Gebäude mit Denkmalqualitäten

Turm-Kunstwerk steht den Domsheide-Planern im Weg

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Die einzige begehbare Skulptur des weltberühmten dänischen Künstlers Per Kirkeby (1938 bis 2018), 2016 von den Museen Böttcherstraße mit einer großen Ausstellung gewürdigt, steht an der Domsheide. Und den Planungen für die Umgestaltung des Verkehrsknotenpunkts im Weg. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Er ist ein prägendes Element der Domsheide, die zu den verkehrsreichsten Plätzen Bremen gehört – und damit beginnen auch die Probleme. Die Domsheide soll umgebaut und neu gestaltet werden. Der markante Backsteinturm des weltberühmten dänischen Künstlers Per Kirkeby (1938 bis 2018) steht dabei aber im Weg. Was ist zu tun? Darüber wird gegenwärtig diskutiert. Die Denkmalpfleger wollen den Turm schützen.

Wie konkret sind die Pläne, das Kunstwerk unter Schutz zu stellen? Antwort von Prof. Dr. Georg Skalecki, Bremens Landeskonservator: „Sehr konkret!“ Denn: „Der Kirkeby-Turm ist ein seltenes und herausragendes Kunstwerk und besitzt inzwischen auch Denkmalqualitäten.“ Also: „Die Denkmaleigenschaften sind erkannt und die Gründe werden gerade von meinem Hause in einem Gutachten formuliert.“

Der Verkehrsturm auf der Domsheide – ein Kunstwerk von Weltrang, das nicht überall als solches erkannt wird. Graffiti finden sich auf den Klinkern; Wildpinkler nutzen die Einbuchtungen. Der Turm stinkt, das ist die Folge der offenkundigen Geringschätzung.

Eine Unterschutzstellung dürfte den Turm neu in den Fokus rücken – was die Neugestaltung der Domsheide angeht, ist er ohnehin schon im Blick der Planer. 14 Varianten zum Umbau des Platzes waren einmal im Gespräch, vier davon sind übriggeblieben. Mit täglich etwa 70.000 Fahrgästen ist die Domsheide nach dem Hauptbahnhof das „zweitgrößte Drehkreuz“ der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), sagt deren Sprecher Andreas Holling. Die Bahnlinien 2, 3, 4, 6 und 8 rattern über den Platz (was Konzertbesucher in der Glocke oftmals als Rumpeln wahrnehmen), hinzu kommen noch die Buslinien 24 und 25.

BSAG an Domsheide-Gesprächen beteiligt

Als Hauptnutzer der Domsheide ist die BSAG an den Gesprächen zur Neugestaltung beteiligt. Von den vier Varianten, die noch im Gespräch sind, sind sich drei sehr ähnlich, eine ist komplett anders, so Holling. Die drei ähnlichen Varianten sehen vor, den Haltestellenbereich an der Balgebrückstraße (praktisch zu Füßen des Kirkeby-Turms) in Richtung Weser zu verlegen – und den Haltestellenbereich vor der Post weiter in Richtung Volksbank rücken zu lassen. Die vierte Variante enthält eine „kompakte Anlage“ (Holling): sämtliche Haltestellen liegen dabei im Bereich der Volksbank.

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Nun, der Umbau dürfte in absehbarer Zeit kommen, da die BSAG an der Domsheide ohnehin Gleise erneuern muss. Was auch immer am Ende herauskommen mag: „Bei allen vier Varianten steht der Turm im Weg“, so BSAG-Sprecher Holling. Ein wesentlicher Faktor sind dabei die „Kurvenradien“ der Straßenbahnen – nicht zuletzt jene der neuen, breiteren Züge. Womöglich könnte es schon genügen, Kirkebys 13,80 Meter hohes Kunstwerk um ein paar Meter zu verschieben. Flugs kamen aber auch radikalere Vorschläge auf – mit dem Ziel, den Turm etwa zum Huchtinger Roland-Center oder zum Brill zu verlegen.

Denkmalpfleger beobachten Turm

Aber nicht mit dem Denkmalpfleger. Skalecki: „Eine Unterschutzstellung wird kommen, der Turm unterliegt aber jetzt schon unserer Beobachtung. Eine Versetzung an einen ganz anderen Ort ist ausgeschlossen, eine ,geringfügige‘ Verschiebung hielte ich für vorstellbar.“ Aber: „Aber auch der Ort des Kunstwerks ist wichtig!“

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Schließlich steht er im Zusammenhang mit dem Platz, der ihn umgibt. Die Freundschaft zwischen dem Stadtplaner Eberhard Kulenkampff, von 1974 bis 1987 Senatsdirektor im Bauressort, und Kirkeby führte 1987 zu den Plänen und 1988 zum Bau des Turms – auch damals wurde die Domsheide neu gestaltet. Bis 2009 diente der Turm der BSAG als Verkehrsleitstelle. Zugleich ist er die einzige begehbare Skulptur Kirkebys.

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