernweh: „Wenngleich nicht von dem Wahn berauscht, daß in den andern Welttheilen Alles besser sei, als in dem unsrigen, so fühlte ich doch, gleich jedem andern jungen Manne, je näher das Ende meiner kaufmännischen Lehrzeit rückte, je mehr den Drang, Einige der fernen Laender zu besuchen.“

Und so beginnt das „Südsee-Tagebuch eines Bremer Kaufmanns“, geschrieben in den Jahren 1845 bis 1848 und gedacht für die Familie. Jetzt, mehr als 160 Jahre später, liegt das Tagebuch des Kaufmannssohns Eugen Carl Wilhelm Traub (1823 bis 1894), in gedruckter Fassung vor. „Ich war im höchsten Grade Europa-müde und gab die Zeit, die ich hier noch zubringen mußte, für verloren.“

Der Originalton bleibt erhalten, die Rechtschreibung des 19. Jahrhunderts auch – Fußnoten allerdings kommen hinzu in diesem Band, den das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) herausgibt und der jetzt im Oceanum-Verlag (Wiefelstede) erschienen ist (204 Seiten, Preis: 17,90 Euro).

Eine Quelle ist dieser Text – für die Wissenschaft interessant, aber auch für all jene, die sich für Themengebiete wie Südsee- und Kolonial-, Handels- und Missionsgeschichte interessieren. Wer sich hier eingelesen hat, wird mit etlichen spannenden Details belohnt. Der Autor beschreibt Lebensverhältnisse in der Südsee und den Umgang der eingeborenen Bevölkerung mit den Fremden aus Europa.

Der Bremer Traub, als junger Kaufmann an Bord der Brigg „Arion“ auf Reisen, blickt mit den Augen des Europäers auf die für ihn neue Welt und deren Menschen. „Ich sah nie ein Tonga-Weib in einem Kleide. Auch Hüte, wie die Tahiterinnen allgemein tragen, sieht man nicht. Die Frisur würde sie nicht gestatten.“

Traub blickt nicht nur auf Details, er macht sich auch Gedanken, reflektiert das Erlebte. Dies gibt seinem Bericht eine zusätzliche Dimension. „Nach meiner Ansicht thun wir immer Unrecht, wenn wir Ländern bei deren Entdeckung neue Namen geben. Wenn sie bereits einen von ihren Bewohnern erhalten haben, warum wollen wir sie dann mit einem europaeischen Namen versehn. Daß solches bislang geschehn, bewies die Eitelkeit der Entdecker.“

Ursula Feldkamp vom Deutschen Schiffahrtsmuseum entdeckte eine Kopie der handschriftlichen Aufzeichnungen Traubs im Bremer Staatsarchiv.

Schnell sei deutlich geworden, dass das Tagebuch „nicht nur aus schifffahrtshistorischer, sondern auch aus ethnologischer Sicht interessante Aspekte enthält“, schreibt sie im Vorwort der gedruckten Fassung. Die basiert auf dem Original des Tagebuchs, zur Verfügung gestellt von den Nachfahren des Autors – Lilli und Richard Traub aus Bremen.

Der vorliegende Band ist auch eine interessante Ergänzung zu den Briefen eines Zeitgenossen Traubs, des Bremer Kapitäns Heinrich Wieting (1815 bis 1868), der „Vater der Auswanderer“ genannt wurde. Seit 1840 und eigentlich bis zu seinem Tod pendelte Wieting zwischen Bremerhaven und Charleston, South Carolina, USA. Zeitweilig hielt er praktisch das Auswanderungs-Monopol für diesen Teil der Vereinigten Staaten. Auf 32 Seereisen brachte der Bremer mehr als 3 400 deutsche Auswanderer nach South Carolina.

Bevor Wieting Briefe abschickte, übertrug er sie in ein Kopierbuch. Eines davon wurde vor Jahren auf einem Dachboden der früheren Scheune des Heimatarchivs Blumenthal gefunden – und 2007 zur Basis des Bands „Was fernern vorkömmt werde ich prompt berichten“ (Edition Temmen). Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Hauschild-Verlag die zweibändige Arbeit „Mit Kurs auf Charleston, S. C.: Kapitän Heinrich Wieting und die deutsche Auswanderung nach South Carolina im 19. Jahrhundert – herausgebracht als Band 13 und 14 der Reihe „Deutsche Maritime Studien“ des Deutschen Schiffahrtsmuseums.

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